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Sollte Ketamin Wirklich Als Psychedelikum Angesehen Werden?
10 min

Sollte Ketamin Wirklich Als Psychedelikum Angesehen Werden?

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Ketamin wird immer häufiger als psychedelische Droge eingestuft. Aber warum ist das so und gibt es stichhaltige Gründe für diese Einstufung? Wir beschäftigen uns eingehend mit diesem Thema und vergleichen Ketamin mit den vier klassischen Psychedelika, um herauszufinden, ob Ketamin wirklich ein Psychedelikum ist.

Die Welt besinnt sich (wieder) auf den Wert psychotroper Drogen, wobei die Aura der Angst, die sie in der allgemeinen Vorstellung hervorrufen, zerstreut wird. An der Spitze dieses Wandels stehen Psychedelika – weshalb unsere Ära bereits als "psychedelische Renaissance" bezeichnet wird.

Unter diesen Drogen hat auch Ketamin in der zeitgenössischen Diskussion einen festen Platz gefunden. Doch ist diese Substanz ein lange verschollenes Geschwisterkind, das wirklich zur psychedelischen Familie gehört, oder handelt es sich eher um ein Pflegegeschwisterchen, das mit klassischen Psychedelika weniger gemeinsam hat, als man vielleicht denkt? In diesem Artikel untersuchen wir, ob Ketamin wirklich als Psychedelikum bezeichnet werden sollte.

Was versteht man unter einem Psychedelikum?

Was versteht man unter einem Psychedelikum?

Psychedelika werden im Allgemeinen, mit einigen möglichen Ausnahmen, als Untergruppe der Halluzinogene betrachtet. Psychedelische Drogen haben eine Reihe von Merkmalen gemeinsam, die sie von anderen Drogen unterscheiden, und obwohl diese Grenzen oft verschwimmen, handelt es sich bei ihnen um eine eigenständige Gruppe von Verbindungen – unabhängig davon, ob man sie nach Wirkmechanismus oder Wirkung kategorisiert.

Beginnen wir mit einigen etymologischen Hintergrundinformationen: Der Begriff "psychedelisch" wurde in einem Dialog zwischen dem Psychiater Humphrey Osmond und dem Schriftsteller Aldous Huxley geprägt. Er ist griechischen Ursprungs und lässt sich mit "die Seele offenbarend" übersetzen.

Das Adjektiv besteht aus zwei Teilen: "psychḗ" bezieht sich einfach auf "Geist" oder "Seele", während "dēleín" "manifestieren" oder "offenbaren" bedeutet. Der Begriff rückt die ungewöhnliche Fähigkeit von Psychedelika in den Vordergrund, ihren Nutzern nicht nur Klarheit und (objektivere) Einblicke in ihre eigene Innenwelt zu geben, sondern es ihnen auch zu ermöglichen, Teile von sich selbst aufzudecken und zu beobachten, die normalerweise verborgen bleiben.

Wir werden gleich ausführlicher auf die Hauptmerkmale eingehen, die Psychedelika häufig zugeschrieben werden, doch sie neigen dazu:

  • Auf die Serotoninrezeptoren des Gehirns zu wirken
  • Körperlich sicher zu sein
  • Schnell zu einer Toleranz zu führen (was eine körperliche Abhängigkeit unmöglich macht)
  • Eine Kreuztoleranz untereinander zu erzeugen
  • Ein "psychedelisches" High hervorzurufen
  • Kein wirkliches "Runterkommen" zu verursachen

Wie wir sehen werden, ist die traditionelle Kategorie "Psychedelika" in den letzten Jahren allerdings durchlässiger geworden, wobei es mittlerweile andere Drogen gibt, die manchmal zusammen mit den klassischen Psychedelika gruppiert werden, obwohl sie viele der oben genannten Kriterien nicht erfüllen. Eine davon ist Ketamin.

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Was ist Ketamin?

Was ist Ketamin?

Ketamin ist ein dissoziatives Anästhetikum, das in der Veterinär- und Humanmedizin als Schmerz- sowie Beruhigungsmittel eingesetzt wird. In letzter Zeit hat es als potenzielle Therapie für behandlungsresistente Depressionen große Beliebtheit erlangt (Lent, Arredondo, Pugh, Austin, 2019).

