Können Pilze die Welt retten?

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Können Pilze die Welt retten?

Seit der Entdeckung der Zauberpilze wissen wir um die Kräfte der Pilze. Aber nur langsam beginnen wir ihre Großartigkeit in voller Gänze zu begreifen: Sie können nach Ölunfällen aufräumen und Kunststoff zersetzen.

Seit der Entdeckung der Zauberpilze wissen wir um die Kräfte der Pilze. Aber nur langsam beginnen wir ihre Großartigkeit in voller Gänze zu begreifen: Sie können nach Ölunfällen aufräumen und Kunststoff zersetzen.

Wenn man hier bei uns "Pilze" sagt, spitzen die Leute die Ohren und die Augen beginnen zu leuchten. Aber viele Menschen denken bei Pilzen immer noch nur an Nahrung, obwohl sie in Wirklichkeit so viel mehr sind als das. Pilze sind einige der wichtigsten und auch der ältesten Organismen in unserer Welt. Und erst jetzt beginnen wir zu erkennen, wie sie uns helfen können, das große Chaos in der Umwelt zu bereinigen, das wir angerichtet haben.

Ein großer Schritt war die Entdeckung, daß Pilze Kunststoff buchstäblich essen und zersetzen. So wie einige Pilze sich von Getreide oder Dung ernähren, verspeisen diese Pilze Kunststoff. Angesichts der massiven Kunststoffverschmutzung vor der wir stehen, ist das eine gewaltige Entdeckung. Ebenso wichtig sind bestimmte Pilzsorten, die Öl essen. Sie sind der Schlüssel zur Sanierung verschmutzter Umgebungen.

Paul Stamets: Mushroom Man (Der Pilzmann)

Paul StametsBevor wir fortfahren die Großartigkeit der Pilze zu entdecken, laß uns zunächst einen Blick auf die Arbeit von Paul Stamets werfen, einem der führenden Köpfe hinter der "Mycoremediation" (Pilzsanierung) Bewegung. Stamets ist eine wandelnde Bibliothek und sein Wissen über das Thema ist unvergleichlich. In den letzten Jahren wurde er durch seine inspirierenden TED Vorträge weithin bekannt, in denen sich für die Pilze als eine Revolution in der Medizin, Forstwirtschaft, bei den Pestiziden und im Umweltschutz ausspricht - und das ist genau das, was er persönlich bisher erforscht hat. Stamets steht in keiner Verbindung mit irgendeiner akademischen Institution; den Großteil seiner Forschung finanziert er durch die Gewinne, die er mit der von ihm geleiteten privaten Firma Fungi Perfecti macht. Bisher hat er sechs Bücher über die Pilzzucht, deren Verwendung und Identifizierung veröffentlicht. Das Buch "Growing Gourmet and Medicinal Mushrooms" gilt als einer der ersten ultimativen Führer für den Anbau exotischer Pilze im Zuchtraum.

Die zelluläre Intelligenz des Myzels

MyceliumMyzel ist das komplizierte Netz von Fasergewebe, aus dem Pilze wachsen. Tatsächlich ist der Pilz nur der Fruchtkörper des Myzels. Stamets beschreibt es als "neurologisches Netzwerk der Natur," einer Art "fühlender Membran," die "die langfristige Gesundheit der Wirtsumgebung" steuert und beeinflußt. Wie er in seinem Buch "Mycel Running" beschreibt, wirkt das feine unterirdische Netz des Myzels Wunder; über eine große Fläche hinweg verbindet das Myzel die Wurzeln von Bäumen, wobei es ihre Gesundheit genau überwacht. Wenn ein Baum beispielsweise an einem Mangel an Glucose leidet, erkennt das Myzel dies und liefert die entsprechenden Nährstoffe. Dieser wundersame Mechanismus wird als "Mykorrhiza" bezeichnet. Laut Stamets können Pilze als das Immunsystem einer bestimmten Umwelt angesehen werden.

Dieses Gewebenetzwerk ist eine einzellige, fadenförmige Membran, die sich über das Land verteilt, es nimmt verrottende Vegetation auf, bedeckt Wälder und schließt sich schließlich zusammen, um Pilze hervorzubringen. Ähnlich wie Tiere, muß es die Energie eines anderen Lebewesens absorbieren, um zu überleben und tut dies durch die Aufnahme von Nährstoffen aus der Umgebung. "Sie verfügen über zelluläre Intelligenz," sagt Stamets. "Wenn man durch den Wald läuft, springen sie auf der Suche nach Überresten auf, von denen sie sich ernähren können. Sie wissen, daß Du da bist."

Mycoremediation - Reinigung mit Pilzen

Mycoremediation ist ein Begriff, der von Stamets geprägt wurde. Im Grunde bedeutet er die biologische Sanierung oder Abfallbeseitigung durch den Einsatz von Pilzen. Wie bereits erwähnt, haben Pilze das Potenzial, mit einer Menge der Abfälle umzugehen, die die Menschen hinterlassen - aber wie? Nun, die ökologische Rolle von Pilzen ist, die Dinge zu zersetzen. Dies wird durch das Myzel bewirkt, das extrazelluläre Enzyme und Säuren absondert, um Strukturen zu zerlegen. Allerdings ist jede Art von Pilz in irgendeiner Weise auf bestimmte Lebensmittel spezialisiert. Der Schlüssel ist, die passende Spezies für die Materie zu finden, die zersetzt werden soll. Die Anwendungen sind fast grenzenlos, es gibt sogar Pilzsorten, die chemische Waffen wie Pocken und Sarin zersetzen können.

