Meditation und Psychedelika: Zwei Seiten des selben Spektrums

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Meditation und Psychedelika: Zwei Seiten des selben Spektrums

Zunächst erscheinen die Konzepte von Meditation und Psychedelika, als wären sie gegensätzliche Enden des gleichen Spektrums. Was diese Erfahrungen verbindet, ist das Spektrum selbst, eines, das einen veränderten Bewusstseinszustand darstellt.

Im Laufe unserer Geschichte als Spezies haben die Menschen unter vielen anderen ambitionierten Aktionen eine Vielzahl von Mechanismen identifiziert, um unseren grundlegenden Bewusstseinszustand zu verändern, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sei es zur Heilung von Traumata und psychischen/ spirituellen Krankheiten, um einen Eindruck des Göttlichen zu bekommen und durch Zeremonien und verschiedene Praktiken Erleuchtung zu finden, die das Bewusstsein des Selbst und der eigenen Existenz durch Versuche und Einweihungen erheben und weiterentwickeln.

Da unsere Kultur immer mehr unter den Einfluss eines nihilistischen Materialismus' fällt, geht die Notwendigkeit und der Wunsch verloren, eine unmittelbare oder langfristige Veränderung des Bewusstseins zu erreichen und wird ersetzt durch einen Hunger nach allem, das hedonistisch, fest, materiell und physisch ist. Allerdings sind einige dieser Mechanismen so effektiv und potent, dass es dem kulturellen Durst und den Transformationen unmöglich gewesen ist, eine Beziehung zwischen der Menschheit und diesen Praktiken zu erschweren, die bis zurück in die Antike reichen.

Zwei Domänen, die tatsächlich einen gewaltigen Anstieg an Popularität und Begeisterung erfahren, unbestreitbar in einer Zeit, in der sie mehr als je zuvor im Vordergrund stehen, sind die der Meditation und Psychedelika. Diese Plattformen sind äußerst vielfältig und unterschiedlich und doch befinden sie sich in dem gleichen Spektrum der bewusstseinsverändernden Techniken, die dem Individuum ermöglichen die Welt und sich selbst in einer Weise zu sehen, die von der normalen Ansicht und etwas eingeschränkten und voreingenommenen Standartwahrnehmung losgelöst ist.

Auch heute noch gibt es die gleichen drakonischen Gesetze, mit denen versucht wird diese Techniken und Substanzen dieser Kategorie, zusammen mit den Neugierigen, die sie praktizieren, zu bezwingen, wenn auch auf eine viel subtilere, aber ebenso leben- und rufschädigenden Weise. Meditation wird in der westlichen Welt weithin als eine fast wesentliche Möglichkeit akzeptiert, die den Wahnsinn des modernen Lebens in Schach hält. Die Verwendung von Psychedelika bleibt jedoch ein höchst umstrittenes Thema, das durch Propaganda verschleiert wird, in der die Meinung derer, die Machtpositionen innehaben, wissenschaftliche Beweise und Fakten oft in eklatanter Weise außer Kraft setzt.

Die langsame, aber sichere Zusammenführung dieser alten Medien mit moderner wissenschaftlicher Analyse, verhilft langsam Wissen hervorzubringen, das sicherlich die uns bekannten Arenen der psychischen Gesundheit und Medizin verwandeln kann. Beide, Meditation und das Pantheon der psychedelischen Substanzen wurden bis ins Detail untersucht und die Ergebnisse sind nicht weniger, als äusserst wegweisend.

