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Wie Capsaicin Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom Lindern Könnte
5 min

Wie Capsaicin Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom Lindern Könnte

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Capsaicin ist ein wirksames topisches Mittel für viele schmerzhafte Krankheiten. Doch könnte es auch zur Behandlung des Cannabinoid-Hyperemesis-Syndroms verwendet werden? Dieser seltene Zustand ruft Übelkeit und wiederholtes Erbrechen hervor und wird durch chronischen Cannabiskonsum verursacht. Erfahre alles darüber und ob Capsaicin helfen könnte.

Cannabis ist für seine Fähigkeit bekannt, Gefühle von Übelkeit und Brechreiz zu beeinflussen, weshalb seine Derivate Patienten verschrieben werden, die Behandlungen wie etwa Chemotherapie durchlaufen. Weniger bekannt ist das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom (CHS), ein seltener Zustand, der durch Cannabis hervorgerufen wird. Abhängig davon, wie weit dieser Zustand fortschreitet, kann er von einem Einfluss auf die Lebensqualität bis zur völligen Beeinträchtigung der Gesundheit reichen.

Heute werfen wir einen Blick darauf, wie wirksam topische Capsaicin-Cremes bei der Linderung der Symptome von CHS sein könnten.

Was ist das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom?

Was Ist Das Cannabis-hyperemesis-Syndrom?

Cannabis-Hyperemesis-Syndrom oder Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom ist eine ziemlich unbekannter Zustand, der durch chronischen Cannabiskonsum hervorgerufen wird. CHS wirkt sich auf das Verdauungssystem aus, wobei es anhaltende Übelkeit verursachen und unbehandelt zu anhaltenden Erbrechensanfällen führen kann.

Es überrascht nicht, dass regelmäßige Übelkeit und Erbrechen die Lebensqualität eines Menschen ziemlich stark beeinträchtigen. Zum Glück lässt dieser Zustand nach, sobald der Cannabiskonsum eingestellt wird. Leider scheint es so zu sein, dass, sobald jemand einmal ein CHS entwickelt hat, es wahrscheinlich wieder auftritt, wenn der Cannabiskonsum fortgesetzt wird.

In diesem Artikel gehen wir jedoch auf die Frage ein, ob Capsaicin, die Substanz, die Chilis ihre Schärfe verleiht, helfen könnte. Mehr dazu in Kürze.

Symptome des CHS

Die Symptome des CHS können in zwei Phasen aufgeteilt werden.

Die erste Phase wird als Prodromalphase bezeichnet und ist durch Übelkeit gekennzeichnet, beinhaltet jedoch keinerlei Erbrechen. Die Symptome der Prodromalphase umfassen:

  • Morgendliche Übelkeit
  • Bauchschmerz
  • Angst vor Erbrechen
  • Es ist unwahrscheinlich, dass die regelmäßige Nahrungsaufnahme unterbrochen wird
  • Kann Wochen, Monate oder Jahre andauern

Die zweite Phase wird als hyperemetische Phase bezeichnet und ist durch regelmäßiges Erbrechen gekennzeichnet. Die Symptome der hyperemetischen Phase sind:

  • Anhaltende Übelkeit
  • Wiederholtes Erbrechen
  • Bauchschmerz
  • Reduzierte Nahrungsaufnahme
  • Gewichtsabnahme
  • Dehydrierung

Wenn an CHS leidende Menschen ihren Cannabiskonsum einstellen, gibt es auch eine Erholungsphase. Während dieser Phase, die sich über Wochen oder Monate zieht, kommt es zu einem Rückgang der Symptome und schließlich zur vollständigen Remission.

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Was löst CHS aus?

Was Löst CHS Aus?

Wodurch genau CHS hervorgerufen wird, ist unklar, doch allgemein wird vermutet, dass es von einer Kombination aus genetischen Faktoren und einer Überstimulation des Endocannabinoid-Systems (ECS) hervorgerufen wird.

