Weedmaps Kämpft In Europa

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Weedmaps Kämpft In Europa

Weedmaps hat es schwer sich in Europa zu etablieren, obwohl es in den USA einen Halbkultstatus erreicht hat.

Wenn Du Europäer bist und Du den Namen "Weedmaps" hörst, ist die Chance groß, dass Du keine Ahnung hast worum es sich handelt. Ein Atlas für Unkraut? Eine Homepage fürs Gärtnern? Wen interessierts?

Wenn Du allerdings ein Marihuana-Konsument aus den Vereinigten Staaten bist, insbesondere wenn Marihuana in Deinem Staat (aus welchem Grund auch immer) legal ist, dann stehen die Chancen gut, dass Du ganz genau weißt worum es sich handelt, wenn Du es nicht schon einmal selbst benutzt hast. Weedmaps ist der erste Online-Verzeichnungsdienst (oft auch "Yelp für Marihuana" genannt), der Konsumenten seit 2007 hilft, sogenannte Marihuana-Apotheken (ob legal oder nicht) zu finden, sowie Ärzte, die medizinisches Marihuana verschreiben. Neuerdings macht der Dienst auch Werbung für Lieferdienste.

Gegründet in Kalifornien, einem Staat in dem der Kampf um Marihuana schon seit 1996 wütet, ist der Online-Dienst, der jetzt auch als Nachrichtendienst fungiert, einer von zwei nationalen Diensten (Leafly ist der andere) der Menschen, die Cannabis suchen, mit denen verbindet, die ihnen helfen können es zu bekommen. Der Dienst finanziert sich, indem er Werbegebühren bezieht. Und die Werbungen alleine bringen ganz schön viel Kohle zusammen. Im ersten Jahr ihrer Gründung, in 2008, hat die Firma $300.000 pro Monat eingenommen. Doch das Firmenkonto wurde Monate lang gesperrt, obwohl niemand auch nur eine Pflanze angefasst hat. Der vorgebliche Grund dafür war, dass die Firma das Geld gestohlen hat oder sie etwas illegales getan haben soll.

Aus der Perspektive von bestimmten Leuten hat sie das technisch gesehen auch getan. Die Gründer von Weedmaps erschufen ein Unternehmen, das innerhalb eines Jahrzehntes von halb legitimen, meist geheimen Familienbetrieben in einer Handvoll Staaten zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Gespräch wurde, das konventionelle Weisheiten auf medizinischer und freizeitlicher Ebene ins Schwanken gebracht hat.

EHRE, WEM EHRE GEBÜHRT

Es gibt viele Menschen, die glauben, dass Weedmaps und dann sein Konkurrent Leafly, geholfen hat, die Bewegung zur Legalisierung in den Vereinigten Staaten anzutreiben - angefangen mit Organisation und Standortdiensten (die Umsatz brachten), um sich auf eine schnelle Art und Weise darüber hinaus zu bewegen. Trotz der anschließenden Kritik hat Weedmaps Geld in die Legalisierung von Cannabis und Kampagnen von Kalifornien bis Colorado gesteckt. NORML (die größte und älteste Interessenvertretung für die Legalisierung von Cannabis in den Vereinigten Staaten) hat seinen Hauptsitz in ein Gebäude verlegt, das Weedmaps gehört, um die Präsenz der Organisation im ganzen Land zu unterstützen. Am 1. April 2014, also dem selben Jahr, in dem Colorado der erste Staat wurde, in dem der freizeitliche Konsum von Cannabis legalisiert wurde, hat das Unternehmen es geschafft eine nationale Debatte auszulösen, als es $50.000 bezahlte, um einen Werbeplatz am Time Square in New York von der CBS Broadcasting Company zu mieten. Doch CBS hat die Aktion im letzten Moment abgebrochen. So oder so hat Weedmaps gewonnen. Das Unternehmen hat es geschafft die Diskussion über Marihuana-Konsum in ein neues Licht zu rücken. Am Ende des Sommers wurde ihrem Konkurrenten Leafly erlaubt den selben Preis zu bezahlen, um für eine Woche eine ganzseitige Werbung in der New York Times zu platzieren, während der die Times eine ganzwöchige Serie über eines der heißesten Themen der USA publizierte. Es brachte auch Geld in Höhe von Millionen von Dollar in staatliche Legalisiehrungsbewegungen, einschließlich Kalifornien. Die freizeitliche Legalisierung in dem größten Staat der USA wird die Reformdebatten antreiben, genau so wie die letzten zurückhaltenden Staaten in den USA über die Grenze der Legalisierung (wenigstens für den medizinischen Konsum) hinaus zu stoßen. Egal, was in diesem Jahr in den Präsidentschaftswahlen im Herbst passiert.

Das Resultat ihrer unkonventionellen Geschäftstätigkeiten, ganz zu schweigen von dem Geld, das sie in dem Zusammenhang machten, ist, dass das Unternehmen viele der heißesten Themen im Kampf für die Legalisierung von Cannabis in den USA in den Vordergrund gerückt hat. Doch ausserhalb der USA hat das Unternehmen noch keinen Fuß gefasst, obwohl es internationale Bestrebungen hat. In Europa kennen die meisten Menschen es nicht, selbst ein echter Cannabiskenner weiß nicht was Weedmaps ist. Warum ist das so?

