Tagebuch Eines Cannabisanbauers Teil 2: Neuer Stoff

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Tagebuch Eines Cannabisanbauers Teil 2: Neuer Stoff


Wir freuen uns Dir den zweiten Teil unserer Reihe „Tagebuch eines Cannabisanbauers“ von Top Shelf Grower vorstellen zu können. Diesmal geht es um den Indoor Anbau mit LED Lampen. Solltest Du den ersten Teil verpasst haben, kannst Du ihn Dir hier anschauen!

Das Tagebuch eines Cannabis-Anbauers Teil 1: Der Winter kommt

Vor einer langen Zeit, damals, auf einem windgeplagten Felsen im Atlantik, AKA Irland, wuchs gerade meine erste Cannabisernte heran. Wochenlang hatte ich geschuftet, um die benötigten Materialien zusammenzukriegen. Das war noch zu einer Zeit als Growshops und Internethandel als Fremdwörter galten. Letztendlich zogen wir aber einen kleinen Anbauraum in dem Keller eines Freundes auf. Es war noch in den frühen 2000ern und HID Beleuchtung war die einzig verfügbare Option. Unerfahren wie ich war, war mir nicht bewusst, wie sehr HID Lampen einen Raum aufheizen können und das bei einer Außentemperatur von nur 5°C und regnerischem Wetter. Die Auswahl an Klimaanlagen war in Dublin ungefähr so gering wie die Auswahl an geeigneten Anbaulampen. Also zog ich wieder mit meinen hartverdienten Kröten los, um mir noch ein weiteres sperriges Elektrogerät zuzulegen. Qualitativ hochwertige und feminisierte Cannabissamen waren auch schwer zu beschaffen und wurden meistens selbst bei den erfahrensten Anbauern zu Zwittern.

Wie man sich denken kann, lag schon von Anfang an ein Fluch auf dem Vorhaben. Nach ungefähr vier Monaten erntete ich dann allerdings mein erstes und von Samen durchsetztes Gras. Es war kein totaler Misserfolg, denn zurückblickend war dieser Anbau eine lehrreiche Erfahrung, die zu dem Fortschritt beigetragen hat, der dann mit der Zeit kam. Und außerdem bin ich immer noch stolz darauf, dass mein Freund und ich es geschafft hatten die komplette Einrichtung ohne einen einzigen Nagel aufzubauen. Isolierband war und ist weiterhin das Universalwerkzeug meiner Wahl. Aber eines wunderte mich schon zu der Zeit. Ich fragte mich, warum beim Cannabisanbau im Grow Room immer noch die Technik der 80er verwendet wurde?

Cannabis Lichter

Das ergab nie Sinn für mich; alle anderen Technologien wurden schnell weiterentwickelt, aber die Grow Shows auf der ganzen Welt hielten sich immer noch mit den veralteten HID Lampen über Wasser. Wir Heimzüchter waren zu Zeiten des iPods quasi noch mit Kassetten und Walkman unterwegs. Schon richtig, dass dann irgendwann die CFL Lampen kamen und eine kostengünstigere Option für die Wachstumsphase oder zum Klonen boten. Die MH Lampen gegen kühlere CFL Lampen auszutauschen war aber auch nicht die wahre Lösung. HPS Lampen wurden weiterhin für die Blütephase benötigt, da die CFL Lampen nicht genug Lumen des erforderten Lichtspektrums erzeugen konnten und somit nur niedrigere Erträge produzierten.

In diesem Winter habe ich mir eine „Dorm Grow 600W Vollspektrum G8 LED Einheit“ zugelegt und ich kann nur sagen, dass nichts mehr ist wie vorher. „Alles ist verändert, verändert völlig; eine schreckliche Schönheit ist geboren” - W.B. Yeats. Endlich ein Produkt aus dem 21. Jahrhundert, das beim Anbau wahre Wunder vollbringen kann. Bei der Verwendung von LED Einheiten benötigt man keine Vorschaltgeräte und Reflektoren mehr. Zudem bleiben sie kühler und haben einen niedrigeren Stromverbrauch als HID Lampen. Das Beste ist aber, dass sie mehr Lumen im optimalen Lichtspektrum erzeugen und somit ideal für den Cannabisanbau sind. Das könnte der Durchbruch sein, auf den ich schon so lange wartete. Aber ich lasse lieber Tatsachen sprechen. Damit Du Dir ein eigenes Bild machen kannst, präsentiere ich Dir im Anschluss meine Erfahrung mit der Zukunft des Cannabisanbaus im Grow Room.

Nach einigen Streitereien und ein wenig hin und her mit den Transportunternehmen konnte ich dann endlich die neueste Anbautechnologie bei mir installieren. Sie wird schon bald weltweit zu der Standardausrüstung für Anbauer gehören.

DER KOMPLETTE AUFBAU

Beleuchtung: Dorm Grow 600W Vollspektrum für Wachstum und Blüte; tatsächlicher Verbrauch 390W.

