Was ist der Entourage-Effekt?

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Kategorien : BlogMedizinisches Cannabis

Entourage-Effekt


Es wurde viel über den Entourage-Effekt geschrieben, aber er ist immer noch eines der geheimnisvolleren und oft diskutierten Konzepte rund um die Cannabisforschung. Lies weiter, um die Geschichte dieser Theorie kennenzulernen und um zu verstehen, warum sie die Zukunft von medizinischem Marihuana sein kann.

DER ENTOURAGE-EFFEKT: EINES DER GROẞEN GEHEIMNISSE DER CANNABISPFLANZE

Der Entourage-Effekt ist eine etwas rätselhafte Vorstellung, die den Verstand der Cannabisforscher auf der ganzen Welt verblüfft. Das Konzept besagt, dass das Wesen von Cannabis und seine starken Wirkungen aus dem komplexen Zusammenspiel seiner verschiedenen chemischen Bestandteile resultieren. Kann es sein, dass Cannabis seine spezifischen Eigenschaften dem Entourage-Effekt verdankt?

WAS IST DER ENTOURAGE-EFFEKT?

Was Ist Der Entourage-effekt?

Der Entourage-Effekt wurde erstmalig von Raphael Mechoulam beschrieben, einem renommierten israelischen Cannabis-Chemiker. Mechoulam gilt als der führende Innovator und Pionier der Marihuana-Forschung.

Der von Mechoulam geprägte Begriff bezieht sich darauf, dass die verschiedenen Verbindungen in der Cannabispflanze synergistisch zusammenwirken, um eine Vielzahl von körperlichen Effekten zu bewirken. Darüber hinaus postuliert der Entourage-Effekt, dass die Cannabinoide dann am besten wirken, wenn sie gemeinsam eingesetzt werden - und nicht isoliert.

Mechoulam und sein Team haben ihre Ergebnisse 1998 im European Journal of Pharmacology veröffentlicht. In dieser Studie beschreiben er und sein Forscherteam die komplizierten Wege, nach denen verschiedene Verbindungen in der Pflanze offensichtlich zusammenarbeiten, um dem Cannabis seine besonderen Wirkungen zu verleihen.

Mittlerweise hat die Wissenschaft das medizinische Potenzial einer Vielzahl von Cannabinoiden belegt. THC zum Beispiel ist bekannt für seine Fähigkeit den Appetit anzuregen, Übelkeit einzudämmen und für weitere positive Effekte. Daher hat die US-amerikanische Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit FDA auch den Verkauf von Marinol genehmigt, einem Arzneimittel aus synthetischem THC.

Zum Beispiel wird Marinol von vielen Patienten verwendet, doch Studien haben gezeigt, dass sich seine Wirkungen stark von denen der Cannabisblüten unterscheiden.

Im Gegensatz zu regulärem Cannabis enthält Marinol die synthetische Verbindung Dronabinol, die die Wirkungen von THC nachahmt. Es ist derzeit in den USA zugelassen, um das Wasting-Syndrom bei Patienten mit HIV/AIDS, sowie Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten zu therapieren, die sich einer Chemotherapie unterziehen.

Obwohl Dronabinol chemisch THC sehr stark ähnelt, ist es bei der Behandlung der Symptome, für die es verschrieben wird, weniger wirksam, als medizinisches Cannabis aus ganzen Pflanzen. In Tablettenform ist Marinol zudem nur schlecht verträglich für Patienten, die unter Übelkeit/Erbrechen leiden. Darüber hinaus produziert es psychoaktive Effekte, die viel stärker sind als jene, die Du nach dem Rauchen von normalem Cannabis erleben würdest.

WARUM IST DER ENTOURAGE-EFFEKT WICHTIG FÜR MEDIZINISCHES CANNABIS?

CBD & THC

Seitdem Mechoulam im Jahr 1964 THC isolierte, haben wir herausgefunden, dass die Cannabispflanze mehr als 480 natürliche Verbindungen enthält, darunter Cannabinoide (wie THC, CBD, CBN, CBG usw.) sowie verschiedene Terpene.

Terpene kann man im Gegensatz zu Cannabinoiden am besten als duftende Öle beschreiben, die von Cannabis und vielen anderen Pflanzen produziert werden. Abgesehen davon, dass sie den Pflanzen aromatische Eigenschaften verleihen, weisen diese Terpene auch medizinische Eigenschaften auf.

Verbindungen wie Pinen und Caryophyllen wurden zum Beispiel als leistungsstarke entzündungshemmende Mittel eingestuft und helfen Muskelkrämpfe, Schlaflosigkeit und weitere Beschwerden zu bekämpfen. Diese Nutzen sind vermutlich sogar noch stärker, wenn die Terpene gemeinsam mit Cannabinoiden eingenommen werden.

Heutzutage konzentriert sich der Großteil der Cannabisforschung jeweils auf die Untersuchung eines einzelnen Cannabinoids (entweder natürlich oder künstlich) in Isolation. Obwohl dies wichtig ist, um die Eigenschaften jeder einzelnen Verbindung besser zu verstehen, erzählt das vollständige Bild immer noch eine noch überzeugendere Geschichte. Aus diesem Grund dürfte die Zukunft des medizinischen Cannabis in der Ganzpflanzenmedizin liegen.

