Die Behandlung Chronischer Schmerzen Mit Medizinischem Marihuana

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Medizinischem Marihuana


Aktuelle Forschung zeigt, dass Cannabis wirksam chronische Schmerzen behandeln kann. Chronische Schmerzen können schwerwiegende psychische Auswirkungen auf die Patienten haben, und die derzeit vorhandenen Medikamente sind extrem begrenzt. Könnte Cannabis das Schmerzmittel der Zukunft sein?

Aktuelle Forschung zeigt, dass Cannabis wirksam chronische Schmerzen behandeln kann. Schmerz ist eine körperliche Erkrankung, die oft unterschätzt wird. Chronische Schmerzen können, abgesehen von den körperlichen Beschwerden, auch schwerwiegende psychische Auswirkungen auf die Patienten haben, und die derzeit vorhandenen Medikamente sind extrem begrenzt. Könnte Cannabis das Schmerzmittel der Zukunft sein?

Wir denken uns Schmerzen meist als relativ einfaches Symptom. Im Grunde genommen handelt es sich um das verräterische Anzeichen dafür, dass etwas mit unserem Körper nicht stimmt. In den meisten alltäglichen Fällen sind Schmerzen mit einfachen freiverkäuflichen Schmerzmitteln leicht zu behandeln. Aber was, falls der Schmerz chronisch wird?

Chronische Schmerzen sind ein äußerst komplexes Leiden, von dem über 1,5 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt betroffen sind. In den USA stellen sie den häufigsten Grund für Langzeit-Arbeitsunfähigkeit dar und betreffen über 100 Millionen Amerikaner.

Leider sind unsere Methoden der Schmerzbehandlung nicht so fortschrittlich wie andere Aspekte der modernen Medizin. Die beiden gängigen Alternativen zur Behandlung von Schmerzen sind nicht-steroidale entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Opiumderivate wie Morphin, die beide eine lange Liste von Anwendungseinschränkungen aufweisen.

Diese Ausgangslage ändert sich aber dank neuer Forschung langsam. Aktuelle Untersuchungen zum medizinischen Cannabis zeigen, dass medizinisches Weed eine sehr effektive Linderung verschiedener Arten chronischer Schmerzen bewirken kann. Ist Cannabis vielleicht die Zukunft der Schmerzbehandlung auf der ganzen Welt?

DEN SCHMERZ VERSTEHEN

Obwohl Schmerzen ein sehr einfache Leiden zu sein scheinen, kann die korrekte Diagnosestellung und die wirksame Behandlung für medizinische Fachleute eine echte Herausforderung darstellen.

Schmerzen werden meist als „akut“ (kurzfristig) oder „chronisch“ (langfristig) klassifiziert.

Akute Schmerzen sind in der Regel scharf und unmittelbar und können von nur ein paar Momenten bis hin zu Monaten anhalten. Akute Schmerzen verschwinden in der Regel bald nach der Behandlung der zugrunde liegenden Schmerzursache und sollten nicht länger als 6 Monate auftreten.

langfristig Schmerzen

Chronische Schmerzen dagegen können jahrelang andauern. Sie neigen dazu, auch nach der Behandlung bestehen zu bleiben, wobei ihre Ursache in der Regel schwer zu diagnostizieren ist. Obwohl einige chronische Schmerzen das Ergebnis einer langen unbehandelten Krankheit sein können, treten sie manchmal ohne offensichtliche körperliche Schäden oder Verletzungen auf.

Bei akuten Schmerzen ist die Suche nach der Ursache und einer adäquaten Behandlung in den meisten Fällen einfach. Der Umgang mit chronischen Schmerzen dagegen ist meist viel schwieriger. Dies liegt daran, dass die zugrunde liegende(n) Ursache(n) für das Schmerzerleben in der Regel viel schwerer zu identifizieren und daher auch schwieriger richtig zu behandeln sind.

WIE ERLEBEN WIR SCHMERZEN?