Das ECS durchzieht den gesamten Körper; es ist ein Netzwerk aus Kanälen und Rezeptoren, die sich im Gehirn, Nervensystem und in Immunzellen finden – und im Magen-Darm-Trakt.

Die Cannabinoide in Cannabis können an bestimmte Kanäle und Rezeptoren des ECS binden oder diese blockieren, wobei die vollständigen Auswirkungen noch unbekannt sind. Es scheint jedoch, dass einer der Effekte in bestimmten, seltenen Fällen CHS sein kann.

Obwohl unbewiesen, gibt es zwei Teile des ECS, die im Zusammenhang mit CHS identifiziert wurden. Eine Zeitlang nahm man an, dass die Interaktion von Cannabis mit den CB1-Rezeptoren für die Entstehung von CHS verantwortlich sei. Neuere Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass eine reduzierte Signalisierung des TRPV1-Rezeptors verantwortlich sein könnte, da dieser Rezeptor im Magen-Darm-Trakt zu finden ist (Moon, Buckley und Mark, 2018). Es ist erwähnenswert, dass der TRPV1-Rezeptor auch als Capsaicin-Rezeptor bezeichnet wird. Wir werden später noch darauf zurückkommen.

Wie verbreitet ist das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom?

CHS ist ziemlich selten, doch da es sich dabei um eine neu entdeckte Erkrankung handelt, ist es wahrscheinlich, dass viele Fälle falsch diagnostiziert werden, was bedeutet, dass das wirkliche Auftreten von CHS wahrscheinlich höher ist als dokumentiert.

Es gibt einige Faktoren, die ein Auftreten von CHS wahrscheinlicher machen. Zuallererst ist chronischer Cannabiskonsum der Hauptrisikofaktor. Gelegentliches Rauchen wird kein CHS hervorrufen, nur chronischer Konsum. Mehr als einmal wöchentlich wird als Risikofaktor erachtet, aber in den meisten Fällen sind nur exzessive Nutzer einem signifikanten Risiko ausgesetzt.

Der zweite Risikofaktor ist das Alter, in dem eine Person mit dem Cannabiskonsum beginnt. Diejenigen, die in der Jugend damit anfangen, sind einem höheren Risiko ausgesetzt als jene, die im Erwachsenenalter damit beginnen. Der Grund dafür ist unklar, doch es könnte sein, dass Cannabiskonsum in der Jugend die natürliche Entwicklung unterbrechen kann.

Aktuelle Behandlungsformen für das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom

Aktuelle Behandlungsformen Für Das Cannabis-Hyperemesis-syndrom

Gegenwärtig gibt es nicht viele Behandlungsformen für CHS. Die einzige bekannte Möglichkeit, diesen Zustand tatsächlich zu heilen, liegt darin, den Cannabiskonsum einzustellen. Andernfalls bleibt die Krankheit bestehen und Behandlungen werden nur begrenzt nützlich sein.

Es gibt jedoch einige Behandlungsmethoden, die helfen können, die Symptome zu lindern, während man versucht, seinen Cannabiskonsum einzustellen und die Erholungsphase zu durchlaufen.

Diese sind:

  • Antihistaminika
  • Antipsychotische Medikamente
  • Topische Capsaicin-Creme (mehr dazu in Kürze)
  • Schmerztabletten
  • Heiße Bäder oder Duschen

Kann Capsaicin beim Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom helfen?

Kann Capsaicin Beim Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom Helfen?

Capsaicin-Creme mag zwar wie eine unwahrscheinliche Behandlungsform klingen, doch im Zusammenhang mit den Symptomen von CHS zeigt sie einige Nutzen.

Was ist Capsaicin?

Capsaicin ist die Verbindung in Chilibeeren, die ihnen ihre Schärfe verleiht. Obwohl es in erster Linie für seine scharfen Eigenschaften und seine wichtige Rolle als kulinarische Zutat in der ganzen Welt bekannt ist, hat Capsaicin mehr als nur Schärfe zu bieten.