Wenn wir Cannabis konsumieren, sei es durch das Rauchen eines Joints oder durch die Einnahme einer Tinktur, nehmen wir eine einzigartige Mischung aller in der Pflanze enthaltenen Wirkstoffe auf, die aus wesentlich mehr bestehen, als nur aus THC oder CBD. Daher ist das Verständnis des Entourage-Effekts von großer Bedeutung, um die Möglichkeiten der Ganzpflanzentherapie vollständig erfassen zu können. Dabei wird auch deutlich, warum synthetische Medikamente wie Marinol nicht die gleiche Linderung erzielen, wie normales Marihuana.

Der Ansatz, bestimmte nützliche Verbindungen aus der Cannabispflanze zu extrahieren und sie in einer konzentrierten Medizin anzubieten, erscheint zunächst einmal vernünftig. Die Wissenschaft hinter dem Entourage-Effekt macht jedoch deutlich, dass ganzheitliche Ansätze stimmiger sind. Um einen anschaulichen Vergleich zu verwenden, entspricht das Verhältnis der Ganzpflanzenmedizin zum synthetischen Marinol in etwa dem Verhältnis von frischem Obst und Gemüse zu Vitamintabletten. Letztere sind ganz einfach weniger effektiv.

FUNKTIONIERT DER ENTOURAGE-EFFEKT WIRKLICH?

Funktioniert Der Entourage-effekt Wirklich?

Obwohl unsere Erforschung der Cannabispflanze bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, scheinen Studien nahezulegen, dass Mechoulams Theorie gültig ist.

Die Forschung zu Marinol hat gezeigt, dass sich die positiven Wirkungen von medizinischem Cannabis nicht einfach durch den Einsatz isolierter Verbindungen aus der Pflanze erreichen lassen. Fast dieselbe Problematik tritt bei dem Einsatz von Sativex auf, einem auf Cannabis basierenden Medikament, das von GW Pharmaceuticals zur Behandlung von Multipler Sklerose entwickelt wurde.

CBD UND THC

Wissenschaftler konnten den Entourage-Effekt auch ganz einfach beobachten, indem sie die gemeinsamen Wirkungen bestimmter Cannabinoide untersuchten. Man erwähnt zum Beispiel oft, dass CBD den psychoaktiven Wirkungen von THC "entgegenwirkt". Studien haben außerdem gezeigt, dass die schmerzstillenden Eigenschaften von THC und CBD bei gemeinsamer Anwendung viel stärker ausfallen, als wenn beide Cannabinoid jeweils nur alleine eingenommen werden.

CBD kann auch helfen, einige der negativen Nebenwirkungen von THC zu verringern. Starke Dosen THC können bei vielen Menschen nämlich Angstzustände und paranoide Gefühle erzeugen. Eine 1982 durchgeführte Studie ergab jedoch, dass CBD dazu beitragen kann, einige dieser nachteiligen Nebenwirkungen abzumildern.

Der Psychopharmakologe und Cannabisforscher Ethan Russo wurde mit einem sehr interessanten Beispiel zitiert, das darauf hindeutet, dass der Entourage-Effekt ein wissenschaftlich fundiertes Konzept ist. Dabei geht es um Folgendes: "Eine Dosis von 10mg reinem THC hat bei ungefähr 40% der Menschen eine toxische Psychose zur Folge. Dagegen führten Dosierungen von Sativex (das THC und CBD in gleichen Anteilen enthält), die 48mg reinem THC entsprechen, bei lediglich 4 von 250 Patienten zu diesem Ergebnis."

KRITIK

Kritik

Obwohl dieser Hinweis für sich genommen noch nicht beweiskräftig ist, ermutigt er doch diejenigen, die die Theorie des Entourage-Effekts unterstützen. Wie so häufig in der Cannabisforschung, gibt es immer noch keinen Konsens. Tatsächlich hat Mechoulams Theorie auch sehr viel Kritik einstecken müssen.

Margaret Haney, Neurobiologin an der Columbia University (und Cannabisforscherin), sagt, dass es nicht viele Daten gibt, die die Existenz des Entourage-Effekts unterstützen.

"Das Laienpublikum hat den Begriff des Entourage-Effekts zwar wirklich übernommen, aber es gibt nicht viele Daten", sagte sie in einem Interview.

"Was Cannabis betrifft, kann man alles behaupten und tut es folglich auch. Ich bin nicht gegen Marihuana. Aber ich möchte es sorgfältig studieren. Wir wissen, dass es Schmerzen und den Appetit beeinflussen kann, aber ein Großteil der Behauptungen wird durch anekdotisches Marketing angetrieben. Diese Leute versuchen ganzeinfach Geld zu verdienen."

Wie man sieht, hängt das Urteil über den Entourage-Effekt leider immer noch davon ab, wen man über das Thema befragt. Wir werden hoffentlich zu solideren Schlussfolgerungen darüber kommen, wie Cannabinoide und andere Verbindungen in der Cannabispflanze interagieren, sobald dieser Bereich noch weiter erforscht wurde.

Steven Voser

Geschrieben von: Steven Voser
Steven Voser ist ein Emmy Award nominierter Journalist mit viel Erfahrung auf dem Buckel. Dank seiner Leidenschaft zu allem, was mit Cannabis zu tun hat, widmet er jetzt viel von seiner Zeit der Erkundung der Weed-Welt.

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