Weshalb Englands generelles Verbot eine Katastrophe ist

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Weshalb Englands generelles Verbot eine Katastrophe ist

Mit einer konservativen Regierung an der Macht steckt Großbritannien derzeit in einer Krise, in der man im Begriff ist ein anmaßendes und unausgegorenes Betäubungsmittelgesetz einzuführen.

Wenn Du in Großbritannien lebst oder die Nachrichten in Europa verfolgst, wirst Du wahrscheinlich gehört haben, daß die neue konservative Regierung gerade einen Gesetzentwurf des generellen Verbots aller psychoaktiven Substanzen eingebracht hat - im Rahmen eines Versuchs zur Bekämpfung der sich ständig verändernden Natur der "Legal Highs". Es wird viel mehr Probleme verursachen, als es löst.

Hier sind fünf Gründe warum dieser Schritt so schrecklich katastrophal ist:

1. Er macht der medizinischen Forschung ein Ende

Laut Professor David Nutt, dem ehemaligen Chefdrogenberater der britischen Regierung, wird ein generelles Verbot der psychoaktiven Substanzen das Ende der Hirnforschung in Großbritannien bewirken. "Es wird verheerend sein. Das Verbot der Legal Highs hat sich äußerst destruktiv auf die Erforschung von Mitteln gegen Parkinson und Medikamente für die Rauchentwöhnung ausgewirkt."

Es ist ein Gefühl, das von vielen Wissenschaftlern geteilt wird, die in ihrem Fachgebiet und was sie tun dürfen, bereits spürbar einschränkt sind. Das generelle Verbot wird es Forschern fast unmöglich machen die Medikamente und Chemikalien zu erhalten, die sie benötigen, um ihre Arbeit zu betreiben. Nutt fuhr fort zu sagen, "Wenn ich an einer neuen Therapie für Parkinson arbeiten möchte, die auf Chemikalien basiert, die Benzo Fury (ein jetzt illegales Mittel) ähnlich sind, dann wird es mich ein Jahr kosten, um eine Lizenz dafür zu bekommen", sagte er. "Wie werden sie Wissenschaftler von dem Verbot befreien? Wenn ich ein Unternehmen anrufe, daß Chemikalien verkauft, wie soll man dort wissen, daß ich ein Wissenschaftler bin?"

Das Verbot wird auch die Produktion von neuen, sichereren Medikamenten stoppen. Beispielsweise ist eine sicherere Alternative zu Alkohol in Arbeit, aber nach dem neuen Gesetz wird es illegal sein, wenn dieses Mittel nicht ausdrücklich vom Verbot ausgenommen wird. Es kann jedoch nicht ausgenommen werden, bis die Forschung und Herstellung abgeschlossen ist, es kann aber nicht erforscht oder hergestellt werden, bis es ausgenommen wurde.

2. Er öffnet Behördenwillkür und Überkriminalisierung Tür und Tor

Ein generelles Verbot ist ein entsetzlicher Machtmissbrauch, bei dem die Definition der Rechtswidrigkeit viel Platz für Interpretation offen lässt. Der neue Gesetzentwurf definiert eine psychoaktive Substanz als etwas, daß "das zentrale Nervensystem einer Person stimuliert oder dämpft oder sich auf die psychische Funktionstüchtigkeit oder den emotionalen Zustand einer Person auswirkt". Das bedeutet, daß Dinge wie Augentropfen, Lufterfrischer und sogar Blumen (unter vielen anderen Dingen) somit technisch illegal werden würden. All diese Dinge fallen auf die eine oder andere Weise in die obige Definition. Die britische Regierung würde somit schlichtweg alles verbieten. Wie soll die Polizei vorgehen, um das durchzusetzen? Wie werden sie es vermeiden, daß es mit einem so weitreichenden und umfassenden Gesetz zu einer Überkriminalisierung kommt? Sicher, im Grundansatz ist es dazu gedacht den Konsum von "Legal Highs" zu stoppen, aber wie wird es sich entwickeln wenn die Menschen anfangen es anders zu interpretieren?