Tatsächlich ist Capsaicin auch ein TRPV1-Agonist, ein Rezeptor, der Teil des "erweiterten" Endocannabinoid-Systems ist. Allgemeiner ist Capsaicin als wirksames Mittel zur Schmerzbehandlung bekannt, das als topische Salbe verschrieben wird.

Capsaicin vs. Capsicum

Capsicum ist der Oberbegriff für Chilis. Capsaicin ist die Chemikalie, die sie enthalten und ihnen ihre Schärfe verleiht.

Es ist unwahrscheinlich, dass man durch das bloße Einreiben mit scharfen Chilis die gewünschten Ergebnisse erzielt, die man sich erhofft. Aber es lohnt sich, mit einem Arzt zu sprechen und eine verschreibungspflichtige topische Capsaicin-Creme zu verwenden.

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Forschung zu Capsaicin bei CHS

Es gibt eine ganze Reihe an Untersuchungen zu dem Thema der Wirksamkeit von Capsaicin als Behandlungsform von CHS. Doch bevor wir uns näher damit befassen, sollten wir anmerken, dass Capsaicin Deine Erkrankung nicht heilen wird! Falls Du an CHS leidest, muss das langfristige Ziel darin bestehen, den Cannabiskonsum einzustellen, da die Krankheit sonst nicht verschwinden wird. Alles, was Capsaicin dabei tun kann, ist, die Symptome zu begrenzen, während Du Dich an diesem Prozess versuchst.

Abgesehen davon konzentriert sich die erste Untersuchung auf das, was wir bereits erwähnt haben – den TRPV1-Rezeptor. Sie setzt voraus, dass CHS teilweise durch eine Reduktion der TRPV1-Signalübertragung hervorgerufen wird, so dass eine Erhöhung der Aktivität dieses Rezeptors dazu beitragen könnte, einige der Symptome zu lindern (Moon, Buckley und Mark, 2018).

Bevor wir uns jedoch zu sehr freuen, sollte erwähnt werden, dass die obige Studie eine Fallstudie ist, was bedeutet, dass sie sich auf ein einzelnes Individuum konzentriert. Obwohl die Ergebnisse interessant sind und weitere Untersuchungen rechtfertigen, ist es daher aktuell nicht möglich, Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Eine weitere Fallstudie kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Bei einer 41 Jahre alten Frau trat innerhalb von 24 Stunden nach der Verabreichung einer topischen Behandlung mit Capsaicin eine dramatische Linderung ein, ohne dass die Symptome zurückkehrten (Aziz, 2020). Aber auch hier gilt, dass es schwierig ist, klare Schlussfolgerungen aus Fallstudien zu ziehen. Es ist unmöglich, Capsaicin anhand eines einzigen Falles als Ursache einer Remission zu identifizieren. Diese Patientin befand sich zu der Zeit im Krankenhaus und bekam auch andere Medikamente verschrieben, so dass eine Isolierung der Variablen nicht möglich ist.

Eine dritte Studie, die ebenfalls in einem Krankenhaus durchgeführt wurde, zeigt, dass zwei behandlungsresistente Jugendliche mit CHS gut auf eine Behandlung mit topisch appliziertem Capsaicin reagierten (Graham, Barberio and Wang, 2017). Diese Studie hebt auch den potentiellen Mechanismus des TRPV1-Rezeptors hervor und schlägt erneut vor, dass er zumindest zum Teil für die Entstehung von CHS verantwortlich sein könnte.

Schließlich kommt eine Überprüfung von 11 Studien zu dem Schluss, dass die Effektivität von Capsaicin trotz der geringen methodischen Sorgfalt der vorhandenen Studien höher als die vergleichbarer Behandlungsformen zu sein scheint, und dass es sich wahrscheinlich um eine wirksame Erstlinienbehandlung für CHS handelt (McConachie, 2019).

