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Kann Eiswasser und vollständige Dunkelheit die Trichomenproduktion bei Cannabis erhöhen?

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Manche Grower behaupten, dass eine Kombination aus Eiswasserspülungen und kompletter Dunkelheit direkt vor der Ernte eine Verbesserung des Aussehens, Geschmacks und Stärke ihrer Blüten bewirken kann. In diesem Artikel schauen wir uns an, ob an den Gerüchten um verlängerte Dunkelphasen und niedrigere Temperaturen etwas dran ist.

Es geht ein Gerücht in der Cannabiscommunity um, dass eine Kombination aus Eiswasserspülungen und einer Periode völliger Dunkelheit von 24–36 Stunden direkt vor der Ernte die Trichomenproduktion und Wirkstärke der Pflanzen massiv verbessern kann. Manche Grower behaupten, dass dies eine der besten Methoden wäre, um die Qualität und Stärke der Blüten zu erhöhen, andere dagegen halten das für völligen Blödsinn.

Wie es oft der Fall ist, wenn es um Themen rund um den Cannabisanbau geht, beruht auch der Großteil der verfügbaren Informationen über Eiswasserspülungen und verlängerte Dunkelperioden auf Hörensagen. In diesem Artikel schauen wir uns die verfügbaren Informationen über diese Technik und ihr Potenzial, die Trichomenproduktion zu erhöhen, genauer an.

DIE THESE: EISWASSERSPÜLUNGEN + TOTALE DUNKELHEIT VERBESSERN DIE TRICHOMENPRODUKTION

Die These

Die Theorie hinter dieser Technik ist simpel. Zunächst einmal sind die Eiswasserspülungen dazu gedacht, die Pflanzen niedrigeren Temperaturen auszusetzen, was die Blüten in der Regel dazu anregt, attraktivere Farbtöne hervorzubringen. Viele Grower machen das bereits, indem sie einfach die Temperatur in ihrem Grow-Zelt oder -Raum mittels einer Klimaanlage oder Ventilatoren runterregeln. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Temperatur mit Eiswasserspülungen gesenkt wird und nicht mittels einer Klimaanlage oder eines Abluftsystems.

Darüber hinaus soll die verlängerte Dunkelperiode die Pflanzen stressen. Bei dem Versuch, ihre Blüten zu schützen und die Chancen einer Fortpflanzung zu erhöhen, ziehen die Pflanzen Nährstoffe aus den Sonnensegeln, um ihre Blüten weiterwachsen zu lassen. Die geballte Ladung aus kühleren Temperaturen und weniger Licht soll die Pflanzen dazu anregen, größer zu wachsen, dichtere Blüten mit einer größeren Menge an Trichomen zu produzieren und besondere Farben auszubilden.

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Wir wissen, dass bestimmte Arten von Stress Cannabispflanzen bis ans Limit ihrer Möglichkeiten pushen können. Supercropping und das Spalten sind zwei Beispiele für gängige Anbautechniken, die auf extreme Stresslevel setzen. Dennoch lässt einen der Gedanke, die eigenen Pflanzen so kurz vor der Ernte auch nur dem leichtesten Stress auszusetzen, nicht unbedingt ruhig schlafen. Denn letztendlich riskierst Du, falls etwas schief gehen sollte, möglicherweise Deine gesamte Ernte zu verlieren.

DAS URTEIL: FUNKTIONIERT ES?

Das Urteil

Leider gibt es nur sehr wenige qualitativ hochwertige Informationen über die Auswirkungen von verlängerten Dunkelperioden und Eiswasserspülungen. Meist müssen wir uns mit Erfahrungsberichten über "Zuhause-Experimente" zufriedengeben, die in Grower-Foren wie 420 Magazine, THC Farmer und anderen veröffentlicht wurden. Und dann ist das bisschen, das uns an Informationen zur Verfügung steht, auch noch sehr widersprüchlich, denn während einige Grower von großartigen Ergebnissen berichten, sprechen andere vom genauen Gegenteil.

2013 berichtete ein Anbauer im "The Grow Room"-Forum des 420 Magazine, dass er mit einer Rascal OG-Pflanze gearbeitet habe, die mit Eiswasser gespült und vor der Ernte in fünftägiger Dunkelheit gehalten wurde. Der Grower verglich zudem die Technik der Eiswasserspülung mit herkömmlichen Spülungen, bei denen man den Pflanzen unter regulären Beleuchtungsbedingungen Wasser und Melasse verabreicht. Die letzte Spülung führte er anschließend bei kompletter Dunkelheit durch. Ursprünglich wollte er die Pflanze nur etwa 48 Stunden lang in Dunkelheit halten.