Ketamin wurde 1962 aus Phencyclidin (PCP) synthetisiert. Da es weniger halluzinogene Eigenschaften aufwies, war es besser für den medizinischen Gebrauch geeignet. Als Anästhetikum erhält Ketamin die Atem- und Atemwegsreflexe, stimuliert das Herz und erhöht den Blutdruck, während andere Anästhetika diese Funktionen oft beeinträchtigen, was tödliche Folgen haben kann.

In niedrigen Dosen verursacht Ketamin nicht nur eine leichte Distanzierung von der Realität und dem Selbst, sondern hemmt auch erheblich die Wahrnehmung und motorische Kontrolle – mit Auswirkungen, die denen einer starken Trunkenheit nicht allzu unähnlich sind. Bei höheren Dosen wird die motorische Kontrolle vollständig gehemmt, wobei die Dissoziation extrem sein kann, was zu Gefühlen einer Nahtoderfahrung, außerkörperlichen Erfahrungen und der Auflösung der Realität führen kann. Aus medizinischer Sicht wird ein Mensch in diesem Zustand betäubt – umgangssprachlich ausgedrückt befindet er sich dann in einem "K-Hole" – einem "Ketamin-Loch".

Interessanterweise behalten manche Menschen selbst bei sehr hohen Dosen in diesem betäubten K-Hole-Zustand ein gewisses Maß an bewusster Erfahrung bei, sodass sie sich oft teilweise daran erinnern können. Dies verleitet Menschen dazu, Ketamin in der Freizeit zu konsumieren, selbst in stark hemmenden Dosen.

Ist Ketamin ein Psychedelikum?

Ist Ketamin ein Psychedelikum?

Insbesondere in der modernen Psychiatrie wird Ketamin heutzutage häufig als Psychedelikum eingestuft. Aber wie ähnlich ist es anderen Psychedelika und sollte es wirklich dieser Kategorie zugeordnet werden?

Im folgenden Abschnitt werden wir untersuchen, inwiefern Ketamin in die Kategorie der Psychedelika passt oder nicht.

Die körperliche Ebene

Auf körperlicher Ebene unterscheiden sich Ketamin und klassische Psychedelika (Psilocybin, LSD, DMT, Meskalin) erheblich hinsichtlich ihrer Chemie, ihres Wirkmechanismus und ihrer umfassenderen Wirkung auf den Körper.

Die physikalischen Eigenschaften klassischer Psychedelika

Lass uns zunächst etwas über klassische Psychedelika in Erfahrung bringen. Obwohl diese Liste nicht vollständig ist, können Psilocybin, LSD, DMT und Meskalin als die vier klassischen Psychedelika angesehen werden. Die vier Drogen lösen nicht nur ähnliche Wirkungen aus, sondern sind sich auch physikalisch sehr ähnlich. So werden beispielsweise Psilocybin, DMT und Meskalin, die man als "Indolalkaloide" bezeichnet, durchweg auf natürliche Weise aus L-Tryptophan synthetisiert. LSD hingegen hat eine ganz andere Chemie, interagiert aber ähnlich mit dem Gehirn wie die vorgenannten Substanzen.

Alle vier dieser klassischen Psychedelika scheinen den Großteil ihrer Wirkung über die Serotoninrezeptoren des Gehirns auszuüben, die auf die 5-HT-Rezeptorgruppe wirken. Jede Droge wirkt in unterschiedlichen Verhältnissen auf verschiedene Rezeptoren – Psilocybin etwa bindet am leichtesten an die 5-HT2A-Rezeptoren –, im Großen und Ganzen wirkt jede von ihnen jedoch ähnlich.

All diese Drogen erzeugen zudem ähnliche Zustände im Gehirn mit erhöhter Aktivität und Konnektivität, höheren Zufälligkeitsmaßen und einer verringerten Überwachung des Default Mode Network (DMN). Hierbei handelt es sich um eine Region des Gehirns, von der man annimmt, dass sie eine entscheidende Rolle für unser Selbstempfinden spielt und Erfahrungen "filtert" (Gattuso, 2023). Bei Menschen mit Depressionen wurde beobachtet, dass das DMN ungewöhnlich aktiv ist.

Zu guter Letzt weisen klassische Psychedelika auch ein äußerst gutes Sicherheitsprofil auf, ganz gleich, was die Anti-Drogen-Propaganda diesbezüglich verlauten lässt. In einer Studie über die Nebenwirkungen der vier hier aufgeführten Psychedelika – mitverfasst vom (berüchtigten) Professor David Nutt – wurde gezeigt, dass viele (aber nicht alle) der genannten Gefahren dieser Drogen Fehlinformationen zu sein scheinen und diese Meinungen selten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhten (Schlag et al., 2022).

