Das Produkt wurde erfolgreich Ihrem Warenkorb hinzugefügt.
Bezahlen

WAS SIND MESKALIN-KAKTEEN?

Unter Meskalin-Kakteen versteht man schlicht Kaktusarten, die den psychedelischen Wirkstoff Meskalin produzieren und enthalten. Bekannt sind durch mannigfaltige ethnografische Arbeiten die Meskalin-Kakteen Peyote und San Pedro, die beide als Rausch- und Ritualgewächse, aber auch als Heilpflanzen weltweite Bekanntheit erlangt haben. Wollte man mit der Existenz dieser beiden Arten die Meskalin-Kakteen aber abzuhandeln beabsichtigen, wähnt man sich in einem gewaltigen Irrtum. Denn es gibt neben den beiden bekannten Vertretern noch eine ganze Reihe anderer Kaktusgewächse, die Meskalin beherbergen. Und das teils in großen Mengen.

DIE BEKANNTESTEN MESKALIN-KAKTEEN

Am bekanntesten sind auf jeden Fall Lophophora williamsii, auch Peyote, Peyotl, Pellote, Híkuli, Hikuri, Mescalito, Schnapskopf und Rauschgiftkaktus genannt, und der als San Pedro bekannte Echinopsis pachanoi, der bis vor einiger Zeit noch Trichocereus pachanoi genannt wurde, und im Volksmund auch Símora, Aguacolla, Kachum usw. heißt.

Peyote

 

PEYOTE

Peyote wird in der Neuen Welt seit vorgeschichtlicher Zeit rituell verwendet, zumeist in Kreisritualen, den so genannten Peyote meetings. Die ältesten Funde von Peyote-Buttons stammen aus Texas und sind etwa 6000 Jahre alt. Lophophora kommt von Texas bis Mexiko vor und ist bis heute heiliges Sakrament mancher Stämme und Glaubensgemeinschaften, zum Beispiel der Huichol und der Native American Church. Die kulturelle Bedeutung dieser Kaktee kann gar nicht überschätzt werden. Den indigenen Völkern diente und dient das Peyote-Sakrament als universeller Heilsbringer. Der Kaktus gilt als Heilmittel, Rauschpflanze, Schamanengewächs, Pflanzenlehrer, kultureller Schrittmacher und vieles mehr.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Peyote-Kaktus botanisch erfasst, Arthur Heffter und Louis Lewin sorgten für die chemische und psychonautische Analyse. Der Peyote ist das am besten erforschte ethnobotanische Ritualgewächs, das wir kennen. Über keine andere Pflanze mit visionären Eigenschaften sind derartig viele Berichte verfasst worden, wie über Lophophora williamsii und die verwandten Arten. Peyote enthält annähernd 60 verschiedene Alkaloide, nämlich beta-Phenethylamine. Das wichtigste davon ist das entheogene, psychedelisch wirksame 3,4,5-Trimethoxy-beta-Phenethylamin, besser bekannt unter seinem Namen Meskalin.

San Pedro

 

SAN PEDRO

Der San Pedro ist wie Peyote ein entheogenes Sakrament, stammt allerdings aus Peru. Heute ist er als Kultivar in großen Teilen des Andengebiets zu finden. Anders als Lophophora, der zu den Kugelkakteen zählt, ist San Pedro ein Säulenkaktus. Die Pflanze heißt nach einer taxonomischen Revision botanisch Echinopsis pachanoi, wurde aber früher Trichocereus pachanoi genannt. Sie wird bis heute häufig so bezeichnet. Ein verwandter Kaktus, ebenfalls aus Peru, Echinopsis peruviana (Trichocereus peruvianus, Peruvian Torch), wird auch San Pedro genannt und gehört genauso zu den Meskalin-Kakteen. San Pedro enthält unter anderem mehrere beta-Phenethylamine, darunter auch hohe Mengen an Meskalin. Die Wirkstoffkonzentrationen schwanken jedoch von Pflanze zu Pflanze sehr. Am potentesten sind jüngere Exemplare, nicht jedoch ganz junge. Verholzende San Pedros enthalten weniger Meskalin als frischgrüne, jüngere. Echinopsis peruviana ist wesentlich potenter als Echinopsis pachanoi.

Peruvian Torch

Über San Pedro ist deutlich weniger berichtet worden als zum Beispiel über Peyote. Das könnte daran liegen, dass die missionseifrigen Konquistadores den Kaktus als Ritualgewächs einfach übersehen haben. San Pedro ist in der Hauptsache ein Entheogen, das für rituelle Zwecke verwendet wird. Als Ethnomedizin hat der Kaktus keine besondere Bedeutung erlangt, jedenfalls keine solch immense wie Peyote. San Pedro wird gelegentlich als Tonikum und Liebesmittel gebraucht.

 

UND WAS IST MIT DEM DONANA-KAKTUS?