Anbauort: LED-Qube von Green-Qube (Maße: 1,4 x 1,4 x 2,2m).

Substratsart: Light Mix von Atami, gemischt mit 30% zusätzlichem Perlit von Plagron.

Grundnährstoffe: Jungle Juice 2-Part von Advanced Nutrients.

Ergänzungsmittel: Cannazym von Canna, Top Max von BioBizz, Liquid Silicon von Growth Technology, COME und organische Melasse vom örtlichen Supermarkt.

Töpfe/Behälter: Anfangs 3l Plastiktöpfe, als finale Behälter 10l Air-Pots und 18l Plastiktöpfe.

Samen: Purple Berry Kush & Mega Power Plant von Spliff Seeds (feminisiert, nicht selbstblühend).

Luftzirkulation: Oszillierender Standventilator (nicht zu nah an den Pflanzen und niedrig positioniert, um eine leichte Brise, aber keinen Wirbelsturm zu erzeugen) .

Set up

SETZLINGE

Um diesen winterlichen Anbau schnell ins Rollen zu bringen, ließ ich vier Cannabissamen keimen. Und zwar durch die altbewährte Papiertuchmethode. Ich verwendete zwei Purple Berry Kush und zwei Mega Power Plant Samen. 48 Stunden später waren bereits vier gesunde Wurzelspitzen aus den Samen gebrochen. Nach dem Gespräch mit einigen lokalen Growern, die bereits seit einigen Jahren Erfahrungen mit LEDs sammeln konnten, erfuhr ich, dass sie allesamt Hydrokultur bevorzugten, da normale Erde zu wenig Wasser abwies. Da ich ein strebsamer Bio-Anbauer bin, entschloss ich, dass die Zugabe von 30% Perlit zu meiner Substratmischung genug sein würde, um eine bessere Entwässerung zu gewährleisten. Im Anschluss pflanzte ich meine kleinen gekeimten Böhnchen in ihre Töpfe mit dem abgeänderten Substrat und stellte sie unter einen 18-6 Lichtzyklus.

14 Tage später gingen meine gesunden Setzlinge in die Vegetationsperiode über. Bis dahin hatten sie nur zweimal reines Wasser bekommen. Ein effizienter Nässe-/Feuchtigkeit-Zyklus ist für einen gesunden Wurzelstamm von großer Wichtigkeit. Um dies zu gewährleisten, bemühte ich mich, die Pflanzen nicht zu überwässern. Ich bevorzuge den Zeitpunkt für eine Bewässerung durch das Gewicht der Töpfe festzulegen. Die Setzlinge benötigten eine komplette Woche, bis sie das Wasser verbraucht hatten. Das liegt daran, dass die LEDs definitiv um ein Vielfaches kühler sind, als HID Lampen. Es verging einige Zeit zwischen den Bewässerungen, aber die Geduld zahlte sich schlussendlich aus. Und ich lernte zudem meine Lektionen bezüglich des Einflusses, den die LEDs auf den Bewässerungszyklus haben.

Ein Anbauzelt zu gebrauchen war nichts Neues für mich. Der LED-Qube war allerdings speziell auf den LED-Anbau ausgerichtet. Er hat nicht die standardmäßigen silbernen Wände, sondern weißes Mylarfutter an den Wänden. Zudem ist er isoliert, um somit die von den LEDs abgesonderte Wärme einzufangen, die ja schließlich eher gering ausfällt. Die Wärme nicht entfliehen zu lassen war also eine der Prioritäten bei der Konstruktion – und das funktionierte wie erwünscht. Die Temperaturen waren nahezu perfekt und lagen zwischen 23-27°C, bei einer entsprechenden Luftfeuchtigkeit von über 50%. Diese Werte konnten selbst bei den Dunkelphasen aufrechterhalten werden.

VEGETATIONSPERIODE

Cannabis setup

Beide Sorten offenbarten für Indicas typische Merkmale und obwohl die Beleuchtung rund 90cm über dem Blätterdach der Jungpflanzen hing, streckten sich diese nicht in die Höhe. Nach ungefähr zehn Tagen des Wachstums wurde es Zeit die Pflanzen in die größeren Behälter umzupflanzen. Ich hatte in ein paar 10l Air-Pots eines lokalen Grow Shops investiert, um auch wirklich dem Hightechanspruch dieses Winteranbaus treu zu bleiben. Durch diese Töpfe kam mehr Luft an das Substrat und verhinderte somit, dass zu viel Feuchtigkeit gespeichert wurde. Zum Vergleich benutzte ich auch ein paar weiße 18l Plastiktöpfe, die sich bereits bei meinem Freilandanbau im Sommer als sehr effektiv erwiesen hatten. Warum also nicht mal gucken, wie sie sich im Qube machten?

