Ginseng: Alles, Was Du Wissen Musst

Ginseng: Alles, Was Du Wissen Musst
Panax Ginseng

WAS IST GINSENG?

Ginseng ist ein berühmtes pflanzliches Heilmittel aus China, das aus den Wurzeln der Ginseng-Pflanze gewonnen wird. Manchmal wird sie wegen der Menschen-ähnlichen Form, die das vielgliedrige Rhizom des wilden Ginsengs ausbildet, auch "Menschenwurzel" genannt. "Wurzel des Lebens" und "Wurzel der Unsterblichkeit" sind weitere Spitznamen dieser Pflanze.

Auf Grund der ständig wachsenden Nachfrage zählt Ginseng heutzutage zu den teuersten Krauten. Manche in der Wildnis gesammelte Wurzel in Premium-Qualität erzielte einen Verkaufspreis von bis zu 177.000€. Obwohl derartige Summen eher selten gezahlt werden, kommt dies dennoch vor, wenn Ginseng-Enthusiasten das Glück haben, über eine Ginseng-Pflanze zu stolpern, die in ihrer natürlichen Umgebung über 10 Jahre heranreifen durfte. Eine erntereife Pflanze muss bereits ein paar Jahre alt sein, denn ihre Wachstumsgeschwindigkeit ist nicht besonders hoch. Wild gesammelte Wurzeln werden durchschnittlich für 440–530€ pro Pfund verkauft. Kultivierter Ginseng ist dagegen bereits für ungefähr 45€ pro Pfund zu haben.

Es gibt verschiedene Arten von Ginseng-Pflanzen – und zwar koreanischen (Panax ginseng), amerikanischen (Panax quinquefolius) und sibirischen (Eleuthero). Koreanischer Ginseng ist der schönste und kostbarste aller Vertreter dieser Art. Amerikanischer Ginseng verfügt über ähnliche gesundheitliche Nutzen, verleiht jedoch dem Nutzer nicht annähernd so viel Energie. beim sibirischen Ginseng handelt es sich hingegen um eine völlig andere Pflanze. Obwohl er ebenfalls eine äußerst nützliche Pflanze ist, enthält er kein Ginsenosid (auch bekannt als Panaxosid), den Wirkstoff aus dem koreanischen und amerikanischen Ginseng.

Mit der Zeit gewann Ginseng in Asien eine derartige Beliebtheit, dass Geschäftsleute, die großen Profit aus der Pflanze schlugen, die natürlichen Bestände des Ginsengs schnell dezimiert haben. Dies hatte zur Folge, dass der koreanische Ginseng nur noch äußerst selten zu finden ist. Aus diesem Grund exportieren die Vereinigten Staaten von Amerika jedes Jahr tonnenweise amerikanischen Ginseng nach China. Selbst wenn man ein Ginseng-Produkt kauft, das als "Made in China" deklariert ist, bekommt man also möglicherweise amerikanischen Ginseng. Achte daher besonders auf die Etiketten des jeweiligen Produkts und kaufe Deinen Ginseng ausschließlich von einem seriösen Anbieter.

WIE MAN GINSENG ANBAUT

WIE MAN GINSENG ANBAUT

Ginseng selbst anzubauen, ist es zwar prinzipiell möglich, erfordert allerdings eine Menge Geduld und die richtige Anbauumgebung. Die Pflanzen wachsen langsam und stellen besondere Ansprüche an die Wachstumsbedingungen. Es ist sicher von Vorteil, an einem Ort zu leben, an dem Ginseng wild wächst, was beispielsweise für die Ostküste bzw. den pazifischen Nordwesten der USA oder für Asien gilt. Um Ginseng erfolgreich anbauen zu können, musst Du die Bedingungen, die die Pflanze zum Gedeihen benötigt, bestmöglich imitieren. Eine solche Umgebung wäre ein abfallendes Waldgebiet mit natürlichem Schatten, was sich von den Bedingungen, die in einem typischen Garten herrschen, deutlich unterscheidet.

