Steht das Ende des Krieges gegen die Drogen vor der Tür?

Veröffentlicht :
Kategorien : BetäubungsmittelgesetzBeurteilungBlogCannabisWelt

Steht das Ende des Krieges gegen die Drogen vor der Tür?

Wird die UNGASS 2016 ein neues Zeitalter der Drogenpolitik einleiten?

Steht das Ende des Krieges gegen die Drogen vor der Tür? Das ist sicherlich ein mutiges Statement. Bevor wir jetzt alle anfangen unsere geheimen Marihuanaverstecke ausräumen und davon träumen unser Lieblingsgras genießen zu können, während wir mit Freunden in der Kneipe um die Ecke sitzen - so einfach ist es leider nicht. "The Lancet", eine der weltweit respektiertesten medizinischen Zeitschriften, hat einen Bericht herausgegeben, der die Entkriminalisierung aller Drogen, nicht nur von Cannabis und die Bewegung unterstützt, dass sich die Politik ändern muss und der Schwerpunkt eher auf Schadensbegrenzung liegen muss, als auf Inhaftierungen wegen Drogenkonsums. Wenn man berücksichtigt, dass dieser Bericht auf den Beiträgen von Fachleuten fusst und verfasst wurde und eine große Auswahl an Wissenschaftsfächern abdeckt, die Staaten mit niedrigem, mittlerem und hohem Einkommen berücksichtigen, dann weißt Du, was mit dem Spruch gemeint ist; man streitet sich nicht mit Fachleuten.

Das Umfeld schaffen

Aufgrund dessen, dass es hier kein einfaches "Ja" oder "Nein" als Antwort gibt, gibt es ein sich schnell näherndes Licht am Ende des Tunnels, dem ziemlich schockierende Fehler zugeschrieben werden können. In diesem Fall ist der Tunnel, auf den wir uns beziehen das Drogenverbot und die Kriminalisierung des Besitzes und des Konsums von Drogen. Das Ziel des Berichtes war, den UN (Vereinten Nationen) vor ihrer Generalversammlung eine Beratung zu bieten, bevor in der Generalversammlung die Drogenpolitik innerhalb ihrer Mitgliedsländer diskutiert würde. Berücksichtigt man, dass die Drogenpolitik innerhalb der UN das letzte Mal 1998 diskutiert wurde, bemerkt man, dass sich die Haltung rund um die Welt drastisch geändert hat, ohne dass eine sichtbare Reduktion des Drogenkonsums zu beobachten ist; noch dazu wächst die Gefängnisbevölkerung in vielen Ländern weiter. Angesichts der sichtlichen Erfolgslosigkeit im Kampf gegen den weltweiten Drogenkonsum, präsentiert dieser Bericht eine alternative Herangehensweise. Anstatt den Drogenkonsum weltweit zu beenden, was das Motto der UN Sitzung von 1998 war, fokussiert man sich nun darauf den Drogenkonsum zu regulieren und den Menschen zu helfen mit ihrer Drogensucht umgehen zu können und letzlich ihre Abhängigkeit zu besiegen.

Bevor wir uns die Details einer "Schaden reduzierenden" Politik und die Empfehlungen des Berichts anschauen, lohnt es sich rückblickend die derzeitige Politik anzusehen, welche Auswirkungen sie auf die Welt hatte und ob sie in ihrem Kern effektiv war. Im Jahr 1998, als die UN Mitgliedsstaaten ihren Einsatz für eine drogenfreie Welt erklärten, schätzten sie, dass im letzten Jahr weltweit 8 Millionen Menschen Heroin genommen hatten, während Cannabis die Marke von weltweit insgesamt 135 Millionen Benutzern durchbrach. Als sie 2008, also zehn Jahre später, ihren Fortschritt überprüften, hatten sich beide Werte erhöht. Zwölf Millionen geschätzte Heroinkonsumenten und nun 165 Millionen Cannabiskonsumenten weltweit. Wenn also die geschätzte Gesamtzahl an Drogenkonsumenten gestiegen war, wie beeinflussten diese 10 Jahre die Drogenkonsumenten und die Weltbevölkerung?

Die Auswirkungen

Der Bericht präsentiert einige ziemlich erschütternde Statistiken, wenn man sich den schädlichen Einfluss anschaut, den die derzeitige Politik hatte. Seit Mexiko 2006 entschied sein Militär zu nutzen, um den Dorgenhandel zu bekämpfen, wurde nicht nur eine "auffallende Zunahme an Tötungsdelikten" beobachtet, "sie war so beträchtlich, dass sie die Lebenserwartung im Land verringerte". Es ist schwierig die Effektivität dieser Strategie zu erkennen, wenn das Ziel die Prävention einer "ernsten Bedrohung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Menschen" war, die den Drogen zugesprochen wurde. Ihre Anstrengungen in diesem Szenario senkten die Lebenserwartung ihrer Bevölkerung stärker als jegliche Wirkung, die Drogen und Abhängigkeit gehabt hätten.

