Suchtverhalten mit Psychedelika aufbrechen

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Suchtverhalten mit Psychedelika aufbrechen

Eine Sucht aufzugeben ist hart und umso mehr, wenn es sich um eine hartnäckige Sucht mit nur wenigen Behandlungsmöglichkeiten handelt. Wie sich herausstellt, könnten Psychedelika der Schlüssel sein, den wir gesucht haben.

Laut verschiedenen Studien haben Psychedelika enormes Potenzial bei der Behandlung schwerer Suchterkrankungen, einschließlich der Alkohol- und Nikotinabhängigkeit. Es ist eine tiefgreifende Erkenntnis und von großer Bedeutung, wenn man bedenkt, daß eine harmlose Substanz wie Psilocybin genutzt werden könnte, um den Drogenentzug zu erleichtern und potenziell Leben zu retten.

Alkoholismus mit LSD bekämpfen

Bei rückblickender Analyse der Forschung an LSD, die vor seinem absoluten Verbot durchgeführt wurde, wurde festgestellt, daß es starke Hinweise darauf gibt, daß es verwendet werden könnte, um Alkoholikern zu helfen, sich leichter von ihrer Sucht zu erholen.

Forscher an der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Trondheim haben Daten ausgewertet, die erstmals in den späten 60er und 70er Jahren bei klinischen Studien gesammelt wurden, die die Auswirkungen von LSD auf Patienten untersuchten, die an verschiedenen Formen einer Sucht litten.

Es wurde herausgefunden, daß es bei Patienten, die LSD nahmen, signifikante positive Wirkungen gab, die mehrere Monate anhielten. Die Studie beschreibt, daß einigen Patienten, die Teil eines Alkoholtherapieprogramms waren, eine Einzeldosis zwischen 210 und 800 Milligramm LSD gegeben wurde. Bei 59% der Gruppe, die LSD nahm, zeigte sich eine verringerte Menge von Alkoholmißbrauch. Die Gruppe, der kein LSD gegeben wurde, zeigte nur eine 38%ige Verringerung. Außerdem gab es bei denen, die LSD nahmen, eine höhere Zahl vollständiger Abstinenz als bei denen, die es nicht nahmen.

Die Wirkung schien nach etwa 6 Monaten nachzulassen. Die Autoren des Berichts weisen darauf hin, daß regelmäßige Dosen helfen könnten, den Nutzen beizubehalten und daß eine Einzeldosis ein bedeutender Schritt dabei war, zu helfen, um die Sucht zu bekämpfen. "Angesichts der Hinweise auf eine positive Wirkung von LSD bei Alkoholismus, ist es rätselhaft, warum dieser Behandlungsansatz weitgehend übersehen wurde," merkten sie an.

Diese Ansicht war nicht nur auf Wissenschaftler beschränkt. Bill Wilson, Mitbegründer der Anonymen Alkoholiker, glaubte ebenfalls, daß LSD ein zentrales Werkzeug sein könnte, um die Alkoholsucht zu bekämpfen.

Es war etwa 20 Jahre nach der Nüchternheitsbewegung im Jahre 1935, als Wilson dazu kam, an LSD und seine Fähigkeit zur Schaffung eines geistigen und tiefen Verständnisses des Selbst beim Patienten zu glauben. Anfangs war Wilson zögerlich, wie so viele in seiner Zeit. Die Idee, eine Droge zu nutzen, um die Sucht nach einer anderen zu überwinden, mag seltsam erscheinen, doch nachdem er selbst im Jahr 1956 im Veterans Administration Hospital LSD genommen hatte, begann er an die Erkenntnisse die LSD bietet zu glauben und daß es ein nützliches Instrument im Kampf gegen den Alkoholismus sei. Er warnte: "Ich glaube nicht, daß LSD irgendeine wundersame Eigenschaft hat, die geistig und emotional kranke Menschen über Nacht in gesunde verwandelt. Es kann jedoch ein leuchtendes Ziel auf der positiven Seite errichten, schließlich ist es nur ein vorübergehender Egominderer."

Dies würde es jenen, die nicht genug Vertrauen in sich selbst haben oder ihre eigene Lage zu zynisch sehen, ermöglichen, diese Gedanken und Emotionen für eine Weile beiseite zu schieben und wirklich ohne Ablenkung über ihre Situation nachzudenken. Die Tatsache, daß es der Mitbegründer der Anonymen Alkoholiker war, der sich hinter LSD stellt, zeigt nur noch mehr, welches Potenzial seine Verwendung hat.