Diese Überprüfung weist darauf hin, dass Capsaicin wahrscheinlich sicher und bis zu einem gewissen Grad effektiv ist. Insgesamt hebt sie in den Studien 18 Fälle hervor, in denen Capsaicin als effektive Behandlungsform für CHS angeführt wird. Ferner merkt sie an, dass noch viele gründlichere Studien nötig sind, bevor wir feststellen können, wie wirksam Capsaicin in der Behandlung von CHS tatsächlich ist.

Wie Capsaicin-Creme wirkt

Wie Capsaicin-Creme Wirkt

Capsaicin-Creme ist transdermal, was bedeutet, dass der Wirkstoff über die Haut in den Blutkreislauf gelangt.

Du kannst Capsaicin-Creme auf jede unverletzte Hautstelle auftragen, die keine Schleimhaut enthält. Halte sie also von Augen, Nase, Mund und Genitalien fern – dies würde schmerzhaft! Bei regelmäßiger Anwendung auf einer einzelnen Hautstelle wird das Kribbeln nachlassen, da sich die Haut an die reizende Wirkung gewöhnt. Das heißt jedoch nicht, dass ihre schmerzlindernden Eigenschaften weniger effektiv sind.

CHS: Gibt es eine andere Erklärung?

Es könnte viele Ursachen für Erbrechen geben, doch bei CHS handelt es sich um wiederkehrendes Erbrechen, das durch regelmäßigen Cannabiskonsum hervorgerufen wird. Obwohl die genauen Mechanismen des Zustands unbekannt sind, scheint es möglich, dass der TRPV1-Rezeptor ein entscheidendes Bindeglied darin bildet. Es sind jedoch viele weitere Untersuchungen nötig, um CHS besser zu verstehen, da die Krankheit erst vor kurzem identifiziert wurde.

Falls Du weißt oder vermutest, dass Du an CHS leidest, dann ist das Einstellen Deines Cannabiskonsums die beste (und einzige) Option, die Dir offensteht, um diese Erkrankung loszuwerden. Die obigen Behandlungsformen werden Dir dabei helfen, die Symptome zu reduzieren, während Du versuchst mit dem Rauchen aufzuhören, doch die einzige wirkliche Lösung ist letztlich Abstinenz.

Max Sargent
Max Sargent
Max schreibt seit über einem Jahrzehnt und ist in den letzten paar Jahren in den Cannabis- und Psychedelika-Journalismus eingestiegen. Durch seine Arbeit für Unternehmen wie Zamnesia, Royal Queen Seeds, Cannaconnection, Gorilla Seeds, MushMagic und viele mehr hat er in der Branche umfassende Erfahrung gesammelt.
Haftungsausschluss:
Wir erheben keine medizinischen Ansprüche. Dieser Artikel wurde nur zu Informationszwecken verfasst und basiert auf Studien, die von anderen externen Quellen veröffentlicht wurden.

Externe Quellen:
  1. Ansar Aziz, Tayyab Waheed, Olubunmi Oladunjoye, Adeolu Oladunjoye, Midhat Hanif, Fareena Latif, "Topical Capsaicin for Treating Cannabinoid Hyperemesis Syndrome", Case Reports in Gastrointestinal Medicine, vol. 2020, Article ID 8868385, 4 pages, 2020. - https://doi.org
  2. Graham, J., Barberio, M., & Wang, G. (2017). Capsaicin Cream for Treatment of Cannabinoid Hyperemesis Syndrome in Adolescents: A Case Series. Pediatrics, 140(6). - https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  3. McConachie, S. M., Caputo, R. A., Wilhelm, S. M., & Kale-Pradhan, P. B. (2019). Efficacy of Capsaicin for the Treatment of Cannabinoid Hyperemesis Syndrome: A Systematic Review. The Annals of pharmacotherapy, 53(11), 1145–1152. - https://doi.org
  4. Moon, A. M., Buckley, S. A., & Mark, N. M. (2018). Successful Treatment of Cannabinoid Hyperemesis Syndrome with Topical Capsaicin. ACG case reports journal, 5, e3. - https://doi.org
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