Die Geschichte der Zauberpilze

Published :
Categories : BlogPsychedelikaZauberpilze

Die Geschichte der Zauberpilze

Die Geschichte der Zauberpilze ist ziemlich bewegt, aber wir haben sie stets weiter verwendet, was nun schließlich ermöglicht, daß man anfängt sich ihres medizinischen Potenzials bewusst zu werden.

Heute ist die Beziehung zwischen Mensch und Zauberpilzen etwas angespannt. Sie sind in so ziemlich allen Ländern auf allen Kontinenten dieser Welt verboten. Statt sich von ihnen erleuchten zu lassen, fürchten die meisten (aber nicht alle) Menschen sich zu Unrecht vor Zauberpilzen und der unbekannten "Bedrohung", die sie darstellen. Doch es war nicht immer so. Erst in der jüngeren Geschichte sind Zauberpilze unter dieses globale Verbot gefallen. Davor sah die Beziehung zwischen Mensch und Pilz ganz anders aus, manchmal turbulent, aber von Vorteil für diejenigen, die sie willkommen hießen.

Gehen wir so weit zurück wie möglich

Die frühesten Aufzeichnungen von halluzinogener Pilzen datieren sich auf rund 9.000 vor Christus. Viele theoretisieren allerdings, daß Zauberpilze seit den Anfängen der menschlichen Rasse verwendet werden. Einige, wie die "Theorie des berauschten Affen" gehen sogar so weit zu behaupten, daß sie ein integraler Bestandteil der menschlichen Evolution sein könnten. Bisher gibt es keine Möglichkeit, um sicher zu wissen, wie weit diese Beziehung zurückreicht, aber Du kannst Dir sicher sein, daß sie verdammt weit zurückreicht.

Die frühesten Aufzeichnungen: Höhlenmalereien und Statuen

Doch kommen wir zurück zu dem was wir auf jeden Fall wissen. Wie bereits erwähnt, wurden die frühesten Aufzeichnungen von Zauberpilzen in Afrika gefunden, in Höhlenmalereien aus der Zeit von um die 9.000 vor Christus. Sie deuten darauf hin, daß Zauberpilze möglicherweise von kultureller Bedeutung oder zumindest Inspiration für die Kunst waren.

Die nächste Referenz in der Geschichte kommt von den Mayas und Azteken. In alten Tempeln gefundene Statuen, die auf 1.000-500 vor Christus datiert wurden und unter den Kappen oft Figuren trugen. Es wird allgemein angenommen, daß dies religiöse Symbole von Pilzgöttern sind und das Zauberpilze regelmäßig als Teil von Zeremonien verwendet wurden.

Niemand rechnete mit der spanischen Inquisition

Gehen wir einige Jahre weiter, bis zur spanischen Eroberung und Kolonisierung von Zentralamerika und man beginnt weitere Berichte zu sehen, die die Vorstellung unterstützen, daß Zauberpilze für die Azteken ein zentraler Bestandteil ihrer Kultur waren. Geschichten gelangten zurück in die Heimat Spanien, von berauschenden Substanzen, die als Teil von religiösen Zeremonien verwendet wurden, insbesondere Teonanácatl, ein Zauberpilz, dessen aztekischer Namen übersetzt "Fleisch der Götter" bedeutet. Dies war auch der Fall in spanischen Aufzeichnungen über die Mixteken, die während des dreizehnten Jahrhunderts regelmäßig Pilze verwendeten. Sie hatten sogar einen Gott der Halluzination, der mit einem Pilz in jeder Hand dargestellt wurde.

Der spanische Priester Bernardino de Sahagún erwähnte im Florentiner Codex die Verwendung von Zauberpilzen durch die Azteken. Er schrieb: "Das erste, was auf dem Fest gegessen wurde, waren kleine schwarze Pilze, die sie Nanácatl nannten und ihnen Trunkenheit, Halluzinationen und sogar Wollust brachte; sie aßen sie vor der Morgendämmerung ... mit Honig. Als sie begannen die Auswirkungen zu spüren, fingen sie an zu tanzen, einige sangen und andere weinten ... Wenn der Rausch der Pilze verflogen war, sprachen sie miteinander über die Visionen, die sie gesehen hatten."

Heute nimmt man an, daß die verzehrten Pilze wahrscheinlich Psilocybe caerulescens oder/und Psilocybe mexicana waren.

