Tiere, Die Es Lieben Sich Zu Berauschen: Zebrafische

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Kategorien : BlogMedizinisches CannabisWissenschaft

Berauschte Zebrafische


Seit der Zeit, in der wir noch nicht verstanden haben, was Drogen sind, bis heute haben Sucht und Abhängigkeit das menschliche Leben lange beeinflusst. Glaube es oder nicht, aber diese Forschung an Zebrafischen kann uns helfen, besser zu verstehen, wie man Suchterkrankungen beim Menschen behandeln kann.

Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die nach veränderten Bewusstseinszuständen suchen. Es gibt mehrere Tierarten, die nach Substanzen in ihrer Umgebung Ausschau halten, die sie high machen. Man hat beobachtet, wie sich Mäuse, Fische, Affen, Raupen und sogar Fliegen berauscht haben, wobei sie bei bestimmten Substanzen sogar Abhängigkeiten entwickeln können.

Dieser Umstand ist sehr interessant, da er uns helfen kann, die Mechanismen der Sucht beim Menschen besser zu verstehen. Warum lieben es so viele von uns high zu werden; selbst mithilfe von Stoffen, die uns töten können?

Seit den ersten Gruppen von Jägern und Sammlern haben die Menschen Substanzen verwendet, um einen veränderten Zustand ihres Geistes hervorzurufen. Dies geschah aus verschiedenen Gründen. Über tausende von Jahren haben viele Kulturen Drogen in zeremoniellen Ritualen und Stammesriten eingesetzt. Erst seit relativ kurzer Zeit ist der Trend nach psychedelischen Erfahrungen zu suchen auch in den westlichen Kulturen feststellbar. Und das ist ein weiterer Beleg für unseren Wunsch nach veränderten Bewusstseinszuständen.

Wegen ihrer genetischen Ähnlichkeit zum Menschen haben sich Zebrafische als großartige Anschauungsobjekte erwiesen, an denen psychische Störungen untersucht werden können. Diese kleinen Wasserkreaturen teilen 70% der menschlichen Gene und haben transparente Schädel, was die Forschung deutlich erleichtert.

Genetischen Ähnlichkeit Zum Menschen

Mit all diesen Fakten im Hinterkopf haben Forscher der University of Utah Health an Zebrafischen eine Studie zur Opioid-Sucht durchgeführt. Die Ergebnisse, die man erhielt, sind sehr überraschend. 

FORSCHUNGSAUFBAU UND AUSFÜHRUNG

Die Forscher entwickelten einen automatisierten Mechanismus, mit dem die Fische sich die Opioide selbst verabreichen konnten. Dies ermöglichte das drogensuchende Verhalten der einzelnen Zebrafische zu messen. Die Studienteilnehmer wurden in ein Aquarium mit einem gelben Podest gesetzt, das in einer Ecke Bewegungen erkannte. Jedes Mal, wenn ein Fisch diesen Mechanismus auslöste, wurden Opioide ins Wasser freigesetzt. Insgesamt blieben die Tiere fünf Tage lang in diesem Aquarium.

Nach diesem Zeitraum setzten die Forscher die selben Fische in ein anderes Aquarium. Auch in diesem befand sich wieder das besagte Podest – allerdings in einem Bereich mit flacherem Wasser. Zebrafische schwimmen normalerweise nicht in solchen flachen Gewässerbereichen, um sich vor Raubtieren wie Vögeln und Amphibien zu schützen.

Dieses Selbstschutzverhalten ist in der DNA der Fische seit tausenden von Jahren verankert. Wenn die Fische dieses überlebenswichtige Verhaltensmuster nun aufgeben, muss schon ein sehr verlockender Grund dafür vorliegen, der daher eine eingehende Analyse verdient.

Die Übertragung der Forschungsergebnisse auf den Menschen kann als valide gelten, weil erwiesen ist, dass die Selbstverabreichung von Arzneimitteln bei den Zebrafischen von den gleichen molekularen Leitungsbahnen abhängig ist, wie beim Menschen. Genau aus diesem Grund hatten sich die Forscher für Zebrafische als Studienobjekte entschieden. Die Identifizierung der Leitungsbahnen, die das Verhalten der Drogensuche steuern, könnte die Suchtbehandlung beim Menschen revolutionieren.

FORSCHUNGSERGEBNISSE

Die einzelnen Zebrafische konnten jeden Tag 50 Minuten in dem Aquarium mit dem Opioid-Automaten schwimmen. Am ersten Tag beobachteten die Forscher, dass die Aufenthaltsorte der Fische im gesamten Aquarium – wie erwartet - gleichmäßig verteilt waren. Dies änderte sich jedoch im Verlauf der Fünf-Tage-Periode drastisch. Am fünften Tag hielten sich die Fische nur noch im Umkreis des Podestes auf und ignorierten den Rest des Aquariums.

