Italien Nähert Sich Einer Wirklichen Cannabisreform

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Italien Nähert Sich Einer Wirklichen Cannabisreform


Das italienische Militär bewegt sich in der nationalen Verteilung von medizinischem Cannabis vorwärts. Kann die rechtliche Freizeitreform weit hinterherhinken?

Im September begann das italienische Militär zum ersten Mal Cannabis, das es selbst in diesem Sommer für die medizinische Nutzung angebaut hat, an Apotheken und Krankenhäuser zu verteilen. Die Rechtsreform bewegt sich seit einigen Jahren langsam vorwärts. In diesem Herbst wurde die Verteilung von lokal angebautem Cannabis Wirklichkeit, allerdings nur für den medizinischen Markt.

Die quälendere Frage ist jedoch eine, die nicht nur Italienern am Herzen liegt, sondern auch denjenigen, die beobachtet haben, wie die gesamte Regulierungsfrage in Italien vor sich geht. Für eine Abstimmung in diesem Sommer legten die italienischen Gesetzgeber einen Gesetzesentwurf vor, der nicht nur die Freizeitnutzung entkriminalisiert, sondern möglicherweise auch den Grundstein für eine reale freizeitliche Industrie gelegt hat. Der Gesetzesentwurf wurde bis zu diesem Herbst verzögert, obwohl viele erwarten, dass er noch dieses Jahr in Kraft treten wird.

Während Italien lange als Nachzügler in der Drogen-Normalisierungspolitik betrachtet wurde, könnte die viel erwartete inländische Verteilung von medizinischem Cannabis auch eine ziemlich dramatische Vorwärtsbewegung signalisieren, nicht nur an der medizinischen Front, sondern auch für Freizeitzwecke. Das ist für fast alle in der Legalisierungsbewegung weltweit ziemlich schockierend. Was noch spannender ist, ist, dass die hier in Betracht gezogene Cannabisreform sicherlich einen Einfluss auf Reformen in ganz Europa haben oder sie sogar vorantreiben könnte.

WIE UND WARUM?

Medizinisches Marihuana

Im Sommer diesen Jahres, als italienische Politiker ihren Gesetzesentwurf eingeführt haben, bekam der Entwurf globale Aufmerksamkeit. Er entkriminalisiert den freizeitlichen Gebrauch eindeutig, geht aber auch noch um einiges weiter. Die derzeitige Rechtslage entkriminalisiert bis zu 15 Gramm Cannabis für den persönlichen Gebrauch zu Hause, 5 Gramm außerhalb davon und legalisiert den kleinen Anbau (von bis zu fünf Pflanzen) für den persönlichen Gebrauch.

Noch verlockender, die Regierung würde auch die Schaffung von Cannabis Clubs (die bisher in einer Grauzone betrieben wurden) erlauben, ihnen erlauben bis zu 50 Mitglieder zu haben und würde auch die Möglichkeit schaffen, Unternehmen zur Herstellung und zum Verkauf von Cannabis zuzulassen.

Die Idee der Cannabisreform erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit - sowohl für den medizinischen Gebrauch als auch für die Regulierung einer Freizeitindustrie, die längst in der Hand des organisierten Verbrechens liegt. 73% der italienischen Öffentlichkeit unterstützt die Cannabisreform. 83% sagen, dass sie finden, dass die gegenwärtigen Gesetze um Drogen zu kontrollieren ineffektiv sein. Auch die Idee, den Drogensyndikaten in Italien das Geld zu entziehen, ist für die politischen Entscheidungsträger eine ansprechende Idee. Sie betrachten es als eine Möglichkeit, die Mafia zu besiegen und als Hauptargument, um die Finanzierung für Terroraktivitäten zu zerstören, einschließlich derer, die von ISIS durchgeführt werden.

Für ein Land, in dem die Schulden um 33% höher liegen als ihr BIP, sind die Dutzenden von Milliarden Euro, die jährlich unversteuert durch das Land fließen, äußerst überzeugend.

HEFTIGER WIDERSTAND

Gerade aus den Gründen, wegen denen die Legalisierungsbefürworter die Maßnahme unterstützen, nämlich, dass sie Italien fest in das Reformlager ziehen würden, gibt es immer noch viele Menschen, die sich der Gesetzesvorlage entgegenstellen und auch in dieser Legislaturperiode dafür kämpfen, den Entwurf zum Fall zu bringen. Der Gesetzesentwurf hat jetzt über 1.300 Änderungen und ist noch nicht verabschiedet worden.