Leider waren die Spanier dieser Zeit ziemlich rücksichtslos bei der obligatorischen Integration des Katholizismus' in das Leben der lokalen Bevölkerung. Daher ging vieles von ihrer Geschichte und Kultur verloren, einschließlich der Verwendung von Zauberpilzen - die so in den Untergrund getrieben wurden.

Zauberpilze im 20. Jahrhundert

Springen wir vor bis ins 20. Jahrhundert und die Verwendung von Zauberpilzen war so weit in den Untergrund getrieben worden, daß westliche Akademiker diskutierten, ob sie tatsächlich existieren. Trotz der Hinweise aus der Zeit der spanischen Eroberung begannen viele zu glauben, daß die Aufzeichnungen irrten und es wahrscheinlich getrockneter Peyote war, der verwendet worden war. Das war natürlich sehr umstritten. Es gab Botaniker wie Dr. Blas Pablo Reko, die nicht nur glaubten, daß sie existierten, sondern auch, daß sie von einigen modernen mexikanischen Kulturen immer noch verwendet würden.

Erst in den frühen 30er Jahren wurden Zauberpilze durch den Westen wiederentdeckt, als der Amateuranthropologe Robert Weitlaner Zeuge einer Pilzzeremonie der Mazatec wurde. Dies erregte bei Wissenschaftlern wie Dr. Reko höchste Aufmerksamkeit und es wurden Proben zur Analyse nach Stockholm und zur Harvard University geschickt. Als sie ankamen waren die Proben allerdings zu vergammelt, um noch von irgendeinem wissenschaftlichen Nutzen zu sein. Leider warfen Vorkommnisse der Geschichte den heiligen Pilzen wieder Knüppel zwischen die Beine, denn der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs brachte alle wissenschaftlichen Untersuchungen in diesem Bereich zum Stillstand.

Erst Anfang der 50er Jahre wurde das Interesse an Zauberpilzen wieder geweckt. Dies geschah durch den Amateurmykologen R. Gordon Wasson. Er und seine Frau reisten nach Mexiko, um die Pilzzeremonien mit eigenen Augen zu sehen. Erneut flammte Interesse innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf und Roger Heim brachte sich ein; er gewann die Hilfe von Sandoz Pharmaceuticals bei der Isolierung der psychoaktiven Substanz aus einer Probe der Zauberpilze. Interessanterweise war es dann tatsächlich aber der berühmte Albert Hofman, der zu dieser Zeit ebenfalls für Sandoz arbeitete, der als Erster Psilocybin isolierte, womit er Heim alles gab, was er brauchte, um sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Heim schrieb den ersten weit verbreiteten Artikel über Zauberpilze, der im LIFE Magazin veröffentlicht wurde, wodurch sich das Wissen unter den Massen verbreitete. Wie Du Dir wahrscheinlich vorstellen kannst, führte dies im Westen zu einem unglaublichen Anstieg der Nachfrage nach Pilzen und echte Freizeit- und wissenschaftliche Experimente begannen.

Im Laufe der 60er Jahre stieg diese Popularität sprunghaft weiter an und die Verwendungen der Pilze für Freizeit und Therapie wurde zu einem festen Bestandteil der psychedelischen Bewegung dieser Zeit. Leider war es wieder einmal nicht von Dauer. Die Verwendung von Zauberpilzen und vielen anderen Halluzinogenen wurde auf der ganzen Welt verboten, vorangetrieben durch die USA. Obwohl ihre (illegale) Nutzung für die Freizeitgestaltung bis zum heutigen Tag anhält, kam die wissenschaftliche Forschung, die gerade wieder Fahrt aufnehmen wollte, zu einem Halt.

Zauberpilze heute

Erst jetzt, in den letzten fünf Jahren oder so ist es der wissenschaftlichen Forschung wirklich gelungen, erneut durchzustarten. Obwohl es immer noch ein harter Kampf ist, hat die geleistete Forschung sehr positive und ermutigende Ergebnisse erbracht. Die Menge an Studien, die durchgeführt wurden, ist zu zahlreich, um unterdrückt zu werden und es ist unwahrscheinlich, daß es in unserer Geschichte einen weiteren Zeitraum geben wird, in dem Zauberpilze wieder komplett in den Untergrund getrieben werden - so hoffen wir zumindest.

comments powered by Disqus