Meditation: Den Sturm beruhigen

"Meditation kann uns helfen, unsere Sorgen, Angst und Wut zu umarmen und das ist sehr heilsam. Wir lassen unsere eigene natürliche Fähigkeit der Heilung die Arbeit machen." - Thich Nhat Hanh

Die Industrialisierung hat die Menschheit in einen Lebensstil gebracht, auf den wir höchstwahrscheinlich in keinster Weise angepasst sind. Die Studie der Epigenetik deckt auf, dass unsere Umwelt einen unglaublich großen Einfluss auf unsere geistige und körperliche Gesundheit hat. Das Umfeld der Arbeitswelt des westlichen Lebens ist ein strenges Zeitmanagement, finanzielle Gewichtung, schlechter Schlaf, unzureichende Ernährung und wenig wünschenswerte soziale Interaktion. Dieses chaotische Gebräu kann dem menschlichen Organismus ein katastrophales Maß an Stress aufbürden, für den er einfach nicht geschaffen wurde. Die Kampf-oder-Flucht-Reaktion unseres Nervensystems entwickelte sich, um unseren Körper mit Adrenalin und Cortisol zu fluten, wenn es erforderlich war, dass wir einmal vor einem wilden Tier davonlaufen oder es bis zum Tod bekämpfen. Wenn diese Reaktion jedoch viele Male am Tag ausgelöst wird und das Tag für Tag, können Probleme auftreten. Das System wird in einen unnatürlichen Overdrive gezwungen, was möglicherweise eine negative Rückkopplungsschleife verursacht.

Übermässiger oder chronischer Stress kann auf unser Immunsystem einhämmern, das in einer zunehmend verschmutzten Welt von höchster Bedeutung ist und steht im Verdacht eine fundamentale Rolle bei Fällen von Depression und Angst zu spielen, schädliche Erkrankungen, die Millionen auf der ganzen Welt plagen.

Es besteht allerdings Hoffnung für jene, die einen Teil des Fokuses und eine Menge dezidierter Disziplin haben, denn diese Faktoren sind die Voraussetzungen zu einer Meditationspraxis: Eine kurzfristige, aber häufige Veränderung des Bewusstseins, die langfristige Vorteile kultiviert, die sich in Zustände des gewöhnlichen Bewusstseins übersetzen, die das Leben bereichern.

Diese Aussagen sind nicht bloß hypothetische Hoffnungen. Eine Johns Hopkins Studie legt nahe, dass Meditation die Symptome der oben erwähnten Erkrankungen verringert. Die Forscher analysierten 47 klinische Studien und stellten fest, dass Meditation die Symptome von Depression, Angst und sogar Schmerzen verbessern kann.

Weitere Studien haben bestätigt, dass die Leistungen der Meditation weit über Psychologie hinaus und in den Bereich der Physiologie hinein reichen. Eine in der Zeitschrift "Perspectives on Psychological Science" veröffentlichte Studie zeigt weitere mögliche Nutzen auf, die Meditation mit sich bringt, die eine verbesserte Funktion des Immunsystems, verbesserte kognitive Leistung und Senkung des Blutdrucks umfassen.

Eine an der Harvard University durchgeführte Studie enthüllt Schlüsselelemente, wie sich eine Meditationspraxis physisch auf unser Gehirn auswirken kann und wie sich dies psychologisch bezahlt macht. Während der Studie wurden vor und nach in einem achtwöchigen Programm, das eine Meditationspraxis beinhaltete, Magnetresonanz (MR) Bilder der Gehirnstruktur der Teilnehmer gemacht. Diese Bilder zeigten eine erhöhte Hirnmassendichte im Hippocampus, ein Bereich des Gehirns, der mit Lernen und Gedächtnis in Verbindung gebracht wird. Eine höhere Dichte gab es auch in Bereichen, die mit Selbstbewusstsein, Mitgefühl und Selbstbeobachtung im Zusammenhang stehen. In der Amygdala trat hingegen eine Verringerung der Dichte auf; diese Region spielt eine Schlüsselrolle bei Angst, Stress und Kampf-oder-Flucht-Reaktion.

Es ist klar, dass Meditation eine starke und stabile mentale Struktur bieten kann, mit der man die Realität erlebt, eine, die die geistigen und körperlichen Angriffe unserer Kultur puffert. Es scheint, dass solche Transformationen es einer Person auch ermöglichen, die extreme und phänomenale Natur einer psychedelischen Erfahrung in einer viel ruhigeren und daher vielleicht produktiveren Weise zu handhaben.