Die Zeiträume zwischen den Bewässerungen verringerten sich nach dem Umpflanzen merkbar. Alle vier Pflanzen wuchsen energisch und benötigten nur die Grundzufuhr an Nährstoffen und im 3 Tage Rhythmus ein wenig Cannazym. Ich topfte eine Pflanze jeder Sorte in die Air-Pots um. Nach einer Woche war eindeutig, dass dies die besseren Töpfe waren. Die beiden Pflanzen in den Plastiktöpfen waren aber ebenfalls gesund und fleißig am wachsen. Allerdings nicht ganz so beeindruckend wie ihre Gegenstücke in den Air-Pots, die bereits einen Tag vorher das nachgegossene Wasser verbraucht hatten. Eine geringe Nährstoffzufuhr war genug, um die Pflanzen üppig, grün und prächtig aussehen zu lassen.

Close up cannabis

Ich habe in der Vergangenheit bereits mit SOG und ScrOG Systemen herumexperimentiert; ich bevorzugte es allerdings immer mein Cannabis freihand aufzuziehen und nicht wie Hennen in einer Legebatterie. Dorm Grow hat die Behauptung aufgestellt, dass ihr 600W System vergleichbar zu einer 1000W HPS Lampe ist. Dem wollte ich mit so wenig Pflanzen wie möglich auf den Grund gehen. Ich bin schließlich in Spanien und selbst hier können zu viele Pflanzen noch zu legalen Problemen führen. Mein Anliegen ist es, mir einen Vorrat anzuhäufen, der mich zwischen den Ernten grasmäßig autark bleiben lässt - so wie es auch bei den meisten anderen Anbauern der Fall ist.

KAPPEN FÜR HÖHERE ERTRÄGE

Nach der dritten Woche Wachstums war es offensichtlich, dass die Purple Berry Kush größer wird, als die viel stämmigere Power Plant. Ich war allerdings von der Leistung beider Sorten beeindruckt und abgesehen von der Entfernung der unteren Zweige und ein wenig Ausdünnen des Blattwerks, um den Luftfluss zu verbessern, neigte ich dazu beide Sorten natürlich wachsen zu lassen.

Cannabis plant

Als die Purple Berry Kush dann allerdings begann mehr OG Eigenschaften aufzuweisen, entschloss ich mich sie zu Kappen, um das Blätterdach eben zu halten und die Ernte zu erhöhen. Die Mega Power Plant hat ebenfalls OG im Stammbaum, sie erinnert mich aber eher an White Rino; breiter Stamm, kompakte Zweige und extra große Blätter. Die MPPs läßt man am besten allein, damit sie ihren großen Haupttrieb und starke Zweige ausbauen können, eine ideale „Sea Of Green“ Sorte. Die PBKs eigneten sich durch ihre weiter auseinanderliegenden Verzweigungen besser zum Trimmen und/oder Kappen.

Ich hasse es, wenn Anbauer Stecklinge oder Pflanzen kappen, die nicht älter als 30 Tage sind. Also wartete ich und trimmte dann am 35en Tag eine der PBK Pflanzen mit einem glatten Schnitt an der Spitze des Hauptstammes. Bei der anderen Pflanze wendete ich Fimming an, indem ich einfach ungefähr 50% von der Spitze der Hauptknospe mit meinen Fingernägeln abknipste.

Cannabis close up

Seitdem sind nun bereits zehn Tage vergangen und beide Pflanzen haben positiv reagiert. Durch die Verteilung der Wachstumshormone haben sich mehrere Haupttriebe gebildet. Trimmen ist zwar die sauberere Art, die FIM Methode war aber genauso effektiv, obwohl man sagen muss, dass das Resultat nicht so hübsch war - einige Blätter sehen noch mitgenommen aus, werden sich aber bald erholen. Die MPPs hatten nun auch Zeit im Wachstum aufzuholen, während die PBKs damit beschäftigt waren buschig zu werden.

WAS 2017 ANSTEHT

Ich bedaure sehr Dich nun einfach hängen zu lassen, wie bei einem „Finale mitten in der Staffel“ einer Fernsehserie, aber ich muss es leider tun. Heute Abend werde ich meine Timer auf 12-12 umstellen, um somit die Blüte einzuleiten. Bei der nächsten Folge, insofern ich über Weihnachten nicht gefangen genommen oder getötet werde, wirst Du 2017 mehr über meine voraussichtlich erste fette Ernte erfahren. Das Beste kommt also noch. Habe eine schöne Weihnachtszeit und ein „Top-Shelf“ Neujahr.

Fortsetzung folgt ...

 

         
  Top Shelf Grower  

Geschrieben von: Top Shelf Grower
Der ursprünglich aus Dublin in Irland stammende Veteran der Cannabiszucht amüsiert sich zur Zeit in Südspanien. Er widmet sich zu 100% den Top-Shelf Berichterstattungen, bis er entweder gefangen oder getötet wird.

 
 
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