Entkriminalisierung: Portugal 14 Jahre später

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Entkriminalisierung: Portugal 14 Jahre später

Im Jahr 2001 hat Portugal etwas getan, das die Welt erschütterte und viele politische Führer ungläubig den Kopf schütteltn ließ. Portugal entkriminalisierte Drogen - und zwar alle.

Portugals Schritt alle Drogen zu entkriminalisieren war zweifellos mutig. Dieser Schritt machte es zu dem ersten Land der Welt, das dies wagte und es führte das Land in unbekannte Gewässer. Aber zu der Zeit im Jahr 2001 hatten viele das Gefühl, daß es wohl kaum Alternativen gibt. Im Jahr 1974 erlebte Portugal einen unblutigen Militärputsch, der fast 50 Jahren Diktatur ein Ende machte und den Weg für die Demokratie ebnete. Doch dieser Wandel setzte ein einst geschütztes und isoliertes Land den vielen Drogen der Welt aus. Der Wunsch der Bevölkerung harte Drogen zu konsumieren saß so tief, daß das Land dies für eine Krise hielt.

In einem Versuch die Begeisterung für den Drogenkonsum einzudämmen, nahm Portugal in Sachen Drogenmissbrauch eine Hardlinerposition wie die USA ein und diffamierte und sperrte Drogenkonsumenten ein. Diese konservative Haltung zeigte jedoch wenig Wirkung, um den steigenden Drogenmissbrauch zu stoppen und resultierte darin, daß Portugal bis zum Jahr 1999 die höchste Zahl an drogenbedingten AIDS-Todesfällen in der gesamten EU zu verzeichnen hatte. Zudem wurde geschätzt, daß zu diesem Zeitpunkt etwa 1% der gesamten Nation heroinabhängig war - eine erschreckende Zahl.

Im Jahr 2001 entschied die Regierung von Portugal, daß das Maß voll ist. Der Krieg gegen die Drogen hat nicht funktioniert und ihre Nation litt darunter. Sie beschlossen radikale Maßnahmen zu ergreifen und die Ergebnisse waren revolutionär. Nicht nur, daß die Entkriminalisierung bewirkte, daß der Drogenkonsums zurückging, er sank soweit, daß Portugal heute eines der Länder mit den niedrigsten Drogenmissbrauchszahlen in der Welt ist!

14 Jahre später: Die Statistiken

Die positive Veränderung des Drogenproblems in Portugal ist beispiellos. Um Dir eine bessere Vorstellung davon zu geben wie gut es dem Land jetzt geht, hier eine praktische Aufstellung:

(Quelle der Grafiken und Statistiken: Transform Drug Policy Foundation)

Lebenszeitprävalenz

Die erste Grafik die wir uns ansehen ist die Lebenszeitprävalenz. Sie zeigt auf wie viele Menschen mindestens einmal in ihrem Leben, einmal innerhalb des letzten Jahres und einmal innerhalb des letzten Monats Drogen konsumiert haben - für jedes Jahr. Der generelle Trend zeigt eine Verringerung des Konsums, was ein Schlag ins Gesicht derer ist, die dachten, daß die Entkriminalisierung den Konsum steigen lassen würde. Das Diagramm zeigt zwar einen leichten Anstieg im Jahr 2007, doch dieser Trend zeigte sich auf der ganzen Welt. Es ist auch erwähnenswert, daß die Prävalenz des vergangenen Jahres und Monats als die genauesten aktuellen Indikatoren des Drogenmissbrauchs innerhalb eines Landes gelten.

Lebenszeitprävalenz bei Heranwachsenden

Seit der Entkriminalisierung aller Drogen im Jahr 2001 ist der Konsum illegaler Substanzen bei den 15-24-Jährigen dramatisch gesunken. Für viele die besorgt über den Missbrauch von Drogen sind, ist es diese Altersgruppe, die ihnen am meisten Sorgen macht, da sie als die mit dem höchsten Risiko angesehen wird. Dies sollte viele beruhigen, zeigt es doch, daß die Entkriminalisierung bedeutet, daß Drogen für Jugendliche nicht leichter zugänglich werden und der Konsum entgegen allen Befürchtungen tatsächlich sinkt. Die Grafik ist dem vorherigen Diagramm ziemlich ähnlich, welches zeigt, daß der Drogenmissbrauch seit der Entkriminalisierung im Großen und Ganzen erheblich gefallen ist.

Fortgesetzer Drogenkonsum

Dieser Trend des geringeren Konsums spiegelt sich auch in der Bevölkerung des ganzen Landes wieder, wobei der Anteil des fortgesetzten Konsums von 45% bis auf 28% sank. Das ist ein riesiger Rückgang, der Geld spart und Leben rettet.

Drogentote

Obwohl die Prävalenz des Drogenkonsums in der Statistik sofort ins Auge fällt, ist es auch eine gute Idee sich die Zahlen der Drogentoten anzusehen. Die zeigt wozu der reduzierte Konsum führt und auch, daß die Umstellung auf ein System mit Schwerpunkt auf der Gesundheit statt Strafverfolgung Leben rettet. Man kann sofort sehen wie groß die Zahl der geretteten Leben ist, dank der Umsetzung der Entkriminalisierungspolitik. Die Zahl der Drogentoten blieb niedrig, schwankte zwar, wurde jedoch niemals wieder annähernd so schlimm, wie sie einmal war.

Diagnose von HIV und AIDS unter Drogenkonsumenten

Zu guter Letzt, es sieht so aus, daß die Anzahl neuer Fälle von HIV und AIDS mit der Entkriminalisierung der Drogen gefallen ist. Es bedeutet, daß weniger Nadeln gemeinsam genutzt werden und ganz allgemein weniger Menschen Sachen wie Heroin und andere harte Drogen nehmen - das System mit dem Schwerpunkt auf der Gesundheit funktioniert. Es ist eine gute Nachricht und zeigt einen tollen Erfolg auf.

Blick in die Zukunft

Es besteht kein Zweifel, daß die Entkriminalisierung dazu beigetragen hat den Drogenmissbrauch in diesem Land unter Kontrolle zu bringen. Indem Konsumenten nicht ins Gefängnis gesteckt werden und sichergestellt ist, daß sie Zugang zu Hilfe haben, ist gewährleistet, daß die Menschen in Portugal besser informiert werden und mehr Akzeptanz für die Tücken und Freuden der Drogen zeigen. Die Entkriminalisierung hat keineswegs alles ins Lot gebracht, aber sie war definitiv von Nutzen.

Natürlich ist es nicht einfach nur eine Politik der Entkriminalisierung, die schweren Drogenkonsum, Tod und Krankheit reduziert. Sie muss Hand in Hand mit anderen Faktoren gehen. Zum Beispiel, gleichzeitig mit der Entkriminalisierung aller Drogen implementierte Portugal ein robustes Gesundheitssystem, erweiterte sein Sozialsystem und garantierte Personen ein Mindesteinkommen. Es sind diese Faktoren - die gewährleisten, daß den Personen, die der Gesellschaft sonst verloren gehen würden, geholfen wird anstatt daß sie bestraft werden - die ermöglichen, daß die Entkriminalisierung ein Land zum Besseren verändern kann. So oder so hat Portugal der Welt gezeigt, daß die Entkriminalisierung nicht nur funktioniert, sondern auch besser ist als jedes andere gerade angewendete System. Die Entkriminalisierung schlägt sich seit 14 Jahren wacker und es sieht nicht so aus als wäre sie zu stoppen!

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