Psychedelika: Ein innerer Weg in die Freiheit?

Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben psychedelische Verbindungen in unzähligen Kulturen aus vielen verschiedenen Teilen der Welt eine gewichtige Rolle gespielt. Von den psychedelischen Pilzen aus Europa und Südamerika, über das Ayahuasca des Amazonas, bis hin zur Iboga Pflanze Afrikas, haben viele Kulturen der Antike heilige Beziehungen zu visionären Pflanzen gepflegt, die als Medizin und Sakrament gedient haben. Anthropologen, Autoren und Journalisten der Neuzeit, wie Graham Hancock und Terence McKenna, sind sogar so weit gegangen zu sagen, dass Beweise darauf hindeuten, dass diese Substanzen tatsächlich die Katalysatoren waren, die uns in diese Phase unserer Evolution katapultiert haben. Die Bücher "Speisen der Götter: Die Suche nach dem ursprünglichen Baum der Weisheit" (Mckenna) und "Supernatural: Meetings with the Ancient Teachers of Mankind" (Hancock) sagen uns, dass dies sehr wahrscheinlich sein könnte. Wenn unser Verhalten und unsere Anpassungen ein Ergebnis der direkten Erfahrung innerhalb der äußeren Umgebung sind, was sonst könnte zu den Abstraktionen der Kunst, Sprache und Gedanken geführt haben, mit der wir unsere Existenz hinterfragen, als die visionären Pflanzen, die in allen Regionen der Erde wachsen?

Unabhängig davon, wie diese geheimnisvollen und mächtigen Pflanzen und Pilze unsere Vergangenheit geformt und gestaltet haben, gewinnen sie nach buchstäblich Jahrhunderten der Inquisition und Dämonisierung sicherlich wieder ihre Integrität zurück. In einer Welt, in der die Wissenschaft zeigt, dass Ayahuasca Sucht und Zauberpilze Depressionen behandeln können, stehen für unschuldige Nutzer weiterhin Gefängnisstrafen an. Da die Wissenschaft weiterhin das schiere Potenzial dieser medizinischen Kraftwerke ans Licht bringt, öffnet sich das Tor zur Wahrheit aber immer weiter.

In einer in "The Lancet Psychiatry" veröffentlichten Studie, an der 12 Patienten beteiligt waren, die an mittelschwerer bis schwerer Depression litten, wurden Kapseln mit dem psychotropen Psilocybin-Pilz verabreicht. Während einer einwöchigen Nachuntersuchung wurde festgestellt, dass 8 der 12 Patienten eine vorübergehende Remission erreicht hatten. Noch 3 Monate später zeigten 7 Patienten eine Verbesserung der Symptome. Kein schlechtes Ergebnis, bedenkt man, dass Antidepressiva und Psychotherapie daran gescheitert waren, ihre Erkrankung auch nur anzukratzen.

Ausser, dass sie Menschen dabei helfen, ihre Schattenseiten zu bekämpfen und ihnen bei der Überwindung der sich ihnen eröffnenden Schwierigkeiten beistehen, können diese Pilze auch zu neuem Hirnzellwachstum beitragen.

"Menschen mit Depression haben überaktive Standardsysteme und so grübeln sie ständig über sich selbst nach, ihre Unzulänglichkeiten, ihre Schlechtigkeit, dass sie wertlos sind, dass sie gescheitert sind - in einem Ausmaß, das manchmal wahnhaft ist. Psilocybin scheint diese Aktivität zu blockieren und stoppt dieses obsessive gedankliche Wiederkäuen." Dies sind die Worte von David Nutt, Professor des Imperial College London.

Eine weitere Studie, die im "Journal of Psychopharamcology" veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluss, dass Zauberpilze eine langfristige und dauerhafte positive Veränderung der Persönlichkeit bewirken, wobei ein Teilnehmer der Studie erklärte, dass seine Erfahrung eine entzündungshemmende Wirkung auf das Ich hatte, was ihm ermöglichte, zu durchschauen, was dahinter steckt.