In den USA, die nun grob 5% der Weltbevölkerung ausmachen, gibt es die höchste Quote an Inhaftierungen in der Welt. Auf die Bevölkerung gerechnet sind es ungefähr 707 von 100.000 Menschen. Von diesen Inhaftierungen machen Drogenverstöße einen wesentlichen Bestandteil aus, bundesweit fast 50% aller Insassen sitzen ihre Zeit aufgrund von Straftaten ab, die etwas mit Drogen zu tun haben. Kombiniert mit der Tatsache, dass afroamerikanische Männer zu 32% einmal in ihrem Leben im Gefängnis sitzen, entsteht der entfremdende Eindruck, dass extreme Drogengesetze nur destruktiv sein können, wenn es um die Hilfe beim Kampf gegen Drogenmissbrauch und Sucht geht. Familien, Freunde und Netzwerke zur Unterstützung können enormem Stress ausgesetzt sein, wenn sie mit einem solch hohen Niveau an Inhaftierungen umgehen müssen und entwickeln oft einen Groll gegen die Gesetzesvollstreckung und staatliche Einrichtungen.

Diese Statistiken regen zum genaueren Hinschauen an und somit begannen sich die Räder zu drehen. Spult man schnell vor ins Hier und Heute, hätte dieser Bericht kaum zu einem besseren Zeitpunkt veröffentlicht werden können. Im April diesen Jahres (2016) wird eine Generalversammlung der Vereinten Nationen stattfinden, um die globale Drogenpolitik zu diskutieren. Auf den Antrag von Mexiko, Kolumbien und Guatemala hin wird die Generalversammlung sich den Fortschritt anschauen, den sie im Krieg gegen die Drogen gemacht hat, während sie offen über Möglichkeiten diskutieren wird. Der wachsende Protest der Latein-Amerikanischen Länder steht in Einklang mit kürzlichen Änderungen in der Drogenpolitik der einzelnen Länder. Uruguay wurde das erste Land, das einen national geregelten Cannabismarkt für eine Nutzung in der Freizeit schuf, während Staaten in den USA, wie Colorado, einen ähnlichen Versuch gestartet haben.

Wenn Du bedenkst, dass UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon dazu aufgerufen hat, dass alle Mitgliedsstaaten dieses Treffen als eine Chance einer offenen Debatte nutzen sollten, in der alle Optionen bedacht werden sollen, zeigt dies eine wirkliche Verschiebung der Denkweise innerhalb der UN. Es gibt dennoch Einsprüche gegen diese angekündigten Diskussionen. Bis jetzt haben wir einen Bericht von weltweit aktiven Experten, die eine andere Herangehensweise an den Kampf gegen den Drogenkonsum unterstützen und wir haben einige der UN Mitgliedsstaaten, die eine Chance fordern die aktuelle Politik zu überprüfen, was könnte jetzt noch ein Hindernis sein?

Das Problem liegt in der Tatsache, dass die UN Drogen nicht direkt verbietet oder reguliert, sie agiert als ein Aufseher, der globale Ziele und Richtlinien vorgibt, um Länder zu unterstützen und die globale Lebensqualität zu verbessern. Während ein Land vielleicht eine Schadensbegrenzung vornehmen möchte, wollen es andere möglicherweise nicht. Diese Länder haben, bis zu einem gewissen Punkt, die Freiheit Strafen für Drogenvergehen nach ihrem eigenen Ermessen festzulegen. Länder wie die Vereinigten Staaten haben lange eine Null-Toleranz-Haltung in Sachen Drogen beibehalten, während andere wichtige Akteure wie Russland und einige asiatische Länder und der Mittlere Osten ebenfalls gegen die Änderungen sind. Die UN arbeitet auf der Basis der Mehrheit der zustimmenden Mitgliedsstaaten, aber mit so vielen Hauptakteuren, die aktuell einen Wandel in der Politik ablehnen, kann diese Bewegung der Schadensbegrenzung schnell ausgebremst werden. Im Kern neigen interne Abteilungen der UN zu dieser Veränderung des Ansatzes; die Herausforderung wird also im Grunde sein, ob ihre Mitglieder die Brille ihrer Null-Toleranz-Haltung absetzen können und versuchen zu verstehen, wie Drogenmissbrauch und -Abhängigkeit an der Wurzel bekämpft werden können, ohne den Gebrauch von Macht oder Inhaftierung.