3. Er sattelt auf eine Strategie auf, die bereits gescheitert ist

Die Idee hinter diesem neuen Gesetzentwurf ist, daß die Menschen diese Drogen nehmen, weil sie technisch gesehen legal sind, so daß sie von den Menschen nicht mehr genommen werden, wenn sie verboten werden. Was dieses neue Gesetz jedoch nicht berücksichtigt, ist warum die Menschen überhaupt Drogen nehmen. Sicher, wenn es eine legale Alternative zu einer illegalen Droge gibt, dann wird sie attraktiv, aber Drogen zu verbieten eleminiert nicht den zugrunde liegenden Wunsch Drogen zu nehmen. Wenn dieses neue Gesetz überhaupt irgendetwas bewirkt, so wird es sein, daß die Menschen dazu gedrängt werden andere Substanzen, wie etwa Heroin zu nehmen, was wiederum den Schwarzmarkt stärkt - und es schafft eine neue Nachfrage. Dies wurde von einem Bericht des Innenministeriums bestätigt, der zeigt, daß das generelle Verbot in Irland (das bei weitem nicht so hart ist wie dieses) mehr Menschen dazu trieb Heroin zu nehmen.

4. Er klammert die wirklichen Problemstoffe aus

Das neue Verbot würde alles illegal machen, mit Ausnahme der von der Regierung genehmigten Substanzen wie Alkohol, Tabak und Zucker. Die Sache ist aber, daß es gerade diese Substanzen sind, die bei weitem am tödlichsten sind, die man überhaupt konsumieren kann, viel schlimmer als Legal Highs, MDMA oder Cannabis. Alkohol, Tabak und Zucker fallen alle unter die neue Definition der psychoaktiven Substanzen und jede ist für die derzeitige Epidemie der schlechten Gesundheit in Großbritannien verantwortlich. Es lässt einen wirklich wundern, welche Argumentation die Regierung für ein solches Gesetz zugrunde legt. Geht es ihr wirklich darum, die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung zu erhalten? Denn wenn dem so wäre, dann würde sie mehr tun, um stattdessen diese drei Substanzen zu bekämpfen - aber nein, natürlich nicht, diese drei werden besteuert!

5. Er ist ein Angriff auf die persönliche Freiheit

Das wohl beängstigendste an diesem Gesetz ist, daß es ein Großangriff auf die persönliche Freiheit ist. Seit Jahrhunderten haben die Bewohner Großbritanniens die Freiheit genossen zu konsumieren, was sie wollen und wann sie wollen, es sei denn, es war eine Substanz, die ausdrücklich von der regierenden Partei verboten war. Jetzt würde alles verboten sein. Sie könnten nicht mehr alles konsumieren, sofern es nicht ausdrücklich von der herrschenden Fraktion gebilligt wird. Dies ist eine monumentale und extreme Machtverschiebung und ist fast vergleichbar mit einer Gesellschaft wie sie George Orwell einst beschrieb. Es ist erschreckend, daß die Regierung versucht ungeniert ihre Macht zu missbrauchen, um die Freiheit des Einzelnen einzuschränken. Es ist keine Übertreibung, wenn wir sagen, daß bei einer solchen breiten Definition alles verboten ist (siehe den oben angeführten Punkt der Überkriminalisierung); sicher, jetzt wird es im Namen eines Verbots der Legal Highs gemacht, aber wie wird es in der Zukunft aussehen? Das Gesetz ist so breit angelegt, daß es von jedem missbraucht werden kann, der gerade am politischen Machthebel sitzt.

Das Vereinigte Königreich steht vor besorgniserregenden Zeiten. Der neue Gesetzentwurf wird derzeit im Oberhaus beraten, wo mögliche Änderungen vorgeschlagen werden, bevor er zurück an das Parlament geht. Hoffen wir, daß sie die Weitsicht haben alles zu tun, um dieses neue Gesetz zu stoppen oder zu ändern, denn so wie die Dinge stehen, könnte in Großbritannien schon bald eine neue Ära eines archaischen Feudalsystems anbrechen.

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