Nicht Cannabis, Sondern Tabak Verursacht Schlaganfälle


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Tabak Schlaganfall


Eine schwedische Studie über militärische Wehrpflichtige fand - erneut - überzeugende Evidenz dafür, dass das Rauchen von Tabak zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko führt. Abgesehen davon waren die Auswirkungen von langfristigem Marihuanakonsum nicht eindeutig. Das ist die neueste in einer langen Reihe von Studien, die zum gleichen Ergebnis kommen.

Es ist nichts Neues, dass das Rauchen von Zigaretten in jungen Jahren das Risiko negativer Auswirkungen auf die Gesundheit erhöht, einschließlich Schlaganfälle. Laut Dr. Anna-Karin Daniellsson, der Autorin einer neuen Studie mit fast 50.000 schwedischen Wehrpflichtigen, "haben spätjugendliche intensive Tabakraucher (von der Studie als Personen definiert, die täglich mehr als 20 Zigaretten rauchten) im Vergleich zu Nichtrauchern ein fünffach höheres Risiko noch vor dem 45. Lebensjahr einen Schlaganfall zu erleiden, außerdem ein mehr als ein doppelt so hohes Schlaganfallrisiko bis zum 60. Lebensjahr.

Mehr als 90% des erhöhten Schlaganfallrisikos geht auf das Rauchen von Tabak, Alkoholkonsum und andere veränderbare Risikofaktoren zurück. Was interessant daran ist und wofür auch die Evidenz spricht, inklusive dieser neuen schwedischen Studie aus dem Journal of the American Heart Association, ist, dass das Rauchen von Marihuana im jungen Erwachsenenalter nicht die selben Risiken mit sich bringt.

Nachdem die Forscher noch weitere Risikofaktoren berücksichtigt hatten, fanden sie heraus, dass der Konsum von Marihuana von mehr als 50-mal nicht mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko im Alter von 45 Jahren Verbindung stand.

"Das in dieser Studie beobachtete, fast doppelt so hohe Risiko eines ischämischen Infarkts in Folge von intensivem Cannabiskonsum verschwand, als der Tabakkonsum kontrolliert wurde," wie Danielsson anmerkte.

Abgesehen davon konnte die Studie keine weiteren möglichen Verbindungen zwischen Cannabis und Schlaganfällen ausschließen, da fast alle Cannabiskonsumenten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Tabak konsumierten.

BISLANG NOCH KEIN KAUSALER ZUSAMMENHANG GEFUNDEN

Diese Studie ist die neueste einer langen Reihe akademischer Untersuchungen, die daran gescheitert sind, einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cannabis und Schlaganfällen herzustellen. Ein Bericht aus dem Jahr 2015 im American Heart Association's Stroke Magazin hat auch davon abgesehen, selbiges zu behaupten - obwohl angemerkt wurde, dass in ihrem Fall 52 der 64 Studienteilnehmer innerhalb von 24 Stunden nach dem Konsum einen Schlaganfall oder Mini-Schlaganfall erlitten.

Derzeit steht noch in fast jedem Land eine randomisierte, klinische Studie aus, bei der die Hälfte der Teilnehmer Marihuana konsumieren und die anderen abstinent sind. Abgesehen davon wird es mit zunehmenden Legalisierungsplänen in mehreren Staaten, wie Kanada, Australien und in diesem Jahr auch Deutschland, immer wahrscheinlicher, dass Studien dieser Form bevorstehen und durch Marihuana-Steuern finanziert werden.

ANDERE GESUNDHEITSAUSWIRKUNGEN VON CANNABIS

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der intensive und/oder langzeitliche Cannabiskonsum Symptome einer chronischen Bronchitis herbeiführen kann. In jungen Jahren kann die Gehirnentwicklung beeinträchtigt werden, was sich im Erwachsenenalter in einer bedeutsamen Verschlechterung bei der Intelligenzmessung zeigt - zumindest deutet ein Artikel von 2014 aus dem New England Journal of Medicine darauf hin.

Andere Studien fanden außerdem eine Verbindung zwischen dem Konsum von Cannabis und herzbedingten Problemen, so wie Herzinfarkten und peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten. Die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung der AHA im späten letzten Jahr sammelte Daten von Krankenhauspatienten mit Stress-Kardiomyopathie (auch bekannt als Broken-Heart-Syndrom") der Jahre von 2003-2011 und fand auch heraus, dass von den 210 Patienten diejenigen, die berichteten, vor ihrer Symptomatik Marihuana genutzt zu haben, vorher junge Männer ohne jegliche bekannte Risikofaktoren waren. Außerdem waren die Betroffenen mit größerer Wahrscheinlichkeit anfällig für einen Herzstillstand und/oder benötigten einen implantierten Defibrillator, um künftigen Herzanfällen vorzubeugen.