Die Empfehlungen

Wir haben nun also die Auswirkungen gesehen, die die aktuelle Drogenpolitik auf bedeutsame globale Mächte hat, aber was sind die tatsächlichen Empfehlungen des Lancet Berichts? Wie können wir die Lebensqualität verbessern, während wir gegen die Sucht kämpfen?

Insgesamt wurden 11 Empfehlungen ausgesprochen, aber die zwei auffallendsten oder signifikantesten für Cannabiskonsumenten sind folgende:

"Entkriminalisiert geringe Drogenverstöße, Konsum, Besitz und Verkauf geringer Mengen"

und

"Bessere und breitere Forschung an Drogen und Drogenpolitik"

Es gibt bereits bekannte Studien über die nützlichen Wirkungen von Cannabis oder etwas spezifischer, die der Cannabinoide in Cannabis auf zahlreiche physische und psychische Beschwerden. Geschichten vom RSO (Rick Simpson Öl) und seinen heilenden Fähigkeiten, die von vielen Nutzern weltweit gestützt werden, sind nur eine der vielen, die in den Sinn kommen. Des weiteren wurden auch Studien durchgeführt, die sich damit beschäftigten, wie Cannabis dabei helfen kann, besser mit chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität der Nutzer zu verbessern. Es gibt jedoch so viel mehr, das über die verschiedenen Wirkungen verstanden werden muss, die die Cannabinoide auf unseren Körper haben. Bei einer Empfehlung von "besserer und breiterer Forschung" wäre die Hoffnung, dass die Regierungen anfangen würden eher ein Augenmerk auf die vorteilhaften Eigenschaften von bestimmten Drogen zu legen, als nur die negativen Auswirkungen nachzuweisen, die sie haben können.

Die Entkriminalisierung

Die Entkriminalisierung von weichen Drogen würde auch helfen das Brandmal zu entfernen, das Cannabis und seinen Konsum umgibt. Viele Nutzer berichten, dass es bei einer ganzen Menge an Erkrankungen hilft und auch unterstützend bei der Schmerzbewältigung ist, die beispielsweise aus etwas wie einer chronischen Athritis resultieren. Diese Nutzer handeln nicht mit Cannabis oder besitzen es, um Profit zu machen, sondern nur um von den Vorzügen zu profitieren, die Cannabis ihnen bietet. Aktuell sind diese Menschen in den Augen des Gesetzes Kriminelle. Diese Kriminalisierung wird zweifellos noch viel mehr Menschen abschrecken Cannabis zu konsumieren, obwohl es ihnen möglicherweise helfen könnte, ihre Lebensqualität zu verbessern.

Zusammenfassung

Dieser Bericht und die ausgesprochenen Empfehlungen, bieten einen neuen Ansatz für einen klar fehlgeschlagenen Versuch, den Drogenmissbrauch und der Sucht vorzubeugen. Während die Empfehlungen dem gewöhnlichen Nutzer einige mögliche Vorteile bieten, sind die Auswirkungen viel weitreichender als das. Indem man den Fokus von der kompletten Verbannung des Drogenkonsums verschiebt, entfernt man den Bedarf nach dieser Art von negativen Nachforschungen. Es dient lediglich als ein Mittel, um die manchmal unbarmherzigen Ansätze mancher Länder in Bezug auf den Kampf gegen Drogenkonsum- und Missbrauch zu rechtfertigen. Im Wesentlichen landet man in einem destruktiven Kreislauf, bei dem weder die Regierung noch die betroffenen Menschen irgendeinen echten Nutzen sehen. Obwohl es immer noch ein langer Weg ist, bis man eine Änderung der Herangehensweise an den Krieg gegen die Drogen sehen kann, repräsentiert dieser Bericht die Sichtweise von Experten aller Bereiche weltweit; er stellt ein dringend benötigtes Leuchtfeuer dar, welches die UN hoffentlich nutzen kann, um zu einer Strategie zu kommen, die sich eher auf eine Reduzierung der Drogennachfrage fokussiert, als auf eine Reduzierung des Angebots. Weniger von etwas zu haben, beendet nicht automatisch das Verlangen der Menschen die es brauchen, besonders nicht bei einer Sucht.

Bei der aktuellen Drogenpolitik sieht sich eine steigende Zahl von nicht gewalttätigen Drogenkonsumenten mit Haftstrafen konfrontiert. Experten weltweit haben vielleicht die Antwort zu einem effektiveren Ansatz, wie mit dem Konsum von Drogen umzugehen ist.

 

         
  Lucas  

Geschrieben von: Lucas
Lucas ist ein Teilzeit-Autor und Vollzeit-Visionär. Ein anonymer Psychonaut, der mit Anzug und Krawatte in der Gesellschaft untertaucht, arbeitet daran den Massen evidenzbasierte Rationalität zu bringen.

 
 
      Über Unsere Autoren