Pilze & Mystik: Das Marsh Chapel Experiment

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Pilze & Mystik: Das Marsh Chapel Experiment

Einer der letzten Versuche vor dem Krieg gegen die Drogen, bei dem Halluzinogene verwendet wurden, das Marsh Chapel Experiment öffnete vielen die Augen über die Macht der Zauberpilze.

Bevor der Krieg gegen die Drogen begann, stand es den Wissenschaftlern weitgehend frei, sowohl die heilenden, als auch die mystischen Eigenschaften der jetzt illegalen Drogen zu erkunden. Eines der berühmtesten Beispiele für eine solche Studie war das Marsh Chapel Experiment, das auch als Karfreitagsexperiment bekannt ist, in dem angehenden Theologiestudenten eine Dosis Zauberpilze gegeben wurde.

Die Idee war, bei religiös gesinnten Personen die entheogenen Eigenschaften von Psilocybin zu erforschen, das sich in den psychedelischen Pilzen befindet,. Das Experiment wurde von Walter Pahnke, einem Theologiestudenten der Harvard Divinity School unter der Leitung von Timothy Leary und dem Harvard Psilocybin Project durchgeführt. Es fand in der Marsh Kapelle an der Universität von Boston statt.

Erforschung des entheogenen Potenzials der Pilze

Am Karfreitag 1962 wurden 20 freiwillige Theologiestudenten in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen eine Psilocybin bekommen würde und die andere ein Placebo. Sobald klar war, daß die Droge anfing zu wirken, wurden die Freiwilligen angemessen in die Kapelle geführt, wo sie den Freitagsgottesdienst beobachteten. Wie Du Dir wahrscheinlich vorstellen kannst, hatte das Verabreichen einer Dosis Psilocybin an religiös veranlagte Menschen an einem religiös bedeutenden Tag und ihnen zu ermöglichen, am Gottesdienst teilzunehmen, einige ziemlich tief greifende Auswirkungen; die die Experimentatoren erst tiefer erforschten, als die Wirkung der Droge abgeklungen war.

Es erlaubte den Experimentatoren zu dem Schluß zu kommen, daß ja, Pilze und andere psilocybinhaltige Arzneimittel in der Tat für entheogene Zwecke verwendet werden können. Obwohl dies keine Überraschung für den modernen Pilznutzer ist, wer hätte Dir zu der damaligen Zeit aus erster Hand sagen können, welche tiefgreifende spirituelle Erfahrungen Pilze verursachen, war die psychedelische Szene doch gerade erst im Entstehen und viele waren sich der entheogenen und Freizeitanwendungen noch nicht bewußt.

Leider war dieser Versuch für viele, viele Jahre der letzte seiner Art. Zauberpilze wurden bald darauf verboten, als der Krieg gegen die Drogen begann und alle weiteren Vertieftungen in die Natur der Pilze mußten sich auf persönliche Berichte von denen beschränken, die sie verwendeten.

Aus der Sicht eines der Teilnehmer: Der Tod des Ego

Unter den von den Teilnehmern des Marsh Chapel Experiments beschriebenen Erinnerungen war ein sehr tiefgreifendes und unvergessliches Erlebnis. Es war das von dem jetzigen Reverend Mike Young, einem der Freiwilligen in der Psilocybingruppe der teilnehmenden Beteiligten. Das folgende ist ein Auszug aus seiner Beschreibung der Erfahrung, aufgezeichnet einige Jahre nach dem das Experiment stattfand.

"Ich wurde überflutet von einem Meer von Farben. Diese Bänder rauschender Flüssigkeit. Es war, als wäre man unter Wasser, in einem Meer von verschiedenen Farbbändern. Manchmal lösten sie sich zu Mustern mit Bedeutung auf und dann wieder waren es nur diese schönen Strudel aus Farbe. Es war abwechselnd bedrohlich und beeindruckend. Es war ein radiales Design, wie ein Mandala, bei dem die Farben aus der Mitte zu den Seiten führte, die jeweils eine andere Farbe und Muster zeigten." Young fühlte, daß er in der Mitte des Kreises eingefroren wäre, bis er eine Entscheidung traf. "Ich konnte sehen, daß jedes Farbband eine andere Lebenserfahrung war. Ein anderer Weg, den man nehmen könnte. Und ich war in der Mitte, wo alles begann. Ich konnte jeden Pfad wählen, den ich wollte. Es war eine unglaublich Freiheit, aber ich mußte einen wählen. In der Mitte zu bleiben, hieße zu sterben. Ich konnte keine Wahl treffen. Ich konnte einfach keine auswählen. Und dann bin ich gestorben."