Infolgedessen kam die Studie zu dem Ergebnis, das Cannabis alleine das Risiko stressbedingter Herzleiden erhöht und dass Cannabiskonsumenten mit fast doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit eine derartige Problematik entwickeln, als Nicht-Konsumenten.

"Die Effekte von Marihuana, besonders auf das kardiovaskuläre System, sind bislang noch nicht allzu gut erforscht. Mit zunehmender Verfügbarkeit und bevorstehender Legalisierung in manchen Staaten müssen die Menschen informiert werden, dass Marihuana bei manchen Menschen möglicherweise schädliche Auswirkungen auf Herz und Blutgefäße haben kann," wie der Studienautor Dr. Amitoj Singh anmerkt.

Nichtsdestotrotz merkte Singh auch an, dass diese Studie sich nur auf die mögliche Verbindung zwischen Marihuana und der Stress-Kardiomyopathie bezieht - und die Ergebnisse zudem noch in einer qualitätsgesicherten Zeitschrift veröffentlicht werden müssen.

 Wirkung des Tabaks cannabis

DAS CANNABIS PARADOX

Abgesehen davon konnten trotz dieser größtenteils negativen Studien andere Studien zeigen, dass der Rauch von Cannabis zwar schädlich sein kann, seine aktiven Inhaltsstoffe (THC und CBD) aber möglicherweise den Verlauf von Arteriosklerose verlangsamen können - oder besser die Verhärtung oder Verengung der Arterien.

Im gesamten kardiovaskulären System finden sich Cannabinoidrezeptoren, was Experten zu dem Schluss kommen lässt, dass das Endocannabinoid-System möglicherweise auch eine große Rolle in der Regulation der Herzfunktion und des Blutkreislaufs spielt. Außerdem vermutet man, dass Cannabinoide durch eine entzündungshemmende Wirkung das Immunsystem regulieren. Da Entzündungsreaktionen einen großen Teil der Arteriosklerose ausmachen, kamen Forscher zu dem Schluss, dass der Konsum von Marihuana - vor allem, wenn es auf andere Weise konsumiert wird, der Fortentwicklung dieser Beschwerden tatsächlich entgegenwirken kann.

Eine Entzündung ist auch ein Teil des Schadens, der entsteht, wenn Blut zurück in Bereiche fließt, in denen das Gewebe aufgrund eines Schlaganfalls oder Schädeltraumas mit Sauerstoff unterversorgt wird - und Cannabinoide sollen Patienten dabei helfen, sich von diesem Zustand zu erholen.

Ab sofort bleiben daher die negativen Gesundheitsauswirkungen durch Cannabiskonsum uneindeutig, einschließlich Herzleiden.

STEIGENDE ANZAHL AN KONSUMENTEN

Während der Fokus auf die langzeitlichen negativen Gesundheitsfolgen von Cannabiskonsum nichts Neues ist, einschließlich Herz und Lunge betreffend, ist es tatsächlich so, dass immer mehr Menschen Cannabis konsumieren, da die Legalisierung in den USA und sonstwo auf der Welt immer näher rückt. Abgesehen davon ist die Zahl der Teenager, die Cannabis konsumieren, durchweg entweder gleich geblieben oder leicht gesunken. Die Legalisierung scheint mehr erwachsene, als minderjährige Konsumenten zu kreieren und soweit sind diese Zahlen auch stabil geblieben, dennoch sind die Zahlen in Orten, in denen Cannabis legal verkauft werden kann, gestiegen.

Dazu kommt noch ein weiterer Fakt. Da die Legalisierung immer weiter voranschreitet, haben Konsumenten von Marihuana - sei es zum Vergnügen oder zu medizinischen Zwecken - immer mehr Auswahl aus einem großen Angebot an Produkten, die Cannabis enthalten und nicht geraucht werden müssen. Tatsächlich machen essbare Cannabisprodukte in vielen amerikanischen Staaten, in denen Marihuana für manche Zwecke legal verkauft werden kann, momentan rund die Hälfte aller Marihuana-Verkäufe aus.

Was wirklich zur Debatte steht, so wie es vor allem viele der Befürwortenden vermuten, ist, dass die Methode des Cannabiskonsums in höherem Maße für negative Gesundheitsfolgen verantwortlich ist, als die Cannabinoide selbst.

 

         
  Marguerite Arnold  

Geschrieben von: Marguerite Arnold
Mit ihrer jahrelangen Erfahrung in der Schriftstellerei hat sich Marguerite der Erforschung der Cannabis-Industrie und den Entwicklungen der Legalisierungsbewegung gewidmet.

 
 
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