Ginseng gedeiht am besten in Erde mit neutralem pH-Wert. Sollte dieser nicht zwischen 5,6 und 6,0 liegen, muss die Erde mit passenden Bodenzusätzen wie Kalk entsprechend präpariert werden. Die erforderliche Anbauumgebung sollte zudem über 80–90% Schatten verfügen und selbst im Sommer nicht zu heiß werden. Es muss zudem sicher sein, dass Du für die nächsten Jahre Zugang zum Anbauplatz hast und dass dieser Ort so gelegen ist, dass er nicht von anderen Anbauprojekten gestört wird. Deine neu gepflanzten Ginseng-Pflanzen benötigen volle 10 Jahre, um Wurzeln der gewünschten Größe auszubilden.

Falls möglich, solltest Du Dein Ginseng-Projekt geheim halten. Da Ginseng äußerst wertvoll ist, sind Diebe eine reale Bedrohung. Es gibt tatsächlich Wilderer, die im Schutz der Dunkelheit Ginseng-Wurzeln ausgraben, lange bevor der eigentliche Besitzer der Pflanzen dazu kommt, seine Wurzeln zu ernten.

1. Kaufe Dir Ginseng-Wurzeln oder Samen

Was den Start Deines Anbauvorhabens angeht, kannst Du Ginseng sowohl aus Samen als auch aus Wurzeln ziehen. Du kannst kleine, ein oder zwei Jahre alte Wurzeln kaufen, um das Projekt zu starten. Diese Wurzeln entwickeln sich schneller als Samen, und Du kannst dabei zusehen, wie Deine Pflanzen schneller wachsen, als wenn Du sie aus Samen ziehen würdest. Deshalb hast Du mit diesen Wurzeln gegenüber Samen einen kleinen Vorsprung gewonnen, was den Zeitpunkt Deiner zukünftigen Ernte angeht. Hast Du erst einmal ein Gefühl für den Anbau mit Wurzeln entwickelt, kannst Du Dich auch an der Kultivierung mittels Samen versuchen. Du kannst sogar eigene Samen ernten, sobald Deine Pflanzen alt genug sind. Aber natürlich kannst Du die Samen auch kaufen, wobei Du für denselben Geldbetrag weitaus mehr Samen als Wurzeln bekommst.

Solltest Du in einer Region leben, in der Ginseng wild wächst, was in den USA zum Beispiel für die Appalachen gilt, kannst Du Dich auf die Suche nach einer lokalen Quelle für Samen und Wurzeln machen. Dadurch weißt Du nicht nur, dass diese frisch und authentisch sind, sondern Du kannst auch sehen, wo die Pflanzen wachsen und Deinen Garten dementsprechend präparieren und herrichten. Des Weiteren wird eine lokale Quelle und Ansprechperson eher dazu bereit sein, auch nach Deinem Kauf Fragen zu beantworten, was beim Online-Kauf nicht unbedingt der Fall sein muss.

Ein seriöser Verkäufer wird Dir Ginseng-Wurzeln nur im Herbst schicken, weil dies der Zeitpunkt ist, an dem sie gepflanzt werden sollten. Aber beeile Dich mit Deiner Suche; die besten Quellen haben meist eine Warteliste oder nehmen Vorbestellungen an.

Samen gibt es in zweierlei Form: grün und stratifiziert. Grüne Samen wurden im selben Jahr gepflückt und verbleiben in der Frucht. Falls Du grüne Samen aussäst, werden sie erst im zweiten Jahr nach der Aussaat keimen. Es dauert so lange, bis sich das Fruchtfleisch abgelöst hat und die Samen vollkommen reif für die Keimung sind. Stratifizierte Samen dagegen wurden bereits aus der Beere entfernt. Sie kosten ungefähr doppelt so viel wie grüne Samen, keimen aber normalerweise bereits im ersten Frühling nach ihrer Aussaat.

2. Wähle einen geeigneten Platz aus

Suche nach einem Waldstück mit Hartholzbäumen wie Walnuss, Eiche, Ahorn oder Hickory. Das Blätterdach der Bäume sollte für ungefähr 90% Schatten sorgen, außerdem sollten darunter nicht allzu viele kleine Bäume oder Büsche wachsen. Der Schatten wird dafür sorgen, dass Deine Ginseng-Pflanzen in einer kühlen Umgebung wachsen können und sich auch kein dichtes Unterholz bildet.