Da die Wirkung von Psychedelika fast ausschließlich auf das Gehirn beschränkt ist, können sie keine Überdosierung, keinen Drogentod oder andere körperliche Probleme verursachen. Unklar bleibt jedoch, welche Wirkungen sie auf Menschen mit zugrundeliegenden psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie haben könnten.

Darüber hinaus können klassische Psychedelika keine Abhängigkeit verursachen. Aufgrund ihrer Wirkweise entwickelt sich bei wiederholter Einnahme derart schnell eine Toleranz, dass sie innerhalb weniger Tage nicht mehr wirken. Dies verhindert die Entstehung einer Abhängigkeit. Wegen der Ähnlichkeit in der Wirkungsweise dieser Substanzen führt jede außerdem zu einer Toleranz gegenüber allen anderen – möglicherweise mit Ausnahme von DMT.

Die physikalischen Eigenschaften von Ketamin

Ketamin weist im Vergleich zu klassischen Psychedelika ganz andere physikalische Eigenschaften und Wirkungen auf. Es besteht aus zwei Enantiomeren: Esketamin und Arketamin. Ersteres, auch als "S-Ketamin" bekannt, ist als Analgetikum und Anästhetikum wirksamer, während R-Ketamin vermutlich eine länger anhaltende antidepressive Wirkung aufweist (Sachdeva, 2023).

Im Großen und Ganzen blockiert Ketamin die N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptoren (NMDA) des Gehirns und bewirkt die Aktivierung von α-Amino-3-hydroxy-5-methyl-4-isoxazolpropionsäure-Rezeptoren (AMPA), was wiederum die Signalübertragung moduliert, um die Neurotransmission im limbischen System zu beeinflussen. Es genügt zu sagen, dass es sich hierbei im Vergleich zu klassischen Psychedelika um einen ganz anderen Wirkmechanismus handelt.

Während Psychedelika nur sehr wenige körperliche Wirkungen oder gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Drogen aufweisen, hat Ketamin sehr starke Auswirkungen auf den Körper (andernfalls würde es nicht als Analgetikum oder Anästhetikum wirken können): Es kann bei Einnahme in hohen Dosen oder vermischt mit anderen Drogen, wie zum Beispiel Alkohol, zu Überdosierung, Hirnversagen und Tod führen. Allerdings ist die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit illegalem Ketaminkonsum nach wie vor relativ gering: Zwischen 1997 und 2019 wurden in England 238 Todesfälle registriert (Corkery, 2021). Bei etwa 80% der Fälle waren auch andere Drogen beteiligt.

Auch wenn die Sterbewahrscheinlichkeit gering ist, macht Ketamin abhängig, wobei der langfristige Konsum neben den allgemein mit Abhängigkeit verbundenen gesundheitlichen Problemen auch eine Reihe weiterer gesundheitlicher Störungen mit sich bringen kann. Eine der bekanntesten ist, dass Ketamin bei längerem Gebrauch die Blase schwächen und Inkontinenz verursachen kann.

Bei unregelmäßiger und alleiniger Einnahme ist Ketamin eine relativ sichere Droge. Regelmäßig oder in Kombination mit anderen Drogen konsumiert, wird es hingegen viel schädlicher.

Die phänomenologische Ebene

Die phänomenologische Ebene

Oberflächlich betrachtet weisen Ketamin und klassische Psychedelika hinsichtlich ihrer Wirkung Ähnlichkeiten auf, also in Bezug darauf, wie es sich anfühlt, "drauf zu sein". Bei näherer Betrachtung verschwinden diese Ähnlichkeiten jedoch in der Regel.

Die Wirkung klassischer Psychedelika

Selbst Nutzern, die sie noch nicht eingenommen haben, sind Vorstellungen über Psychedelika vertraut. Diese Drogen werden mit erhöhtem Einfühlungsvermögen, der Intensivierung von Klang und Farbe, psychedelischen Bildern/Halluzinationen sowie tiefgreifenden philosophischen Gedanken und Einsichten in Verbindung gebracht. Manche Konsumenten berichten sogar von "mystischen Erlebnissen", wenn sie unter dem Einfluss dieser Drogen stehen.