DURCH MEHR ALS NUR EINE GEMEINSAME SPRACHE GETRENNT

Während das Unternehmen es fertig gebracht hat sich in Spanien zu etablieren, wo die Branche mehr und mehr wie die Coffee Shop Kultur in Holland aussieht, ist Weedmaps, ausser in diesen beiden Ländern, nicht mehr als eine Nachrichten und Rezensionen Webseite. Es ist schwer zu verstehen was ihre Relevanz oder Bedeutung eigentlich ist. Wenn ein potentieller Nutzer, zum Beispiel aus Deutschland oder Frankreich, nach einem "verschreibendem Arzt" in seiner Näher sucht, zeigt das System, dass der nächste praktizierende Arzt, der Marihuana verschreibt, hunderte Kilometer entfernt in Spanien ist. Was geht ab?

Das größte Problem, das Weedmaps in Europa hat, sind natürlich die europäischen Regelungen. Man kann nicht sagen, dass Europa zehn Jahre "hinterherhinkt" gegenüber den Vereinigten Staaten, sondern dass das Unternehmen eine Realität vor Augen hat, die sich nie ändern wird. Auf jeden Fall nicht an der medizinischen Front.

Das erste Problem ist, dass die medizinische Legalisierung nicht den gleichen Weg eingeschlagen hat, wie in den Vereinigten Staaten. Wenn die medizinische Legalisierung voranschreitet, ist es klar, dass Ärzte ein Rezept ausstellen können, das die Konsumenten dann wie gewohnt in einer Apotheke einlösen können (und diese brauchen keine Werbung zu machen). Weder Ärzten noch Pharmaunternehmen ist es in Europa erlaubt Werbung zu machen. Apotheken im Internet sind in vielen europäischen Ländern ebenfalls verboten (insbesondere in Deutschland) und Lieferdienste für Marihuana sind ein unbekanntes und nicht benötigtes Phänomen, besonders da, wo die nationale Versicherung den chronisch Kranken die Taxifahrt zur Apotheke komplett zurückerstattet. Ist dies nicht der Fall, kann man auf den gut funktionierenden öffentlichen Transport zurückgreifen.

Mit anderen Worten, das zugrunde liegende Geschäftsmodell von Weedmaps (und Leafly) wird hier nicht funktionieren - sicherlich nicht vor der Legalisierung zu Freizeitzwecken. Und sogar dann kann sie nicht auf gleiche Weise funktionieren, geschweige denn das gleiche Einkommen oder den gleichen Einfluss haben.

PROBLEME IM PARADIES

Es ist nicht nur in Europa, wo Weedmaps heutzutage vor Problemen steht. Das Unternehmen wurde in letzter Zeit durch Berichterstattungen in den Vereinigten Staaten schwer getroffen. Sie behaupten, dass die große Mehrheit der Rezensionen auf der Webseite (die den Verbrauchern nicht nur helfen sollen eine lokale Marihuana-Apotheke, sondern die Beste zu finden) von einer einzelnen IP Adresse gepostet wurden.

Andere kritisieren den Einfluss des Unternehmens auf die Gestaltung der Rechtsvorschriften, insbesondere in Kalifornien. Und wiederum andere beschweren sich darüber, dass es keine Garantie gibt, ob die Verkaufsstellen, die das Unternehmen auflistet, rechtmäßig registriert sind (immer noch ein großes, wenn auch zunehmend unwichtiges Anliegen, vor allem in Staaten, in denen Marihuana jetzt legal ist).

Unabhängig von der Kritik, egal, ob sie eine Fehlinformation oder zutreffend ist, das Unternehmen selbst ist eindeutig ein Produkt aus einer Zeit, die bald vorbei sein kann (sogar in den USA). Mit der Legalisierung können Marihuana-Geschäfte und Marihuana-Apotheken die Patienten und Freizeitkonsumenten in einer wachsenden Anzahl von Möglichkeiten erreichen. In Europa wird das Gespräch immer ein anderes sein. Die medizinische Anwendung ist das erste Gespräch, das man haben muss. Und genau so wie in den Vereinigten Staaten und sogar in Kanada, ist der Freizeit-Konsum nichts mehr, als eine regionale Laune der progressiven Bürgermeister in Städten mit einem großen und etablierten (wenn auch) illegalen Drogenhandel, wenn dieses Gespräch nicht stattfindet.

Sogar in Deutschland, das lange das Zuhause der akademischen Studien war, die die Idee förderten, dass Schizophrenie und Marihuana untrennbar mit einander verbunden wären, ist es klar, dass das Gespräch sich mittlerweile verändert hat. Obwohl es schon immer anders war, als in den USA, dank des Fehlens eines stark verfolgten Kriegs gegen Drogen. Als Montel Williams, ein sehr bekannter US Talkshow-Moderator der sich schon lange für medizinisches Marihuana stark machte (er behandelt damit seine Multiple Sklerose), diesen Sommer mit einer kleinen Menge an Cannabis durch den Frankfurter Flughafen reiste, wurde er nicht strafrechtlich verfolgt und als er mit einem Zertifikat beweisen konnte, dass er es für gesundheitliche Zwecke bei sich hatte, durfte er zusammen mit seinem Vorrat unversehrt weiterreisen.

 

         
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