Pilze die Kunststoff essen

Ein großes Problem ist das weltweit häufigste Abfallprodukt - Kunststoff. Auf einer kürzlich stattgefundenen Expedition, die Forscher von der Yale in den ecuadorianischen Regenwald unternahmen, wurde ein neuer Pilze entdeckt, der einen unersättlichen Appetit auf Kunststoff zu haben scheint. Pestalotiopsis microspore genannt, ist dies der erste Pilz, der gefunden wurde, der sich nur von Polyurethan (eine Art Kunststoff) ernährt, um überleben können. Und nicht nur das, der Prozess, in dem er den Kunststoff zu Nahrung zersetzt, findet anaerob statt, was bedeutet, daß kein Sauerstoff benötigt wird. Das ist eine tolle Sache, denn es gibt in den untersten Schichten der menschlichen Deponien nicht viel Sauerstoff, so daß er in der Lage ist, sich durch alles durchzuarbeiten.

Allerdings besteht die Möglichkeit, daß die spezifische Chemilkalie, die diese Zersetzung bewirkt, isoliert, synthetisiert, patentiert und kommerzialisiert und zum Zweck des Gewinns zurückgehalten wird - aber wir hoffen, daß dies nicht passiert.

Pilze die Öl essen

Eine weitere, sehr zentrale Anwendung von Pilzen ist die Reinigung von Ölverschmutzungen. Stamets ist dieses Potenzial seit sehr langer Zeit bekannt und er hat sie wo immer er konnte eingesetzt. Vor Jahren, lange vor einigen der großen Ölkatastrophen der jüngsten Geschichte, tat Stamets sich mit einer Firma namens Battelle Laboratories zusammen, um herauszufinden, wie man am besten mit Öl umgeht. Sie führten ein Experiment durch, in dem 4 Haufen Erde mit Erdöl getränkt wurden. Ein Haufen wurde dann mit Bakterien, ein anderer mit Enzymen und der dritte mit Myzel behandelt - der letzte blieb zur Kontrolle unbehandelt. Diese wurden abgedeckt und für 6 Wochen in Ruhe gelassen. Nach den 6 Wochen wurden sie aufgedeckt und festgestellt, daß drei der Haufen "tot, dunkel und stinkig" waren. Auf dem, der mit Myzel behandelt worden war, war jedoch eine Fülle von Austernpilzen gewachsen. Nach weiteren 2 Wochen wurde der Grad der Kontamination getestet. Es wurde festgestellt, daß bei dem Haufen, der mit Myzel behandelt worden war, die Verschmutzung von 10.000 Teilen pro Million auf 200 Teilen pro Million gesunken war - ein erstaunlicher Unterschied.

Was Stamets Ergebnisse zeigen, ist, das Myzel verwendet werden kann, um kontaminierte Bereiche zu behandeln, sogar an Orten, wo kein anderes Leben gedeihen kann. Sie können die Toxizität auf ein überschaubares Niveau bringen, so daß die nächsten Lebensformen den Platz übernehmen können. Stamets hat die Theorie ständig durch praktische Anwendungen getestet. In einem Fall platzierte er Säcke voller Myzel flußabwärts von einer Industrieanlage, von der man wußte, daß toxische Abfälle produziert. Das Abwasser wurde gereinigt, als es mit den Säcken in Kontakt kam. Zu einem späteren Zeitpunkt, während der Ölkatastrophe 2007 in der Bucht von San Francisco, spendete Stamets Austernpilze im Wert von $10.000 um zu den Sanierungsarbeiten beizutragen. Sie wurden benutzt, um die Haarmatten abzubauen, die verwendet wurden, um das Öl aufzunehmen. Die Pilze verwandelten die mit Öl getränkten Matten innerhalb von nur 12 Wochen in nährstoffreichen Kompost!

Unendlich viele Anwendungen - die Lösung für die Umweltkrise?

Pilze zeigen eine unglaubliche Vielseitigkeit - was in diesem Artikel beschrieben wurde kratzt nur an der Oberfläche. Unserer Abfälle abzubauen ist wahrscheinlich eine der interessantesten Anwendungen, aber Stamets zeigt eine erstaunliche Menge an Anwendungsmöglichkeiten auf. Weitere interessante sind:

Um Hungersnöte zu verhindern, - Nahrhafte Pilze können mit sehr einfachen Mitteln schnell in Flüchtlingslagern angebaut werden.

Als Biokraftstoff - Bestimmte Pilze können zu Biodiesel verarbeitet werden.

Als Medizin - Pilze können neue Antibiotika und antivirale Verbindungen produzieren. Neuere Forschungen legen sogar nahe, daß einige Arten verwendet werden können, um das Wachstum neuer Gehirnzellen zu fördern und um posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zu behandeln.

Während viele Regierungen und Behörden ein extrem großes Interesse an den Einsatzmöglichkeiten von Myzel und den Pilzen, die es produziert, gezeigt haben, kann es eine ganze Weile dauern, bis wir sehen, daß sie ein großer Teil unseres Lebens werden. Wie bei so vielen Sachen, muß es nur endlich von denen, die den Ruf danach hören, angegangen werden. Pilze können die Welt retten und es liegt bei jedem einzelnen, den richtigen Schritt zu gehen und es möglich zu machen.

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