Im Freien einen Flecken für Zauberpilze einrichten

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Im Freien einen Flecken für Zauberpilze einrichten

Normalerweise werden Pilze drinnen angebaut, aber das muss nicht so sein. Mit etwas Myzel kannst Du in Deinem Garten recht einfach einen Vorrat des Sakraments aufziehen, der für ein Jahr reicht.

Du kannst Pilze entweder kaufen oder sie selber anbauen. Offensichtlich hat der Eigenanbau ein paar entscheidende Vorteile: Es ist nicht nur kostengünstiger, sondern Du baust auch eine viel tiefere Beziehung zu den Pilzen auf, die Dich auf eine Reise schicken. Außerdem hast Du danach einen reichlichen Vorrat zur Hand.

Der Nachteil bei der Pilzzucht von Grund auf ist, daß es Arbeit bedeutet. Wenn Du ein Zuchtset nimmst nicht so sehr, aber wenn man es von den Sporen ausgehend macht, lernt man eine Menge dabei. Das Hauptproblem hierbei ist die Kontamination und vieles von dem Aufwand betrifft die Gefahr eines Schimmelbefalls zu minimieren, daher braucht man unbedingt saubere Arbeitspraktiken und Geräte. Darum ist das Anlegen eines Fleckchens im Garten eine großartige Lösung: Du mußt Dich nicht um die potentielle Kontamination kümmern und bekommst tolle Erträge.

Du mußt den Flecken noch nicht einmal in Deinem Garten einrichten, es kann an jedem geeigneten Ort gemacht werden. Eine abgeschiedene Gegend im Wald funktioniert sehr gut und bringt den Vorteil mit sich, daß die wertvollen Sporen sich in diesem Gebiet frei verbreiten. Im Laufe der Zeit etabliert sich in diesen Waldstücken eine natürliche Population der Pilze.

Das Myzel verstehen - von den Myzelfäden zum Fruchtkörper

Bevor Du den Anbau in Angriff nimmst, ist es gut, ein paar Grundlagen zu verstehen. Der wichtigste Teil, den man begreifen muss, ist, daß der tatsächliche Pilz nur der Fruchtkörper des Organismus' und das "wirkliche Wesen" das Myzel ist. Das Myzel ist der vegetative Teil des Pilzes, es ist das weiße Gespinst, das das Substrat langsam durchzieht. Um einen Flecken anzulegen, um Pilze darauf wachsen zu lassen, mußt Du ein Umfeld schaffen, in dem Mycel wachsen und gedeihen kann.

Um im Freien einen Flecken für Pilze einzurichten, benötigst Du zunächst etwas Pilzbrut. Pilzbrut ist einfach ein beliebiges Substrat (wie Roggen oder Holzspäne), das das Myzel des Pilzes vollständig besiedelt hat. Sägemehl mit Pilzbrut ist eine gute Option für den Anbau im Freien - vor allem mit der Holzspänemethode, die wir im Folgenden erläutern.

Es gibt ein paar Möglichkeiten, wie Du zu Pilzbrut kommen kannst. Der einfachste Weg ist, ein vollständig besiedeltes Zuchtset zu kaufen - wie die Supa Gro Kit 100% - und diese zu nutzen, um weitere Säcke mit Sägemehl oder Holzspänen zu impfen. Alternativ dazu kannst Du mit einem Beutel mit sterilisiertem Roggen (hier erhältlich) anfangen, der leicht mit einer Sporenspritze geimpft werden kann. Es spielt keine Rolle welche Option Du wählst, denn das Ergebnis ist das gleiche. Sobald Du einen Beutel mit komplett besiedeltem Getreide hast, kann es zu einer größeren Menge Sägemehl hinzugefügt werden, um das Myzel weiter zu verbreiten.

Der Grund, warum Brut auf Getreide verwendet wird um den Prozess zu starten ist einfach; es gibt dem Pilz reichlich Nahrung zu fressen. Dies sorgt für schnelles und kräftiges Wachstum, obwohl es das Risiko der Kontamination mit sich bringt (alle Arten von Bakterien ernähren sich gerne von Getreide). Sobald Getreidebrut jedoch auf Sägemehl übertragen wurde, sinkt das Infektionsrisiko, da der Pilz das Getreide bereits vollständig besiedelt hat und es bei Sägemehl nicht so viele Wettbewerber gibt.

Der eigentliche Prozess der Inokulation des Sägemehls mit Getreidebrut ist einfach. Zunächst brauchst Du Sägemehl, das in den meisten Zoohandlungen gekauft werden können. Nimm einen Eimer und tauch das Sägemehl für 10 Minuten oder so in kochendes Wasser - das wird ausreichen, sie zu sterilisieren. Laß das Sägemehl abtropfen und fang dann an es mit Deinem kolonisierten Getreide in einen anderen Eimer zu schichten. Deck ihn mit einem Deckel ab und stell ihn in großen Plastikbeutel, um die Luftfeuchtigkeit aufrecht zu halten. Öffne den Beutel einmal täglich, damit frischer Sauerstoff hineingelangt. Nach ein paar Wochen bis zu einem Monat, sollte das Sägemehl vollständig besiedelt sein und ist dann fertig für Mutter Natur. Für jeden Quadratmeter des Pilzfleckens wirst Du etwa 1,2kg Sägemehl benötigen.