Während dieser Tortur schrieb Young eine Notiz an sich selbst. Sobald der Trip vorbei war, fand er sie und las "Niemand sollte dies durchmachen müssen. NIEMALS!" "Ich habe nicht den Drogentrip gemeint," sagte er später. "Ich meinte diese Wahl, die man treffen müsse. Ich meinte ein Ego zu haben und es sterben lassen zu müssen, um in Freiheit zu leben. Ich mußte sterben, um zu werden, wer ich sein könnte. Ich habe mit dieser Bereitschaft zu sterben meine Wahl getroffen." Young verbrachte nach dieser Erfahrung noch ein paar Stunden auf Trips, in was er als angenehmen Abstieg beschrieb. Es erlaubte ihm, den Tod seines Ichs zu reflektieren und wie es ihn als Person auf eine zutiefst religiöse Weise befreit hatte.

Langzeitwirkungen: Die Teilnehmer im weiteren Verlauf

25 Jahre später entschied sich Rick Döblin, der Gründer von MAPS, die Arbeit von Phanke, der leider verstorben ist, weiter zu verfolgen. Alle Teilnehmer, mit denen er sprach, beschrieben die Erfahrung noch immer als eine der spirituell wichtigsten Erfahrungen ihres Lebens.

Es beeinflusste Reverend Junge so erheblich, daß er heute Menschen darin unterrichtet, welche Wirkungen Drogen auf unser Leben haben. Er fand die Erfahrung extrem wichtig, aber er hatte auch gesehen, wie Drogen das Leben der Menschen auseinanderreißen können und glaubt, daß sie in einer gebildeten und kontrollierten Art und Weise verwendet werden sollten. Zu diesem Zweck arbeitet er, um zu versuchen, den Menschen zu helfen, informierte Entscheidungen über den Drogenkonsum zu treffen, anstatt ihre Verwendung zu befürworten oder zu dulden.

Erforschung der Marsh Chapel Erkenntnisse heute: Das Experiment replizieren

Der Krieg gegen die Drogen hat effektiv alle weitere Forschung in dem Bereich gestoppt, aber in den letzten Jahren sind die Dinge lockerer geworden. 2006 veröffentlichte Roland Griffiths die Ergebnisse seiner Studie, die das Ziel hatte, das Marsh Chapel Experiment in einem kontrollierteren und wissenschaftlicheren Umfeld zu replizieren. Es wurde festgestellt, daß 79% der Teilnehmer nach dem Einsatz von Psilocybin von einem Gefühl des Wohlbefindens und der Zufriedenheit berichteten, wobei eine Folgeuntersuchung 14 Monate später ergab, daß die Mehrheit der Teilnehmer es als eine der tiefgreifendsten spirituellen Erfahrungen ihres Lebens bewertete.

Psychedelika heute

Heute nehmen Psychedelika eine viel größere Rolle in der wissenschaftlichen Forschung ein. Genau wie die Arbeit von Griffiths, beginnt die Wissenschaft nun die praktische und spirituelle Anwendung von Halluzinogenen zu erforschen und findet eine ganze Reihe von Verwendungen. So wurde beispielsweise in einer schweizer Studie festgestellt, daß LSD, wenn es todkranken Patienten gegeben wird, die Angst vor dem Tod stark reduziert, so daß sie Frieden mit sich selbst schließen, was noch lange anhält, auch nachdem die Wirkung der Droge abgeklungen ist. Von Pilzen hat sich zudem gezeigt, daß sie eine äußerst signifikante Auswirkung auf das Leben von Patienten mit PTBS haben, wenn sie als Teil ihrer Therapie eingesetzt werden, was ihr Leben für mindestens ein Jahr verbessert.

Es zeigt mal wieder, was passiert, wenn Regierungen verbieten, was sie nicht verstehen, nur für ihren eigenen finanziellen oder politischen Gewinn. Psychedelika sind ein Werkzeug, das zu Unrecht zurückgehalten wurde. Sie können sowohl für medizinische, als auch spirituelle Zwecke genutzt werden, mit minimalem Gefahrenrisiko (sicherlich weniger gefährlich, als einige der legalen Substanzen, die zu kaufen wir aufgefordert werden). Hoffentlich werden mehr Wissenschaftler die wahre Natur der Psychedelika erforschen und helfen, zu ihrem verantwortungsvollen und nutzbringenden Einsatz zu bewegen.