Obwohl die Wirkung klassischer Psychedelika jeweils ähnlich ist, besitzt jede Droge dennoch ihren eigenen Charakter. Meskalin und Psilocybin verändern generell die Qualitäten der Welt und verstärken das Gefühl der Verbundenheit mit ihr und ihren Bewohnern, lassen den Nutzer jedoch in etwas verwurzelt, das der normalen Realität ähnelt. LSD hingegen kann viel stärker wirken, echte Halluzinationen hervorrufen und den Zugang zur normalen Realität erschweren. DMT schließlich kann Menschen in andere Universen entführen, wo sie möglicherweise sogar mit anderen Wesenheiten kommunizieren.

Auch wenn sie sich in einigen ihrer Wirkungen unterscheiden, vermitteln die Indolalkaloid-Psychedelika (LSD, Psilocybin, Meskalin) in der Regel ein freundliches und sicheres Gefühl – wobei natürlich auch immer schlechte Erfahrungen möglich sind. LSD fühlt sich oft so an, kann allerdings leichter überwältigend und beängstigend wirken.

Auch wenn mit diesen Drogen introspektive Reisen durchaus möglich sind, fördern sie alle tendenziell auch ein stärkeres Gefühl der Verbindung mit dem äußeren Universum – sofern sie nicht in sehr hohen Dosen konsumiert werden. Auf Psychedelika haben Menschen oft noch eine starke Sensibilität für die Verbindung zu sich selbst. Umgekehrt kann es bei Konsumenten bei hohen Dosen zur Ich-Auflösung kommen, wobei sie in diesem Fall ein starkes Gefühl der Distanzierung von sich selbst verspüren.

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Die Wirkung von Ketamin

Die Wirkung von Ketamin könnte als "psychedelisch" beschrieben werden, doch diese Qualität hat wenig Ähnlichkeit mit der beschriebenen psychedelischen Erfahrung. Bei niedrigeren Dosen fühlen sich Nutzer leicht distanziert oder losgelöst von sich selbst, anderen und der Welt. Allerdings können bestimmte Reize, insbesondere Geräusche (oder Musik), durch Ketamin verstärkt werden. Obwohl Ketamin ein Anästhetikum ist, kann es in niedrigeren Dosen umgekehrt auch eine anregende Wirkung haben, weshalb es oft als Partydroge verwendet wird.

Bei höheren Dosen verlieren Menschen jedoch schnell die Kontrolle über ihren Körper und dissoziieren. Dies ist gekennzeichnet durch die Unfähigkeit, sich richtig zu bewegen, und durch Schwierigkeiten, Gedanken festzuhalten oder bewusst zu bleiben. Menschen, die Ketamin einnehmen, können zwar wach bleiben, sich aber dennoch mehr oder weniger bewusstlos fühlen.

Bei sehr hohen Dosen kann ein tranceähnlicher Zustand auftreten, in dem der Nutzer in andere Bereiche vordringt und eine Reihe von Erfahrungen macht, die sehr schwer zu charakterisieren sind. Auch wenn die Beschreibungen dieser Erfahrungen Ähnlichkeiten zu Berichten über DMT-Erfahrungen aufweisen, unterscheiden sie sich oft sehr stark in der Art und Weise, wie sich diese Erfahrungen anfühlen. Ähnlich wie Psychedelika können diese hohen Ketamindosen seltsame Einblicke in die eigene Person bieten.

Ketamin vs. Psychedelika: Die therapeutische Ebene

Ketamin vs. Psychedelika: Die therapeutische Ebene

Der Bereich, in dem Ketamin und klassische Psychedelika vielleicht am ähnlichsten sind, betrifft die Art und Weise, wie sie in der medizinischen Welt untersucht und verwendet werden.

Das therapeutische Potenzial klassischer Psychedelika

Die Erforschung klassischer Psychedelika variiert von Droge zu Droge, wobei die beiden am häufigsten erforschten psychedelischen Substanzen Psilocybin (Zauberpilze) und LSD sind.

Beide haben sich als vielversprechend für eine Reihe von psychischen Erkrankungen erwiesen, was insbesondere für behandlungsresistente Depressionen gilt. In einer großen Doppelblindstudie wurde gezeigt, dass eine Einzeldosis (25mg) Psilocybin bei schweren Depressionen signifikant wirksam war (Goodwin, 2022). Allerdings wurde in dieser Studie auch festgestellt, dass 77% der Teilnehmer unter Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel litten. Dennoch ging man nicht davon aus, dass diese "nachteiligen Auswirkungen" die Ergebnisse abschwächten.