Wahl des Standortes

Das erste, was es zu prüfen gilt, bevor Du einen Flecken für Deine Zauberpilze anlegst, ist die Beleuchtung. Generell benötigen die meisten Pilze indirekte Sonneneinstrahlung. Das ist natürlich auch bei Zauberpilzen der Fall. Zauberpilze neigen dazu, heliotrop zu sein, was bedeutet, daß sie Sonnenanbeter sind. Daher solltest Du versuchen einen Platz auszuwählen, der den ganzen Tag über viel Licht bekommt, aber nicht über längere Zeit der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist.

Wenn der Platz nicht in Deinem Garten ist, dann möchtest Du idealerweise einen Platz haben, der nicht allzu weit entfernt ist, damit Du während der Zeit der Fruchtbildung täglich hingehen kannst. Wenn er zu abgelegen ist, riskierst Du eine mögliche Ernte zu verpassen (während der Erntezeit könnte es möglich sein, daß Du ihn täglich überprüfen mußt).

Die Plätze, wo Gras und Sträucher in Wald übergehen, sind tendenziell die besten, denn sie bieten einen einfachen Zugang und abwechslungsreiche Umweltfaktoren. Auch gut sind Plätze mit einem unterirdischen Wasserfluß, wie ein Hang oder eine Mulde, da dies wirklich dabei hilft, daß das Myzel gut gedeiht. Wenn Du keinen Platz wie diesen finden kannst, dann tut es auch ein feuchtes Stück Land mit einfachem, aber abgelegenen Zugang und gedämpftem Sonnenlicht.

Den Flecken für den Pilz anlegen

Sobald Du einen Standort hast, benötigst Du ein paar Dinge, um loszulegen:

- Karton
- Sterile Holzspäne (in kochendem Wasser sterilisiert, wie oben beschrieben)
- Voll kolonisierte Sägemehlbrut
- Stroh oder Heu (optional)

1. Zunächst einmal muß der Platz von Schmutz gereinigt werden. Dies beinhaltet das Entfernen von allem, bis ganz runter zur Mineralerde. Dies hilft, jeden potenziellen Wettbewerber des Mycels zu entfernen, das Du für Deine Zauberpilze ansiedeln willst.

2. Wenn alles entfernt ist, deck den Bereich mit Pappe ab.

3. Bedecke den Karton so gleichmäßig wie möglich etwa 5cm dick mit den sterilen Holzspänen.

4. Nun müssen die Holzspäne für ein paar Minuten befeuchtet werden. Wenn Du dies in Deinem Garten machst, kannst Du dies leicht mit einem Schlauch bewerkstelligen.

5. Nun ist es an der Zeit, die erste Schicht Sägemehlbrut auf die Holzspäne zu geben. Du mußt rund 400 Gramm pro Quadratmeter gleichmäßig darauf verteilen.

6. Gib nun eine weitere Schicht aus Holzspänen über die Brut. Diese Schicht muss etwa 7cm dick sein.

7. Befeuchte diese Schicht auch wieder und decke sie dann gleichmäßig mit einer weiteren Schicht Brut ab - 400 Gramm pro Quadratmeter.

8. Sobald diese Schicht ausgebreitet wurde, gib eine 3cm dicke Schicht Holzspäne darüber.

9. Befeuchte diese Schicht aus Holzspänen und bedecke sie mit einer weiteren Schicht aus Sägemehlbrut - 400 Gramm pro Quadratmeter.

10. Du solltest nun 3 Schichten Holzspäne und 3 Schichten Brut haben (insgesamt etwa 1,2kg pro Quadratmeter). Nun da das getan ist, durchfeuchte das Ganze noch einmal mit Wasser.

11. Nun deckst Du alles mit einer Lage Karton ab, damit die Feuchtigkeit drin bleibt.

12. Als optionale Maßnahme kannst Du den Flecken nun noch mit Stroh abdecken, was als zusätzlicher Schutz fungiert. Allerdings kann Stroh manchmal aggressive Pilzstämme enthalten, die am Ende über Deine Brut dominieren könnten. Daher sollte Stroh stets vorher sterilisiert und dünn aufgetragen werden. Auf diese Weise sollte Dein Myzel sich weit genug etablieren können, um jeder Konkurrenz zu widerstehen.

Das war es - Du solltest nun erfolgreich eine Myzelkolonie angelegt haben, die eine feine Ernte Zauberpilze produzieren wird. Nun da alles an Ort und Stelle ist, ist Geduld alles was Du noch benötigst - Laß den Flecken für mindestens 6 Monate ungestört. Dies wird dem Mycel genug Zeit geben, um sich richtig zu akklimatisieren und die Holzspäne zu besiedeln. Angesichts der Tatsache, daß die meisten Cubensis Sorten ihre Fruchtkörper in der Natur im Spätherbst bis frühen Winter produzieren, ist es am besten, einen neuen Flecken im März anzulegen. Um zu dieser Zeit genug vollständig besiedelte Brut fertig zu haben, ist es notwendig, die Sägemehlbrut im Voraus zu impfen. Also, um auf der sicheren Seite zu sein, fang mit diesem Projekt im Januar an und Du bist genau im Zeitplan.

In den meisten Klimazonen wird der Wechsel von Temperatur und Regen die Fruchtbildung einleiten. Sollte es allerdings ungewöhnlich trocken sein, kannst Du dem Beet helfen, indem Du es täglich befeuchtest (einmal morgens und einmal abends). Wenn Deine Pilze anfangen zu wachsen, behalte sie im Auge - täglich! Achte beim Pflücken auf invasive Arten, die das Beet befallen haben könnten - die willst Du mit Sicherheit nicht konsumieren!

Dank für diese Methode des Pilzanbaus geht an Paul Stamets. Noch viel mehr Informationen über die Pilzzucht findest Du in seinem neuesten Buch "Mycel Running."

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