Eine Kaktusart, die häufig im Zusammenhang mit Peyote und San Pedro genannt wird, ist der Donãna- oder Dona-Ana-Kaktus Coryphantha macromeris. Er wird Mulato genannt, gehört ebenfalls zu den indigenen heiligen Pflanzen und wird zu entheogenen Zwecken genutzt. Er enthält kein Meskalin, sondern Macromerin und andere (psychoaktive) Phenethylamine. Macromerin ruft ähnliche Wirkungen hervor wie Meskalin, nur deutlich schwächer.

ANDERE PSYCHOAKTIVE KAKTEEN

Es gibt viele verschiedene psychoaktive Kakteen. Aus über 70 Gattungen sind zurzeit etwa 300 Kaktusgewächse bekannt, die geistbewegende Wirkstoffe beinhalten. Und das muss nicht immer unbedingt Meskalin sein. Es existiert eine Vielzahl weiterer psychoaktiver Verbindungen, die in den Kakteen nachweisbar sind oder deren Nachweis noch aussteht. Zu einem Großteil sind die Inhaltsstoffe der Gewächse nämlich noch gar nicht erforscht.

Wir kennen durch ethnobotanische Forschungsarbeit zum Beispiel Epithelantha micromeris und dessen Früchte, die Chilitos, die von Indianern samt dem psychoaktiven Minikaktus zu Dopingzwecken eingenommen werden, weil sie als Stimulanzien wirken. Weiter oben haben wir den Donãna-Kaktus Coryphantha macromeris besprochen. Einige Kakteen enthalten Koffein, zum Beispiel Harrissia adscendens, Leocereus bahiensis und Cereus jamacaru (enthält auch Meskalin). Weitere recht bekannte psychoaktive Kakteen sind die Ariocarpus-Spezies mit ihren zahlreichen Phenethylaminen, die als „verrücktmachende Drogen“ gelten, die Bischofsmützen, deren Wirkprinzipien noch unbekannt sind, die Opuntien, die vielerlei Inhaltsstoffe beherbergen, und so weiter. Echinocereus triglochidiatus soll sogar das potente Psychedelikum 5-MeO-DMT enthalten. Viele Kakteen können zudem zu heilkundlichen Zwecken genutzt werden, eine gute Anzahl an Kaktusgewächsen ist essbar. Kakteen sind vielseitige ethnobotanische Pflanzen.

FALSCHER PEYOTE?

Unter dem Namen Falscher Peyote werden nicht etwa Fälschungen des Kaktus verkauft. Falscher Peyote ist eine indigene Bezeichnung für Pflanzen, die ähnlich wie Peyote wirken und/oder genutzt werden. Diese müssen allerdings gar kein Meskalin enthalten, sondern können durchaus auch andere Stoffe beherbergen. So beispielsweise viele Arten der Kakteengattungen Mammillaria, Ariocarpus, Obregonia, Aztekium, Pelecyphora und Turbinicarpus, aber auch nicht-kaktoide Pflanzen, zum Beispiel eine Tillandsien-Art, diverse Kreuzkraut-Arten und viele mehr.

Peyote with pups

 

DURCH DEN DSCHUNGEL DER NAMEN

Es ist nicht immer leicht mit der botanischen Namensgebung. Das ist im Allgemeinen so, aber insbesondere mit den Kakteen ist es ein rechtes Hin- und Her. Das liegt unter anderem daran, dass es kein verbindlich anerkanntes System gibt, sondern sozusagen jeder sein eigenes Süppchen kocht. Hörten San Pedro und seine Verwandten bis vor einiger Zeit noch auf den Gattungsnamen Trichocereus, gehören sie heute zur Gattung Echinopsis. Früher gruppierte man sie gar zur Gattung Cereus. Und schon geht die Verwirrung los: Die meskalinhaltigen Pterocereen sind plötzlich als Stenocereus verfügbar, und die ebenfalls psychoaktive Vertreter beherbergende Gattung Dolichothele ist komplett in der Gattung Mammillaria aufgegangen. Weitere Beispiele könnten beliebig angefügt werden.

Der Forscher und Anwender steht dann vor einem Problem. Was zum Beispiel, wenn er die alte, lang gängige Nomenklatur im Kopf hat, aber der Handel bereits mit der neuen arbeitet? Was, wenn die Sachlage umgekehrt ist? Ohne brandneuen Kakteenführer oder die genaue Kenntnis der aktuellen Situation ist man häufig aufgeschmissen. Aber es geht noch komplizierter. Denn auch, wenn es um die Artenvielfalt einer Gattung geht, herrscht Uneinigkeit: So beispielsweise mit der Gattung Lophophora (Peyote). Einige behaupten, es gebe lediglich die Art Lophophora williamsii mit den Varietäten lutea und williamsii, andere sind der Ansicht, es gebe neben der williamsii zumindest die Spezies Lophophora fricii, Lophophora diffusa und Lophophora jourdiana. Wie auch immer die Botanik der Pflanzen am sinnvollsten unterteilt wird – sämtliche Arten oder Varietäten enthalten Meskalin und andere Phenethylamine.


Zamnesia


Meskalin Kakteen