Ein weiteres visionäres Kraftpaket, das Dutzende von Westlern auf der Suche nach Heilung, Abenteuern oder persönlicher Entwicklung in den Amazonas-Dschungel zieht, ist das DMT enthaltende Gebräu, das als Ayahuasca bekannt ist. Unzählige Anekdoten von Menschen aus allen Lebensbereichen behaupten, dass Ayahuasca sie von PTBS, Depression, Sucht und einer ganzen Reihe von größeren und kleineren psychologischen und physiologischen Beschwerden geheilt hat.

Die zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Arbeiten stützen einige dieser Erfahrungen, die zeigen, dass Ayahuasca tatsächlich bei Depressionen helfen kann und das schneller und effektiver als herkömmliche Medikamente.

Auch Ayahuasca wird mit Veränderungen in der Persönlichkeits- und Gehirnstruktur in Verbindung gebracht.

Ein weiteres Beispiel für eine visionäre Medizin mit großem Potenzial ist der westafrikanische Strauch Iboga, der das halluzinogene Alkaloid Ibogain enthält, welches Berichten zufolge den Nutzer in eine klare und aufschlussreiche Erfahrung führt.

"The Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies" (multidisziplinäre Vereinigung für psychedelische Studien) sagt hierzu: "In kleinen Dosen ist Ibogain ein mildes Stimulans, in größeren Dosen löst es einen tiefen psychedelischen Zustand aus. Traditionell wurde es von Mitgliedern der Bwiti Religion in den verschiedenen Teilen von Westafrika bei Heilzeremonien und Initiationsriten verwendet. Menschen mit problematischem Drogenkonsum haben festgestellt, dass höhere Dosen von Ibogain den Entzug von Opiaten deutlich lindern und substanzbedingte Gelüste vorübergehend beseitigen."

Zusammenfassend bieten diese visionären Pflanzen Wege zu veränderten Bewusstseinszuständen, die in der Regel durch das Gefühl einer verstärkten Verbindung, Seligkeit, einem tieferen Verständnis der Realität und einem größeren Bewusstsein für das Selbst gekennzeichnet sind. Nach Überprüfung der Erkenntnisse, die die moderne Wissenschaft in diese Gleichung mit einbringt, ist es klar zu sehen, dass die Nutzen dieser Substanzen enorm, relativ unerschlossenen und für so viele Menschen in vielen verschiedenen Situationen nützlich sind."

Psychedelika und Meditation: Zusammen effektiver?

Obwohl die durch Meditation und Psychedelika erreichten Bewusstseinszustände sehr unterschiedlich sind, haben sie ein großes Potenzial miteinander in Synergie zu arbeiten, um uns zu helfen, uns besser kennen zu lernen, indem sie Traumata aus unserer Vergangenheit heilen und uns in dieser schnelllebigen und turbulenten Welt Ausgeglichenheit schenken. Meditation kann uns täglich zu kurzen Momenten verhelfen, in denen wir runterkommen, den gegenwärtigen Moment in uns aufsaugen und wirklich in eine Zeit der Regeneration übergehen können. Es ermöglicht unserem Gehirn buchstäblich zu entspannen und einen Raum zu öffnen, um Mitgefühl und Ruhe zu entwickeln. Ausser, dass wir in unserem täglichen Leben in einer reflektierenden Weise funktionieren, kann dieser Zustand wegen der heilenden und aufschlussreichen Natur der psychedelischen Erfahrungen auch als die perfekte Startrampe dienen, um bei der Erkundung der inneren Bereiche des Geistes einen starken und stabilen Platz zu haben

 

         
  Lucas  

Geschrieben von: Lucas
Lucas ist ein Teilzeit-Autor und Vollzeit-Visionär. Ein anonymer Psychonaut, der mit Anzug und Krawatte in der Gesellschaft untertaucht, arbeitet daran den Massen evidenzbasierte Rationalität zu bringen.

 
 
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