Professor David Nutt, der ehemalige Drogenberater der britischen Regierung, verlangte nach einer Lockerung der Drogengesetze, um weitere Forschung in diesem Bereich zu ermöglichen. Er kommentierte die bisherige Forschung, wobei er sagte, daß die Heilung von der Alkoholsucht von den Patienten erfordert, daß sie die Art ändern, wie sie sich selbst sehen und daß das ist, was LSD tut. Er fuhr fort zu sagen, daß LSD eine sehr wichtige Möglichkeit zu sein scheint; daß wir nichts vergleichbares hätten, was seine Wirksamkeit bei der Behandlung von Alkoholismus angeht und daß wir "einen Trick verpaßt haben," weil wir es beiseite geschoben hatten.

Dies wird von vielen Psychiatern unterstützt. Humphry Osmond, der renommierte britische Psychiater, der den Begriff "psychedelisch" geprägt hat, sagte Bill Wilson in den 70er Jahren, daß LSD "eine gute Sache war" und daß es großes Potenzial hat.

Wilson profitierte weiterhin vom LSD, wobei er beschrieb, daß es Barrieren niederriss, die durch sein Ego errichtet worden waren und wie es seine Reaktion auf bestimmte Situationen verbesserte, indem es ihn ausgeglichener machte.

Leider haben die Anonymen Alkoholiker Wilson's Ansichten nicht geteilt. Möglicherweise aufgrund der etwas konservativen Natur der Behörden, wollten viele innerhalb der Organisation ihre Zeit nicht auf eine bewußtseinsverändernde Droge mit noch jungen Forschungsergebnissen verwenden. Wilson verließ die Organisation schließlich, um seine eigenen Experimente durchzuführen. Die Dinge könnten heute ganz anders stehen, hätte das Verbot nicht mit der Faust auf's LSD geschlagen und es erlaubt worden wäre, es weiter zu erforschen.

Helfen bei der Nikotinsucht

Alkoholabhängigkeit scheint nicht das einzige zu sein, wobei Psychedelika helfen - jüngste Studien untersuchen nun die Auswirkungen von Psychedelika auf die Nikotinsucht.

Die Beckley Stiftung baut auf der Forschung auf, die in den 60er Jahren durchgeführt wurde, wobei der Einfluß von Halluzinogenen auf Suchtverhalten untersucht wurde. Bauend auf die vorangegangene Forschung als Basis, glauben sie, daß Halluzinogene wie Psilocybin, das in Zauberpilzen enthalten ist und LSD verwendet werden können, um den Kreislauf der Sucht nach Nikotin und anderen Drogen zu durchbrechen und eine Hilfe für die Psychotherapie darstellen.

Alle Teilnehmer in ihrer Studie waren Raucher, die zuvor versucht hatten, ihre Sucht aufzugeben, jedoch scheitert waren. Die Teilnehmer nahmen an drei Sitzungen teil, bei denen sie eine speziell vorbereitete Dosis Psilocybin bekamen und dazu kognitive Verhaltenstherapie und ständige zwischenmenschliche Unterstützung erhielten.

Vier Langzeitraucher wurden betreut und alle haben es geschafft, aufzuhören und für über ein Jahr auf Zigaretten zu verzichten. Wie sie selbst berichteten, hatten 3 der Teilnehmer nach ihrer ersten Sitzung mit Psilocybin keinen einzigen Zug vom Tabak mehr genommen.

Die Gruppe plant nun eine etwas größere Wiederholung der Studie mit 15 Teilnehmern, gefolgt von einer groß angelegten klinischen Studie, sollten die Ergebnisse dieser sich als positiv herausstellen. Es sind ermutigende Nachrichten und zeigen, daß Halluzinogene viel effektiver als alles andere sind, was uns derzeit zur Verfügung steht, um schweres Suchtverhalten zu bekämpfen.

Es ist erwähnenswert, daß bei der Verwendung von LSD oder Psilocybin, um eine Sucht zu besiegen, nicht etwa eine Sucht durch eine andere ersetzt wird - sowohl LSD, als auch Psilocybin machen nicht süchtig.

Alle Ergebnisse weisen auf ein wirksames und sicheres Werkzeug hin, das wegen eines Drogenkrieges beiseite geschoben wurde. Glücklicherweise zeigen die Wissenschaftler ein erneutes Interesse an einigen dieser verbotenen Substanzen, weil sie sehen wollen, was die wirklichen Auswirkungen ihrer Einnahme sind. Die Regierungen sind noch immer nicht bereit, zuzuhören und feuern in einigen Fällen, wie in dem von David Nutt, Wissenschaftler und Berater, die nicht sagen, was sie hören wollen. Während die wissenschaftliche Dynamik wieder Fahrt aufnimmt, werden wir hoffentlich mehr über die wahre Natur der Halluzinogene und ihre praktischen Verwendungen für den Menschen hören.