Der Grower bemerkte, dass die Dunkelphase einen signifikanten Unterschied in Bezug auf Anzahl und Größe der Trichome auf den Blüten bewirkte. "Ich bin mir nicht genau sicher, was hier eigentlich in botanischer Hinsicht passiert, aber ich hab tatsächlich gesehen, dass die Trichome in Länge und Breite zugelegt haben, wobei bei einigen (nicht bei der Mehrheit) die Farbe ins gelbe/bernsteinfarbene umschlug", schrieb er.

Ebenso erwähnte er allerdings, dass er skeptisch war, was die Eiswassermethode angeht, und dass er empfehlen würde, die Pflanzen in vollständiger Dunkelheit mit Wasser bei normaler Zimmertemperatur zu spülen.

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Trichome sind winzige, kostbare Drüsen auf den Buds, die den Großteil der Cannabinoide und Terpene der Pflanze enthalten.

In einem seiner wöchentlichen Anbau-Updates, erklärte Mr. Grow It, warum er allen seinen Pflanzen vor der Ernte 48 Stunden völliger Dunkelheit zumutet. Er erklärte, dass der Großteil der Harzproduktion in der Blüte bei Nacht abläuft und dass die Pflanzen der Dunkelheit auszusetzen, sie zu einer "letzten Anstrengung" antreibt, die Harzproduktion zu steigern. Er bemerkte ebenso, dass die Trichome durch den Lichteinfluss tatsächlich abgebaut werden und sich dann milchig oder bernsteinfarben zeigen. Eiswasserspülungen erwähnt Mr. Grow It in seinem Video nicht.

In einigen Forenbeiträgen findet man die Behauptung, das Stichting Institute of Medical Marijuana (SIMM), eine der ersten Firmen, die medizinisches Cannabis über niederländische Apotheken vertrieben hat, habe diese Technik der verlängerten Dunkelperioden eingesetzt, um die Stärke ihrer Sorten zu verbessern. Das Gerücht besagt weiter, man habe bei SIMM eine Reihe von Pflanzen separiert, von denen die Hälfte normal geerntet wurde, während man die andere Hälfte vor der Ernte zusätzlich einer 72-stündigen Dunkelheit aussetzte. In Zusammenarbeit mit dem TNO Labor und der Universität Leiden soll SIMM dann die Stärke der Pflanzen getestet und herausgefunden haben, dass die abgedunkelten Pflanzen bis zu 30% mehr THC enthielten als die andere Hälfte. Dazu sei jedoch angemerkt, dass wir bei unserer Recherche keinerlei entsprechende Informationen über SIMM und diese Untersuchung finden konnten.

Dunkelphasen

Und während diese Technik der verlängerten Dunkelphasen durchaus ihre Fans besitzt, ruft sie ebenso Kritiker auf den Plan. Viele Grower behaupten, dass Cannabispflanzen gar nicht in der Lage sind, in nur 24–48 Stunden mehr Harz zu produzieren, und dass die Technik der verlängerten Dunkelheit tatsächlich nichts weiter bewirkt als eine verzögerte Ernte. Daneben gibt allerdings auch Grower, die glauben, man müsse die Pflanzen gleich mehrere Tage der Dunkelheit aussetzen, bevor man bei ihnen einen merklichen Unterschied in der Harzproduktion feststellen kann.

Leider gibt es kaum wissenschaftliche Fachliteratur zum Thema Cannabisanbau. Das bedeutet, dass Grower oft auf ihre eigenen Instinkte bzw. auf Tipps und Tricks von anderen, erfahreneren Growern angewiesen sind. Falls Du Dich jemals durch Beiträge in Cannabisanbau-Foren gearbeitet hast, dann wirst Du wissen, wie gespalten die Community sein kann, wenn es um bestimmte Themen geht. Bei unserem Thema verhält es sich nicht anders, und es bleibt wirklich dem einzelnen Grower überlassen, diese Technik auszuprobieren, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können.

Steven Voser

Geschrieben von: Steven Voser
Steven Voser ist ein Emmy Award nominierter Journalist mit viel Erfahrung auf dem Buckel. Dank seiner Leidenschaft zu allem, was mit Cannabis zu tun hat, widmet er jetzt viel von seiner Zeit der Erkundung der Weed-Welt.

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