Ein Neuer Alkohol Ohne Kater?

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Ein Neuer Alkohol Ohne Kater?

Dank einer neuen alkoholischen Alternative, die sich in der Entwicklung befindet, muß der Kater weichen. In der Zwischenzeit müssen wir uns jedoch mit der normalen Suppe zufrieden geben - einem echten Knaller für das Gehirn und die Leber! ...

Aber könnte Marihuana unsere Organe schützen?

Stell Dir vor, Du könntest ein fröhliches Zechen genießen (mit allem üblichen Drumherum), ohne das Risiko am nächsten Tag einen Kater zu haben oder daß Du ein Gegenmittel nehmen könntest, mit dem Du sicher nach Hause fahren kannst. Klingt zu schön um wahr zu sein? Nun, wenn dies die 80er wären, würde ich dem zustimmen, aber dank der Wunder der modernen Neurowissenschaften sind diese Bestrebungen heute durchaus in Griffweite.

Laut einer Statistik, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht hat, ist Alkohol weltweit für rund 2,5 Millionen Todesfälle verantwortlich und ist damit die älteste und gefährlichste Droge seiner Art. Es ist kein Geheimnis, daß Alkohol auf alle Körpersysteme giftig wirkt, insbesondere auf die Leber, das Herz und Gehirn. Als beruhigendes und enthemmendes Mittel ist Alkohol in der Regel der gemeinsame Faktor hinter gewalttätigen Aktivitäten und auch die wahrscheinlichste Ursache einer Abhängigkeit.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß, wenn Alkohol erst heute entdeckt würde, er niemals das Licht der Welt erblicken würde; hauptsächlich wegen der Tatsache, daß er viel zu giftig ist, verschärft dadurch, daß wir in einer viel gesundheitsbewußteren Zeit leben.

David Nutt, der ehemalige Drogenberater der britischen Regierung, Psychiater und Professor der Neuropsychopharmakologie entwickelt ein revolutionäres Medikament, das die positiven Effekte der Trunkenheit bietet, jedoch ohne die Gesundheitsrisiken oder den gefürchteten Kater. Professor Nutt ist nicht nur innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, sondern auch der breiten Öffentlichkeit eine bekannte Person. Seine Ansichten über Drogen, die Drogenpolitik und den Strafvollzug stehen regelmäßig auf dem Prüfstand und werden kontrovers betrachtet. Es ist kein Märchen aus der Boulevardpresse, Professor Nutt und sein Team am Imperial College London sollen Vorreiter bei der Erforschung dieser neuen alkoholischen Wunderdroge sein. In einem Artikel (veröffentlicht im The Guardian) schrieb er "in der Theorie können wir einen Alkoholersatz herstellen, der die Menschen entspannt fühlen läßt und gesellig macht und die unerwünschten Effekte, wie Aggression und Sucht ausklammern."

"Ich habe fünf solcher Verbindungen identifiziert und jetzt muß ich sie testen, um herauszufinden, ob die Menschen die Wirkungen so angenehm finden, wie die von Alkohol. Die Herausforderung ist es, das neue Getränk in einer Weise zuzubereiten, die es lecker und ansprechend macht. Dies dürfte wahrscheinlich in Form eines Cocktails sein, daher sehe ich viele mögliche verschiedene Geschmacksrichtungen. Der andere große Vorteil dieses wissenschaftlichen Ansatzes zur Intoxikation ist, daß, wenn wir auf Verbindungen abzielen, die das GABA System beeinflussen, es möglich ist, andere Medikamente herzustellen, die neben dem Alkoholersatz als Gegengift verkauft werden könnten."

"Ich habe beide neuen Formen ausprobiert. Nachdem ich eine der möglichen Verbindungen versucht hatte, war ich für eine Stunde oder so ziemlich entspannt und schläfrig berauscht, dann, innerhalb von Minuten nach der Einnahme des Gegenmittels, hielt ich einen Vortrag ohne eine Beeinträchtigung irgendwelcher Art."

Die einzige Hürde, vor der Professor Nutt und sein Team stehen, ist "die Finanzierung der Tests und der Markteinführung."

Mit einem lang erwarteten Katermittel in Sicht (das nicht aus Speck und Eiern besteht), könnten wir bald Zeugen einer neuen, gesünderen Form des alkoholischen Genusses werden? Vielleicht. Aber was ist mit dem Hier und Jetzt - oder besser gesagt unserem Gehirn und der Leber? Nun, Marihuana (glaub es oder nicht) könnte sich im Kampf gegen den durch Alkoholmissbrauch enstehenden Schaden an den Gehirnzellen als bedeutsam erweisen.

Eine Studie, die im Jahr 2009 stattfand (und in der Zeitschrift Neurotoxikologie und Teratologie veröffentlicht wurde), durchliefen 42 jugendliche Teilnehmer eine diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie (abgekürzt DW-MRI). Die Jugendlichen zwischen 16-19 Jahren wurden in drei Gruppen unterteilt: Die Kontrollgruppe (die weder trank, noch Marihuana rauchte), Komatrinker (die kein Marihuana rauchten) und Komatrinker, die auch starke Marihuanakonsumenten waren.

Nach dem Test entdeckten die Forscher einige bemerkenswerte Unterschiede in der Hirnstruktur zwischen der Komatrinkergruppe und der Gruppe der Komatrinker, die viel Marihuana konsumierten. Die Ergebnisse zeigten, daß die Jugendlichen, die Komatrinker und schwere Marihuanaraucher waren, im Vergleich zu der Gruppe, die einfach bis zum Koma trank, in bestimmten Regionen des Gehirns weniger Hirnschäden aufwiesen. Diese Erkenntnis deutet an, daß Marihuana das Gehirn tatsächlich vor bestimmten Arten von Hirnschäden schützen kann, die durch Alkohol verursacht werden.

Um schlüssig beweisen zu können, daß dies tatsächlich der Fall ist, wird weitere Forschung benötigt, um die neuroprotektiven Eigenschaften von Marihuana bei Alkoholmißbrauch zu untersuchen. Nüchtern betrachtet ist es klar, daß Rauschtrinken unabhängig vom Alter zutiefst negative Auswirkungen auf das Gehirn hat. Davon abgesehen sind es unsere Teenagerjahre, in denen das Risiko schwerer oder sogar tödlicher Schäden am höchsten ist - da sich das Gehirn noch in der Entwicklungsphase befindet. Es ist auch wichtig zu erwähnen, daß die Studie nicht vorschlägt, das Marihuana gut für das Gehirn von Teenagern ist, sondern nur, daß es einige der Schäden verringert, die durch Alkohol verursacht werden.

Wie oben bereits erwähnt, ist weitere Forschung notwendig, um zu einem viel nüchterneren Bild zu kommen, aber die ersten Anzeichen sind tatsächlich recht vielversprechend.

(WHO Link) http://www.who.int/substance_abuse/publications/global_alcohol_report/msbgsruprofiles.pdf

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