Schmerzsignale werden von Nerven überall im Körper aufgenommen und über das zentrale Nervensystem ins Gehirn weitergeleitet. Obwohl wir Schmerzen in vielen verschiedenen Formen empfinden, werden sie für gewöhnlich in eine der folgenden 2 Kategorien eingeordnet:

- Nozizeptiv: Nozizeptive Schmerzen werden in der Regel durch Verletzungen von Haut, Muskeln, inneren Organen, Gelenken, Sehnen oder Knochen verursacht. Sie gliedern sich weiter in somatische und viszerale Schmerzen. Erstere werden gewöhnlich als muskuloskeletale Schmerzen beschrieben (wie der Schmerz einer Hautabschürfung), während die zweitgenannten gewöhnlich die inneren Organe betreffen und meist durch Überstreckung oder Entzündungen verursacht werden und nicht durch Prellungen oder Schnitte.

Nozizeptiv

- Neuropathisch: Neuropathischer Schmerz wirkt gewöhnlich auf das sensorische Nervensystem und ist meist durch sensorische Anomalien gekennzeichnet. Neuropathische Schmerzen sind nicht scharf wie die meisten nozizeptiven Schmerzen; stattdessen können sie Gefühle von Überempfindlichkeit, Taubheit oder Kribbeln umfassen.

Neuropathisch

Es ist wichtig zu beachten, dass sich diese beiden Kategorien überlappen können. Es gibt viele Erkrankungen und Verletzungen, die gleichzeitig den Stütz- und Bewegungsapparat bzw. das Nervensystem beeinflussen und daher sowohl nozizeptive als auch neuropathische Schmerzen erzeugen können.

WELCHE KRANKHEITEBN VERURSACHEN SCHMERZEN?

Es gibt zahhlose Erkrankungen, die chronische Schmerzen verursachen, von denen wir nur die häufigsten vorstellen wollen:

- Arthritis
- Krebs
- Multiple Sklerose
- AIDS
- Nervenschäden
- Fibromyalgie

DIE PSYCHISCHEN FOLGEN VON SCHMERZEN 

Wenn wir an Schmerzen denken, haben wir meist die körperlichen Unannehmlichkeiten vor Augen, die wir in unserem Körper fühlen. Allerdings darf man dabei auf keinen Fall übersehen, dass chronische Schmerzen auch ernsthafte psychische Auswirkungen haben.

psychischen folger von schmerzen

Chronische Schmerzen setzen den Körper unter starken Stress. Abgesehen von den offensichtlichen Unannehmlichkeiten können chronische Schmerzen die Schlafmuster einer betroffenen Person sowie deren Stimmung und Motivation und vieles mehr beeinträchtigen. Das Leben mit chronischen Schmerzen ist schwierig, wobei manchmal sogar die Behandlung einen Schmerzpatienten noch zusätzlich unter Stress setzen kann. Bei manchen Betroffenen führen diese Faktoren zu ernsteren psychischen Störungen, wie Angst oder sogar Depressionen.

TRADITIONELLE SCHMERZMEDIKATION/-BEHANDLUNG

Heutzutage werden Schmerzen am häufigsten mit entzündungshemmenden Medikamenten wie Ibuprofen und Aspirin oder verschreibungspflichtigen Opiaten wie Codein und Morphium behandelt. Während entzündungshemmende Medikamente so funktionieren, dass sie die Produktion der Chemikalien reduzieren, die in unserem Körper Entzündungen verursachen, unterdrücken Opiate die Schmerzsignale, die von den peripheren Nerven des Körpers erzeugt werden.

Traditionelle Schmerzenmedikation vs cannabis

Verschreibungspflichtige Opiate sind die am häufigsten genutzte Form der Medizin zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen. Tatsächlich gaben US-Gesundheitsdienstleister im Jahr 2012 fast 250 Millionen Rezepte für Opioid-Schmerzmittel heraus, was ausreicht, um jeden amerikanischen Bürger mit einer Flasche Pillen zu versorgen.

Sowohl entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen und Opiat-basierte Medikamente wie Morphium haben ihre Grenzen. Entzündungshemmer eignen sich zwar hervorragend zur Behandlung von akuten Schmerzen, die zum Beispiel als Kopfschmerzen auftreten, bewirken aber bei chronischen Leiden keine Linderung. Andererseits bieten Opiat-basierte Medikamente mittlerweile zwar schnellere und stärkere Effekte, weisen dafür aber auch eine Vielzahl von Nebenwirkungen auf, die sie für den längeren Einsatz bei Patienten mit chronischen Schmerzen ungeeignet machen.

