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Mexikanische Einwanderung US-Cannabis-Prohibition
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So Hat Die Mexikanische Einwanderung Die Us-Cannabis-Prohibition Beeinflusst

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Wir schauen uns genauer an, was jahrzehntelang hauptsächlich Amerikas Kampf gegen Gras antrieb. Und nein, wir sprechen nicht von Harry Anslinger.

Willkommen bei den Editorials von Zamnesia, wo unser Autor Steven seine Meinung zu allem teilt, was im Zusammenhang mit der Cannabis-, CBD- und Smartshop-Branche steht. Beachte bitte, dass es sich in all diesen Artikeln um die Ansichten des Autors handelt, die nicht unbedingt die Auffassung von Zamnesia als Unternehmen widerspiegeln. Falls Du unserem Autor und unserem Team etwas mitteilen möchtest, hinterlasse bitte einen Kommentar.



Wenn wir über die Ursprünge der Cannabis-Prohibition sprechen, dann können wir erkennen, dass der öffentlichen Meinung eingeimpft wurde, Cannabis sei illegal, weil es gefährlich ist. Diejenigen unter uns, die die Cannabis-Prohibition etwas genauer erforschen, stoßen dabei jedoch schnell auf Harry Anslinger und seinen berühmt berüchtigten Kampf gegen Gras.

In diesem Artikel wollen wir jedoch eine weitere wichtige Triebkraft der Cannabis-Prohibition ins Rampenlicht stellen, die schon lange bevor Anslinger im Führerhaus des Federal Bureau of Narcotics saß, genutzt wurde: die mexikanische Einwanderung.

Die Legalität Von Cannabis Zu Beginn Des 20. Jahrhunderts

Die Legalität Von Cannabis Zu Beginn Des 20. Jahrhunderts

Bevor wir einen Schritt weiter gehen, fassen wir kurz die Legalität von Cannabis in den USA der frühen 1900er Jahre zusammen.

Bis 1937 wurde Cannabis in den gesamten USA über Apotheken vertrieben. Genau genommen waren Cannabis-Tinkturen bis 1942 im US Pharmacopoeia (dem Arzneibuch der USA)[1] aufgeführt. Während dieser Zeit wurden Cannabis-Tinkturen hauptsächlich als Schlaf- und Beruhigungsmittel verkauft. Sie wurden für alle möglichen Symptome verschrieben, von Delirium und Rastlosigkeit bis hin zu Magenschmerzen, Menstruationsstörungen und sogar Meningitis.

Die Verwendung von Cannabis wurde jedoch in den gesamten USA bereits ab 1906 zunehmend eingeschränkt. 1936 lief “Reefer Madness” in allen Kinos und ab 1937 wurde durch das Marihuana-Steuergesetz eine exorbitant hohe Steuer auf den Besitz, Anbau und Gebrauch von Cannabis erhoben, wodurch es praktisch für alle, abgesehen der Superreichen, illegal wurde.

Glücklicherweise wurde das Marihuana-Steuergesetz vom US-Kongress 1969 nach dem Fall Leary gegen die Vereinigten Staaten als verfassungswidrig eingestuft. Der Psychologe Timothy Leary stellte das Gesetz in Frage, nachdem er wegen des Besitzes von Cannabis strafrechtlich verfolgt worden war, und argumentierte, dass das Gesetz eine Selbstbeschuldigung erfordere, die gegen das 5. Amendment der US-Verfassung verstoße. Leary gewann den Fall und das Marihuana-Steuergesetz wurde für verfassungswidrig erklärt.

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Ein Jahr später verabschiedete der Kongress jedoch das Gesetz über kontrollierte Substanzen, das Cannabis als unsichere Substanz des Anhangs 1 ("Schedule 1") listet, die ein hohes Missbrauchspotenzial aufweist und keine akzeptierte medizinische Verwendung findet.

Acapulco Gold: Wie Die Mexikanische Einwanderung Das Cannabisverbot Vorantrieb

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In rund 30 Jahren änderten die USA ihren Standpunkt zu Cannabis drastisch. Doch was genau trieb diese Veränderung an?

Wenn Du dies liest, kennst Du vermutlich bereits einige der verschiedenen Antworten auf diese Frage. Doch heute wollen wir nicht über Harry Anslinger und seinen neuen Job beim Federal Bureau of Narcotics sprechen.

Während des mexikanischen Bürgerkriegs (1910–1920) erlebten die USA einen großen Ansturm mexikanischer Immigranten, die vor den Unruhen in ihrem Land flohen. Diese Menschen brachten ihre Sprache und Bräuche sowie eine Kleinigkeit namens "Marihuana" mit.

Heute legen etliche Online-Quellen nahe, dass es diese Einwanderer waren, die den Amerikanern den Freizeitkonsum von Cannabis beibrachten. Aber das ist völliger Schwachsinn. Haschisch wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in den Salons jeder größeren Stadt Amerikas geraucht. In der Tat behauptet Jack Herer in seinem berüchtigten Buch "The Emperor Wears No Clothes", dass es laut "The Police Gazette" in den 1880er Jahren allein in New York über 500 Haschischstuben gab.

Was die mexikanischen Einwanderer tatsächlich mitbrachten, war der Begriff “Marihuana”. Die Amerikaner kannten Cannabis nicht unter diesem Namen und so nutzen die Prohibitionisten diese Gelegenheit aus, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen. Cannabis “Marihuana” zu nennen, ließ es exotisch und gefährlich klingen, was dabei half, die Amerikaner darüber im Dunkeln zu belassen, dass sie in der Tat selbst lange “Marihuana” als Medizin und in der Freizeit genutzt hatten.