Eine Metastudie, in der jahrzehntelange Forschung zu LSD untersucht wurde, ergab, dass die Substanz möglicherweise bei einer Reihe von Erkrankungen eingesetzt werden könnte – von Abhängigkeit bis hin zu Depressionen (Fuentes, 2020). Aufgrund des Alters einiger der untersuchten Studien ist es jedoch notwendig, einen Großteil davon zu wiederholen, um die Auswirkungen besser zu verstehen.

Außerhalb der klinischen Forschung sind Psychedelika derzeit nur selten für medizinische Zwecke zugelassen, sodass die Zahl der getesteten Probanden nach wie vor gering ist.

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Das therapeutische Potenzial von Ketamin

Aktuell ist Ketamin in der Psychiatrie so etwas wie ein Wunderkind. Da es in verschiedenen Ländern zur Anwendung zugelassen ist und zahlreiche Belege für seine Wirksamkeit vorliegen, erfreut es sich bei der Behandlung von Depressionen immer größerer Beliebtheit.

Normalerweise werden relativ niedrige Dosen verabreicht, von denen man annimmt, dass sie den Glutamat-Spiegel im Gehirn erhöhen. Glutamat beeinflusst bekanntlich die Stimmung, wobei eine der führenden Theorien besagt, dass es dieser Anstieg ist, der Ketamin seine antidepressiven Eigenschaften verleiht. Die Dosen können über Nasenspray, intravenöse Injektion, intramuskuläre Injektion oder in Form von Lutschtabletten verabreicht werden. Sie sind mild und lösen bei Weitem keinen dissoziativen Zustand aus. Im Allgemeinen wird die Behandlung in einem Krankenhaus oder einer Klinik durchgeführt.

Es hat sich gezeigt, dass eine Einzeldosis bis zu drei Wochen lang wirksam ist, was bedeutet, dass die Behandlung wiederkehrend und regelmäßig erfolgen musst. Dies stellt ein potenzielles Risiko dar, denn der regelmäßige Konsum von Ketamin kann zu einer Abhängigkeit führen. In London, wo nur Privatkliniken die Lizenz zur Verschreibung von Ketamin haben, gibt es bereits Berichte über Patienten, die sich bei mehreren Kliniken anmelden, um den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestzeitraum zwischen den einzelnen Dosen zu umgehen.

Die genauen Auswirkungen von Ketamin auf Depressionen sind derzeit nicht bekannt, was bei Antidepressiva allerdings häufig der Fall ist. Das hindert Ärzte jedoch nicht daran, sie zu verschreiben!

Wie verhält es sich mit Microdosing?

Sowohl Ketamin als auch klassische Psychedelika können für Microdosing genutzt werden, wobei angenommen wird, dass beide ähnliche Ergebnisse erzielen. Allerdings gibt es nur sehr wenige stichhaltige Belege dafür, dass Microdosing tatsächlich wirkt. Manchmal wird vermutet, dass es sich bei den berichteten Wirkungen möglicherweise nur um Placebo-Effekte handelt. Da es keine klinischen Doppelblindstudien gibt, können wir es nicht mit Sicherheit wissen.

Es gibt mehrere klassische Psychedelika, die gern für Microdosing genutzt werden:

  • LSD
  • Psilocybin
  • Meskalin

DMT

Ebenso verwenden manche Menschen mittlerweile auch Ketamin in Mikrodosen und viele von ihnen berichten von positiven Wirkungen. Egal, ob es um Microdosing mit klassischen Psychedelika oder Ketamin geht, streben die meisten Konsumenten die folgenden Effekte an:

  • Gesteigerte Konzentration
  • Erhöhte Produktivität
  • Gesteigerte Kreativität
  • Allgemein verbessertes Wohlbefinden

Ketamin und Psychedelika: Sind sie dasselbe?

Ketamin und Psychedelika: Sind sie dasselbe?

Ist Ketamin also ein Psychedelikum?

Viele Menschen stufen Ketamin mittlerweile als Psychedelikum ein, aber die Gründe hierfür sind bestenfalls wackelig. Normalerweise kommt dieses Zusammenfassen von Kategorien aus der medizinischen Fachwelt, was wahrscheinlich darauf beruht, dass es sich jeweils um Drogen handelt, die in der Freizeit konsumiert werden können und "Trip"-Gefühle hervorrufen, aber auch als neuartige Behandlungsmethoden bei Depressionen eingesetzt werden können. Doch SSRIs werden ebenfalls zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, ohne dass man sie deshalb gleich als "Psychedelika" bezeichnen würde.