Vatikanischen cannabis

"Wir sind absolut gegen diese Gesetze, gegen die Botschaft, die verbreitet: Dass jeder einfach einen Spliff rauchen kann", sagte der prominente Gegner Maurizio Lupi.

Anscheinend ist der Papst auch kein Fan.

Dies ist auch nicht das erste Mal, dass Italien versucht hat, Marihuana zu legalisieren. Ein ähnlicher Gesetzesentwurf wurde letztes Jahr eingeführt, nur um alles hinauszuzögern. Davon abgesehen geht es klar voran, genau wie die freizeitliche Reform überall, wenn auch langsamer als erhofft.

WAS DIE MEDIZINISCHE REFORM ERREICHEN KANN

Mit dem lokalen Anbau und der nationalen Verteilung haben die Italiener Deutschland und in der Tat jedes andere Land in Europa überholt, das an der Front der Cannabisreform mitspielt. Eine inländische, regulierte Industrie, auch wenn sie zunächst auf die medizinische Legalisierung fokussiert ist, erschafft eine Infrastruktur, in der andere Reformen entstehen können - was der noch ausstehende nationale Gesetzesentwurf klar anerkennt.

Medizinische Cannabis Italien

Die medizinische Reform auf einer institutionalen Ebene setzt die Gespräche über die freizeitliche Nutzung an verschiedenen Fronten zurück, angefangen mit der Erlaubnis, dass kranke Patienten wie auch freizeitliche Gelegenheitsnutzer, wie es in Italien und Deutschland der Fall ist, bei sich zu Hause ihren eigenen Vorrat anbauen können. Während die deutsche Regierung, zumindest auf Bundesebene, nicht die gleiche Akzeptanz wie die Italiener bei der Genehmigung zu Hause anbauen zu können hat, sind doch einige Gemeinden, wie zum Beispiel Bremen im Norden des Landes, in genau die gleiche Richtung unterwegs. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es gut möglich ist, dass der medizinische Gebrauch im nächsten Jahr in die nationale Gesundheitsversorgung mit aufgenommen wird, machen die Italiener den unvermeidlichen Sprung, den freitzeitlichen Gebrauch mit einzubeziehen, wenn der medizinische Gebrauch zu einem weitgespannten Vertriebsnetz wird.

AUSWIRKUNGEN AUF DEN REST VON EUROPA

Cannabis in Europa

Die Art und Weise wie Italien sich voran bewegt, hat die Aufmerksamkeit von Drogenbefürwortern weltweit erregt. Die Reform, die die Italiener jetzt in Betracht ziehen, ist ganz klar eine Bewegung zur Legalisierung im Stil von Colorado, eine Idee, die bis jetzt komplett vom Tisch war - in jedem europäischen Parlament auf nationaler Ebene, wie auch in Deutschland. Es könnte sein, dass die italienische Gesetzgebung, die wiederholt ins Stocken geraten ist, in der Tat der erste Dominostein sein wird, der das Ende der Prohibition in Europa auslösen wird.

Wenn Italien dieses Gesetz erlässt, wird es mehr Druck auf andere ausüben, angefangen mit, aber nicht begrenzt auf Deutschland, um endlich eine regulierte freizeitliche Drogen-Industrie zu schaffen, auf die wir ungeduldig warten, seit Colorado und Washington State in 2014 sehr lukrative Märkte eingeführt haben. Dies trifft insbesondere zu, weil erwartet wird, dass Kanada aller Wahrscheinlichkeit nach den freizeitlichen Gebrauch nächstes Jahr legalisieren wird. Dies wird noch verlockender, weil Kanada wahrscheinlich der Exporteur der Wahl für medizinische Versorgungsgüter wird, weil mehr und mehr europäische Länder ihren Bürgern einen echten medizinischen Zugang erlauben.

Als eine der wertvollsten Kulturpflanzen auf dem Planeten, insbesondere wenn es um den freizeitlichen Markt geht, ist es doch sehr wahrscheinlich, dass als Resultat in Europa um 2020 herum eine echte Cannabisreform viel verbreiteter sein wird. Besonders in einer Zeit, in der andere Industrien überall zu kämpfen haben, ganz zu schweigen von den Arbeitsplätzen, die in dieser Industrie geschaffen werden können, sind die Steuereinnahmen weitaus verlockender, als die Aufrechterhaltung des Status quo.

Es ist gut möglich, dass die lang erwartete Reform in Italien sich um einige Monate oder sogar ein Jahr verzögern wird. Aber sie liegt jetzt immerhin auf dem Tisch. Und als Ergebnis schauen alle auf den Süden Europas, als Anführer eines Kurswechsels der heutzutage überall überfällig ist.

 

         
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