Die größten Bedenken gegen den anhaltenden Einsatz von Opiat-basierten Schmerzmitteln betreffen die Gewöhnung, den Missbrauch und die Suchtgefahr. Die Zahl der Verordnungen für Opioid-Medikamente, die in den USA verteilt wurden, ist in den letzten Jahren von 76 Millionen im Jahr 1991 auf fast 207 Millionen im Jahr 2013 gestiegen.

Missbrauch und Suchtgefahr

Die Tatsache, dass Opioide leichter zugänglich sind als je zuvor, hat zu einer Steigerung der Opiatabhängigkeit und der Todesfälle durch Überdosierung geführt. In den USA zum Beispiel stieg die geschätzte Anzahl der Besuche in den Notfallaufnahmen, die auch die nichtmedizinische Einnahme von Opioid-Schmerzmitteln einschließen, von 144.600 im Jahr 2004 auf 305.900 im Jahr 2008. Die Zahl der Todesfälle, die durch eine Überdosierung von verschreibungspflichtigen Opioid-Schmerzmitteln verursacht wurden, hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht.

Viele Patienten können im Laufe der Zeit schnell eine Gewöhnung gegenüber Opioiden entwickeln, was in der Folge die Opioide für die Behandlung ihrer chronischen Schmerzen unwirksam macht. Als sehr wahrscheinliches Ergebnis einer solchen Entwicklung wird der Patient in der Hoffnung auf eine ausreichende Linderung der Symptome seine Dosis erhöhen. Aber diese gesteigerte Dosis erhöht fast zwangsläufig das Risiko von Nebenwirkungen (wie Verstopfung, Schläfrigkeit, Übelkeit und Erbrechen).

KANN MAN MIT CANNABIS SCHMERZEN BEHANDELN?

Die Beweisführung für Cannabis als Schmerzmittel ist überzeugend. Die Pflanze enthält eine Vielzahl von Verbindungen, die analgetische Eigenschaften haben und auch als Entzündungshemmer und vieles mehr wirken.

Wenn wir medizinisches Marihuana (entweder durch Rauchen, Verdampfen oder seinen Verzehr) einnehmen, interagieren die Pflanzenverbindungen mit unserem körpereigenen Endocannabinoid-System. Dieses System, das aus einer Vielzahl von Rezeptoren besteht, die über das Gehirn und den gesamten Körper verteilt sind, spielt eine wichtige Rolle bei der Vermittlung einer Vielzahl von physiologischen Prozessen wie zum Beispiel Gedächtnis, Appetit und Schmerzmanagement.

Cannabis enthält über 100 aktive Verbindungen (bekannt als Cannabinoide) sowie eine Vielzahl von Terpenen, die verschiedene eigene medizinische Nutzen einbringen. Die beiden bekanntesten Cannabinoide sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). Ersteres ist bekannt als die primäre psychoaktive Verbindung der Pflanze, und beide machen Schlagzeilen, weil sie sich generell bei der Behandlung von Epilepsie bis PTBS als nützlich erwiesen haben.

Cannabis Schmerzen

Im Jahr 1997 zeigte eine wissenschaftliche Arbeit im European Journal of Pharmacology erstmals, dass das Endocannabinoid-System eine aktive Rolle bei der Behandlung von Schmerzen spielt. In der Gegenwart legen weitere neue Forschungsergebnisse nahe, dass Cannabinoide wie THC und CBD eine wirksame Schmerzlinderung bewirken können – und zwar ohne einige der Einschränkungen, die Opiat-basierte Medikamente betreffen.

Die Forschungsarbeit zur Effizienz des Cannabis als Schmerzmittel wurde aber glücklicherweise fortgeführt. Eine Studie, die 2010 im kanadischen Medical Association Journal veröffentlicht wurde, untersuchte die Wirkung des Rauchens von Cannabis auf Schmerzen. Die Studie rekrutierte erwachsene Patienten mit postoperativen neuropathischen Schmerzen, die über 5 Tage 3 Mal täglich Cannabis mit unterschiedlichen THC-Konzentrationen mittels einer Pfeife rauchten,

Die Patienten wurden gebeten, die Intensität ihres Schmerzes auf einer numerischen Skala zu klassifizieren, wobei die Forscher auch die Wirkung des Cannabis auf Schlaf, Stimmung und mehr untersuchten. Die Studie kam zu dem Schluss, dass eine einzelne Inhalation von Cannabis mit etwa 10% THC 3 mal täglich nicht nur die Schmerzintensität reduzierte, sondern auch den Schlaf verbesserte. Das Medikament wurde von allen Teilnehmern gut vertragen.