Und da man zudem vermutet, dass Ketamin und Psychedelika Depressionen über unterschiedliche Wirkmechanismen beeinflussen, ist umso schwerer zu erkennen, wie diese Kategorie sie miteinander verbinden soll. Darüber hinaus scheinen Psychedelika bei hohen Dosen am wirksamsten zu sein, während Ketamin bei niedrigeren Dosen wirksam ist. Mit anderen Worten geht man davon aus, dass die psychedelische Erfahrung entscheidend für ihre Wirksamkeit bei bestimmten Erkrankungen ist, während es bei Ketamin offenbar nicht nötig zu sein scheint, dass jemand die psychotropen Wirkungen der Droge erlebt, um ihre potenziellen Nutzen zu spüren.

Wenn wir jedoch die Bedeutung von "psychedelisch" ("die Seele offenbarend") wörtlich nehmen, dann könnte Ketamin dazu zählen, da hohe Dosen Menschen ungewöhnliche Einblicke in ihre Innenwelten ermöglichen können. Doch das ist vermutlich nicht das, was die meisten Leute meinen, wenn sie Ketamin zu den Psychedelika rechnen.

Bei den meisten anderen Maßstäben scheinen Psychedelika und Ketamin allerdings ziemlich unterschiedlich zu sein. Klassische Psychedelika sind serotonerg, machen nicht abhängig, haben nur sehr wenige körperliche Wirkungen und fördern ein Gefühl von Empathie beziehungsweise Verbundenheit mit der Welt. Ketamin hingegen besitzt keine einzige dieser Eigenschaften.

Auch wenn diese Drogen ähnliche medizinische Anwendungen haben können, sollte das also nicht bedeuten, dass wir sie alle zusammenfassen. Es handelt sich um unterschiedliche Substanzen mit meist verschiedenen Wirkungen – selbst da, wo sie auf dieselbe Weise verwendet werden können, wirken sie sehr unterschiedlich.

Max Sargent
Max Sargent
Max schreibt seit über einem Jahrzehnt und ist in den letzten paar Jahren in den Cannabis- und Psychedelika-Journalismus eingestiegen. Durch seine Arbeit für Unternehmen wie Zamnesia, Royal Queen Seeds, Cannaconnection, Gorilla Seeds, MushMagic und viele mehr hat er in der Branche umfassende Erfahrung gesammelt.
Quellen
  • Corkery, J. M., Hung, W. C., Claridge, H., Goodair, C., Copeland, C. S., & Schifano, F. (2021). Recreational ketamine-related deaths notified to the National Programme on Substance Abuse Deaths - https://journals.sagepub.com
  • Fuentes, Juan José, Fonseca, Francina, Elices, Matilde, Farré, Magí, Torrens, & Marta. (2020/01/21). Therapeutic Use of LSD in Psychiatry: A Systematic Review of Randomized-Controlled Clinical Trials - https://www.frontiersin.org
  • Gattuso, James J, Perkins, Daniel, Ruffell, Simon, Lawrence, Andrew J, Hoyer, Daniel, Jacobson, Laura H, Timmermann, Christopher, Castle, David, Rossell, Susan L, Downey, Luke A, Pagni, Broc A, Galvão-Coelho, Nicole L, Nutt, David, Sarris, & Jerome. (2023/03/22). Default Mode Network Modulation by Psychedelics: A Systematic Review - https://academic.oup.com
  • Goodwin, G. M., Aaronson, S. T., Alvarez, O., Arden, P. C., Baker, A., Bennett, J. C., Bird, C., Blom, R. E., Brennan, C., Brusch, D., Burke, L., Campbell-Coker, K., Carhart-Harris, R., Cattell, J., Daniel, A., DeBattista, C., Dunlop, B. W., Eisen, K., & Fei. (2022). Single-Dose Psilocybin for a Treatment-Resistant Episode of Major Depression - https://www.nejm.org
  • Lent JK, Arredondo A, Pugh MA, & Austin PN. (2019 Oct). Ketamine and Treatment-Resistant Depression - https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Sachdeva, B., Sachdeva, P., Ghosh, S., Ahmad, F., & Sinha, J. K. (2021). Ketamine as a therapeutic agent in major depressive disorder and posttraumatic stress disorder - https://www.researchgate.net
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