Wähle einen Platz an einem östlich oder nördlich gelegenen Hang. Dieser ist meist kühler als nach Süden oder Westen ausgerichtete Hänge. Abfallende bzw. schräge Waldflächen sorgen für eine zusätzliche Drainage, denn schließlich fühlt sich der Ginseng in feuchten, sumpfigen Böden nicht wohl. Lehmhaltige Erde sollte deshalb vermieden werden. Pflanzen, die ebenfalls in für Ginseng optimalen Anbauumgebungen wachsen, sind die Gelbwurzel, Traubensilberkerze und wilde Yams-Wurzel. Falls Du diese Pflanzen an Deinem zukünftigen Anbauplatz entdecken solltest, hast Du einen guten Ort für Dein Ginseng-Projekt gefunden.

3. Pflanze Deine Wurzeln oder Samen im Herbst

Warte, bis es regnet oder schneit, um Deine Wurzeln oder Samen zu pflanzen bzw. auszusäen. Der Boden sollte feucht, aber nicht durchtränkt sein. Vergewissere Dich vor dem Auspflanzen, dass Du nicht unmittelbar über einer steinigen Schicht anbauen möchtest. Wenn Du mit einem Stock ca. 5cm problemlos in die Erde eindringen kannst, bist Du auf der sicheren Seite.

Beginne damit, an Deinem Anbauplatz die auf den Boden gefallenen Blätter oder den Mulch zu entfernen. Säe die Samen im Abstand von ca. 50cm. Stich dafür ein 1cm tiefes Loch aus, in dem Du den Samen platzierst, ihn mit Erde bedeckst und diese festdrückst. Zum Schluss bedeckst Du Deinen Anbauplatz wieder mit den Blättern, die Du zuvor entfernt hast, so dass eine ungefähr 8cm dicke Schicht entsteht. Damit hast Du eine eine Art simulierte Wildnis geschaffen, in der keine weitere Bearbeitung des Bodens mehr erforderlich ist.

Du musst die Wurzeln bis zur Pflanzung feucht halten und dann jeweils unzerteilt in die Erde pflanzen. Pflanze die Wurzeln, sobald Du sie erhalten hast oder lagere sie im Kühlschrank, falls Du nicht umgehend damit beginnen kannst. Um Schimmelbildung zu vermeiden, musst Du sie während der Lagerung täglich herausnehmen und auslüften lassen. Auf keinen Fall solltest Du Deine bestellten Wurzeln aufteilen, indem Du sie in Stücke schneidest. Pflanze die Wurzeln im gleichen Abstand wie Samen, wobei jedoch ein größeres Loch nötig ist, in dem die Wurzeln in einem 30–45°-Winkel positioniert werden. Die obere Spitze der Wurzel sollte sich ein paar Zentimeter unterhalb der Erdoberfläche befinden.

4. Lass der Natur ihren Lauf

Ab jetzt heißt es sehr, sehr geduldig sein. Du musst bis zum nächsten Frühling warten, bevor sich Deine jungen Pflanzen zeigen werden. Die Erfolgschancen hängen dabei nicht nur von der Qualität der Samen oder Wurzeln ab, sondern auch vom Wetter, von der Pflanzung selbst und von der Anbauumgebung. Es kann zum Beispiel im Falle eines zu heißen und zu trockenen Frühlings vorkommen, dass selbst stratifizierte Samen erst im darauffolgenden Jahr keimen, wenn die Keimbedingungen wieder besser sind.

5. Ernte der reifen Wurzeln nach 5 bis 10 Jahren

Sei vorsichtig, wenn Du junge Wurzeln einer reifen Pflanze ausgräbst. Du solltest auf keinen Fall auch nur eines der Wurzelhaare oder gar eine ganze unreife Pflanze beschädigen! Nimm eine kleine Mistgabel oder einen Spaten und beginne damit, in einem Abstand von 15cm die Erde rund um und unterhalb der Pflanze zu entfernen. Anschließend lockerst Du mit Deinen Händen vorsichtig die Wurzel aus der Erde. Sobald Du sie ausgegraben hast, legst Du sie auf ein Tablett aus Holz. Mehrere Wurzeln sollten nebeneinander liegen, damit ausreichend Frischluft zirkulieren kann. Wasche die Wurzeln vorsichtig und kurz ab, bevor Du sie auf einem hölzernen Regal zum Trocknen auslegst. Deine Ginseng-Wurzeln dürfen übrigens keinesfalls mit Metall in Kontakt kommen.