Stattdessen war die US-Regierung so in der Lage, Cannabis (oder Marihuana) als eine merkwürdige Substanz zu verteufeln, die von den Mexikanern mitgebracht wurde und einen verrückt macht.

Die Verteufelung der Cannabispflanze war eine Erweiterung der Verteufelung der mexikanischen Einwanderer

“Die Verteufelung der Cannabispflanze war eine Erweiterung der Verteufelung der mexikanischen Einwanderer”, schreiben Dr. Malik Burnett und Amanda Reiman auf DrugPolicy.org. Und sie treffen damit genau ins Schwarze. Den dunklen Mächten, die die Cannabis-Prohibition vorantrieben, half das Wort “Marihuana”, um Cannabis in etwas Fremdes und Bedrohliches zu verwandeln.

Schon Jahrzehnte früher passierte etwas ähnliches in Kalifornien, als San Francisco Opium in einem Erlass verboten hatte, den Historiker heute manchmal als Amerikas erstes echtes Drogengesetz bezeichnen. Nach einem riesigen Zustrom chinesischer Einwanderer nach San Francisco zwischen 1870 und 1880 beschloss die Stadt plötzlich, Opiumhöhlen zu verbieten, nachdem sie "nicht nur die Lasterhaften und Verkommenen", sondern auch junge weiße Männer und Frauen angezogen hatten, die aus "respektabler Abstammung stammen und sich in respektablen Berufen in der Stadt betätigen".

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Noch vor diesem Erlass waren Opiumhöhlen in ganz San Francisco verbreitet. Als sich die chinesische Bevölkerung der Stadt zwischen 1870 und 1880 verdoppelte, änderte sich jedoch alles. Und etwas sehr sehr ähnliches ist auch Cannabis widerfahren.

El Paso in Texas wurde zur ersten amerikanischen Stadt, die Cannabis 1915 verbannte. El Paso war zudem eine der Grenzen, über die die mexikanischen Einwanderer in Folge des mexikanischen Bürgerkriegs flohen. Von 1900 bis 1920 wuchs die Bevölkerung von El Paso von 15.000 auf 77.000 an[2]. Es gab spanische Zeitungen und spanische Schulen und Theater wurden in der Stadt gebaut. Daneben kam es aber auch zu gewalttätigen Ausschreitungen in der Stadt, die vom Krieg über der nahen Grenze entfacht wurden.

In einer Ansprache zur Entscheidung über das Cannabis-Verbots sagte El Pasos Chief Deputy Stanley Good:

“Wer unter seinem Einfluss [Marihuana] steht, ist angstfrei und rücksichtslos gegenüber Folgen oder Konsequenzen. Es gibt Fälle, in denen das verrückt gewordene Opfer des Drogenmissbrauchs ins Gefängnis gebracht wurde, aber in vielen Fällen wurden Beamte gezwungen, den Unhold zu töten, um ihr eigenes Leben zu retten.[...] Ein großer Prozentsatz der verübten Verbrechen wird von Männern begangen, die bis zur Kinnlade voll mit dieser Droge sind.[...] Die meisten Mexikaner in diesem Gebiet sind süchtig nach dieser Gewohnheit, und es ist eine wachsende Gewohnheit unter den Amerikanern.”

Selbst Harry Anslinger, einem der Führer der Cannabisprohibition, werden die Worte zugeschrieben, dass die Mehrheit der amerikanischen Cannabiskonsumenten “Neger, Hispanoamerikaner, Filipinos und Künstler” seien, deren "satanische" Handlungen vom Cannabiskonsum angetrieben wurden[3].

Amerikas Drogengesetze Drehen Sich Nicht Nur Um Drogen

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In diesem Artikel wurde eine Sache ziemlich deutlich: Die Gesetze, die Cannabis verbieten, wurden nicht erlassen, weil Cannabis eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Genau genommen wurden sie auch nicht nur erlassen, damit Harry Anslinger und das Federal Bureau of Narcotics etwas zu tun haben. Stattdessen wurde die Cannabis-Prohibition in den südlichen und südwestlichen Staaten der USA durch die Angst vor mexikanischen Einwanderern als Folge des mexikanischen Bürgerkriegs massiv vorangetrieben.

Unglücklicherweise ist diese Geschichte nichts neues. Wie bereits erwähnt, wurde auch die Entscheidung für das Verbot von Opium maßgeblich durch chinesische Immigranten in Kalifornien angetrieben, und es gibt weitere ähnliche Beispiele mit anderen Drogen. Was uns das lehrt, ist, dass unsere Regierungen Drogengesetze nicht aus gesundheitlichen Gründen erlassen, sondern aus sozio-politischen.

Doch es gibt nicht nur schlechte Nachrichten. Immerhin stehen die USA momentan an vorderster Front für eine Veränderung der Cannabis-Gesetzgebung. Das beste daran ist, dass die Veränderungen, die an Orten wie Colorado, Washington, Kalifornien und Nevada bereits stattgefunden haben, einen Einfluss auf Orte auf der ganzen Welt haben, siehe Kanada, Uruguay, Chile und viele weitere.

Steven Voser

Geschrieben von: Steven Voser
Steven Voser ist ein Emmy Award nominierter Journalist mit viel Erfahrung auf dem Buckel. Dank seiner Leidenschaft zu allem, was mit Cannabis zu tun hat, widmet er jetzt viel von seiner Zeit der Erkundung der Weed-Welt.

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