In jüngerer Zeit kam im Jahre 2016 eine Studie im Clinical Journal of Pain zu dem Ergebnis, dass Cannabis bei über 270 Patienten chronische Schmerzen reduzierte und ebenso verbesserte funktionelle Ergebnisse bewirkte. Die Studie wertete eine Umfrage aus, um die Schmerzen der Patienten, die Veränderung des Opiatkonsums und mehr zu messen. Die Studie ergab, dass die Verwendung von medizinischem Marihuana bei diesen Patienten nicht nur die Schwere ihrer Schmerzen und den Grad der Alltagseinschränkungen stark reduzierte, sondern ihnen auch dabei half, funktionaler zu werden. Mit der Einnahme des medizinischen Cannabis konnte auch die Verwendung von Opiaten um über 40% heruntergefahren werden.

THC und CBD

Allerdings sind THC und CBD nicht die einzigen Verbindungen in der Cannabispflanze, die helfen können, Schmerzen zu lindern. In den letzten Jahren haben auch andere Cannabinoide wie Cannabichromen (CBC) und Cannabinol (CBN) wegen ihrer entzündungshemmenden und beruhigenden Qualitäten aufhorchen lassen, die es ihnen ermöglichen, entzündliche Erkrankungen wie Arthritis oder Pathologien mit schwer beizukommenden chronischen Schmerzsymptomen wie Fibromyalgie zu behandeln.

Auch konnte man nachweisen, dass Terpene wie Beta-Myrcen, Alpha-Pinen und Beta-Caryophyllen schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkungen besitzen, die ebenfalls ihren Beitrag zum Potenzial von Cannabis zur Behandlung von chronischen Schmerzen leisten.

KANN CANNABIS DIE SCHMERZMEDIKATION DER ZUKUNFT WERDEN?

An bestimmten Orten der Welt ist Cannabis bereits dabei, (langsam) zum Schmerzmittel der Zukunft zu werden. In den Regionen der USA, die Programme mit legalem medizinischen Marihuana durchführen, zählen Schmerzen zu den wichtigsten genehmigten Erkrankungen. Dazu gehören Staaten wie Alaska, Arizona, Kalifornien, Illinois, Montana und viele mehr.

Cannabis USA

Außerhalb der USA wurde medizinisches Cannabis auch in Kanada, Australien, Chile, Argentinien, Kroatien und vielen anderen Orten legalisiert. Allerdings gelten chronische Schmerzen nicht in allen medizinischen Marihuana-Programmen als genehmigte Erkrankungen. Um mehr darüber zu erfahren, wie Du auf medizinisches Marihuana zur Schmerzlinderung zugreifen kannst, solltest Du einen Blick in die lokalen Gesetze werfen.

Leider ist es uns bisher nicht gelungen, Cannabis vollständig zu verstehen, und wir wissen noch immer nicht, wie es uns beeinflusst und welche Rolle es in der modernen Medizin genau spielen kann. Die bisherige Forschungsarbeit, die wir zur Hand haben, beginnt gerade erst, an der Spitze eines Eisbergs zu kratzen, der die Forscher noch viele Jahre beschäftigen wird.

Cannabis kann, wenn es verantwortungsbewusst und korrekt verabreicht wird, eine mächtige Medizin mit erstaunlichen Nutzen sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir die Geheimnisse dieser unglaublichen Pflanze vollständig aufgedeckt haben werden.

 

         
  Steven Voser  

Geschrieben von: Steven Voser
Steven Voser ist ein Emmy Award nominierter Journalist mit viel Erfahrung auf dem Buckel. Dank seiner Leidenschaft zu allem, was mit Cannabis zu tun hat, widmet er jetzt viel von seiner Zeit der Erkundung der Weed-Welt.

 
 
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