DIE CHEMISCHE ZUSAMMENSETZUNG VON GINSENG

Wie die meisten essbaren Pflanzen enthält auch Ginseng Kohlenhydrate, Zucker, Aminosäuren, Vitamine und Mineralien; für die meisten gesundheitsfördernden Eigenschaften dieser Pflanze sind jedoch die Ginseng-Saponine verantwortlich. Bisher konnten Wissenschaftler 13 Saponine in der Ginseng-Pflanze feststellen. Sie werden allgemein als Ginsenoside oder Panaxoside bezeichnet.

DIE GESCHICHTE DES GINSENGS

DIE GESCHICHTE DES GINSENGS

Niemand weiß, wann die Menschheit Ginseng erstmals als Tonikum verwendet hat. Die erste Aufzeichnung zur Verwendung der Wurzel gehen auf einen alten chinesischen Text zurück, der auf das erste Jahrhundert nach Christus datiert wird. In dieser Schrift, die von chinesischen Botanikern verfasst wurde, wird behauptet, die Ginseng-Wurzel sei in der Lage, den Geist zu erweitern, das Leben zu verlängern, Weisheit zu verleihen und die sexuelle Vitalität zu verbessern. Der Ruf der Ginseng-Pflanze als mächtiges Aphrodisiakum führte dazu, dass sich die heilsame Wurzel im Lauf der Jahrhunderte zu einem äußerst begehrten Produkt entwickelte.

Anfangs wurden frühe Praktizierende der chinesischen Medizin auf den Ginseng möglicherweise nur deshalb aufmerksam, weil seine Wurzeln einem kleinen Menschen ähneln. Das ungewöhnliche Aussehen könnte sie dazu veranlasst haben zu denken, Ginseng könne dem gesamten Körper nützen; schließlich vermutete man auch, dass die Walnuss gut für das Gedächtnis sei, da sie im Aussehen dem menschlichen Gehirn ähnelt. So verrückt es auch in der heutigen Zeit klingen mag, war diese Herangehensweise früher eine gängige Praxis und hat sogar einen eigenen Namen: Signaturenlehre. Im Fall von Ginseng trifft diese Lehre, wie wir gesehen haben, vollkommen zu.

Binnen kurzer Zeit hatte die Ginseng-Wurzel in China einen Ruf als Quelle der Jugend erlangt. Deshalb wollten die chinesischen Herrscher sämtliche Regionen kontrollieren, in denen die Pflanze in der Wildnis wuchs. Schon bald war die Ginseng-Wurzel ebenso wertvoll wie Gold. Man führte ihretwegen Kriege, opferte Menschenleben und mancher machte ein Vermögen mit ihe, so dass in Asien auf Grund exzessiver Ernten mittlerweile in der Wildnis gewachsene Ginseng-Wurzeln äußerst selten und extrem teuer sind.

Amerikanischer Ginseng zählt mittlerweile zu den wichtigsten Produkten, die aus den USA nach China exportiert werden. Ein Teil der Wurzeln wird entweder auf traditionelle Weise kultiviert oder indem man natürliche Wachstumsumgebungen simuliert. Es reisen jedoch auch immer wieder Leute in die Appalachen und die Smoky Mountains, wo sie mit dem Sammeln wildgewachsener Ginseng-Pflanzen Geld verdienen wollen. Ginseng-Jäger durchforsten die Berghänge und betreten dabei oftmals auch privates Land, um die kleinen grünen Pflanzen mit den roten Beeren und Wurzeln zu suchen, die man für gutes Geld verkaufen kann.

Manche Ginseng-Sammler säen Samen für neue Pflanzen, während sie die reifen Wurzeln einsammeln; andere wiederum graben einfach alles aus, was sie finden können, ohne auch nur einen Gedanken an zukünftige Ginseng-Generationen zu verschwenden. Aus diesem Grund wurden strenge Gesetze erlassen, die festlegen, wer wann und wo Ginseng sammeln darf.