Als daraufhin im zweiten Abschnitt des Experiments das Podest im Bereich des flachen Wassers positioniert wurde, schwammen die Fische nicht im tiefen Wasser, sondern nur in der Nähe des Opioid-Automaten. Fische aus einer Kontrollgruppe, die die potenzielle Funktion des Podestes als Opioid-Spender nicht kennengelernt hatten, mieden das flache Wasser dagegen konsequent.

Fischen Schwammen

Randall Peterson, der Co-Autor der Studie, setzt diese Methode bereits ein, um neue Möglichkeiten der Suchtbehandlung zu erforschen. Wenn man den Fischen eine Substanz verabreicht und daraufhin ihr Verhalten im Aquarium analysiert, ist nicht schwer zu verstehen, wie schlüssig dies für die Suchtforschung ist. Denn was bei einem Fisch funktioniert, wird es höchstwahrscheinlich auch beim Menschen tun.

Peterson merkte in einem Interview mit The Verge an: "Unsere Hoffnung ist, dass diese Substanzen, wenn wir sie finden, auch nützlich sein könnten, um bei Menschen den Impuls zu reduzieren, zu Opioiden zu greifen".

Es ist weiterhin auch wichtig zu beachten, dass die Fische beim Opioid-Entzug Anzeichen von Unbehagen und Angst zeigten. Dies ist ein weiterer Hinweis auf die ähnlichen Verhaltensweisen von Zebrafischen und Menschen.

WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE ZUKUNFT DER SUCHTBEHANDLUNG BEIM MENSCHEN?

Es ist toll, dass auf diesem Gebiet geforscht wird, denn Sucht und Abhängigkeit sind Dinge, die definitiv viele Leben ruinieren. Mit der sich immer weiter ausbreitenden Legalisierung und Entkriminalisierung von Cannabis in US-Bundesstaaten und vielen Ländern auf der ganzen Welt zieht endlich auch medizinisches Marihuana umfassende wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf sich.

Vor diesem Hintergrund glauben Forscher, dass die Cannabispflanze eine weniger gefährliche Alternative zu bestimmten medikamentösen Behandlungen bietet. Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit, die im "Journal of Pain" veröffentlicht wurde, befasste sich mit eben dieser Frage. Dort wird festgestellt, dass chronische Schmerzpatienten ihre Abhängigkeit von Medikamenten auf Opioid-Basis verringern können, wenn sie Zugang zu Cannabis erhalten.

Medizinisches Marihuana

Die in der Studie untersuchte Stichprobengruppe war mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Die Teilnehmer berichteten nicht nur von einer verbesserten Lebensqualität, sondern schätzten Cannabis in der Verringerung ihrer Schmerzen auch als effektiver als Opioide ein.

Das ist erstaunlich. Opioide besitzen ein sehr hohes Suchtpotenzial und führen zu schrecklichen Entzugserscheinungen. Falls Schmerzpatienten besseren Zugang zu medizinischem Cannabis hätten, könnte die grassierende Opioid-Epidemie vielleicht mit größerer Zuversicht bekämpft werden.

IST CANNABIS EIN POTENTIELLER ERSATZ FÜR OPIOIDE?

Die Forscher der oben genannten Studie kamen zu dem Schluss, dass "(...) unter den Studienteilnehmern die Einnahme von medizinischem Cannabis mit einer 64%igen Abnahme der eingenommenen Opioid-Menge, einer Verringerung der medikamentösen Nebenwirkungen und einer verbesserten Lebensqualität einherging. Diese Studie deutet darauf hin, dass viele chronische Schmerzpatienten Opioide und andere Schmerzmedikamente durch medizinisches Cannabis ersetzen und dabei erleben, dass der Nutzen von Cannabis im Vergleich zu anderen Klassen von Medikamenten größer ist – bei gleichzeitig vorteilhafterem Nebenwirkungsprofil."

Nur weitere Untersuchungen werden zeigen, wie die Zukunft der Suchtbehandlung aussehen könnte. Hoffentlich werden Rehabilitationskliniken in Zukunft nichts weiter sein als Apotheken. Vielleicht wirst Du dort auch Dein Cannabis kaufen können. Es ist schon positiv, dass intelligente Menschen ihre Zeit und ihr Geld in ein so wichtiges Thema investieren.

Hoffentlich wird die Zukunft für Süchtige mit besserem Zugang zu wirksameren Mitteln heller sein. Derzeit können wir nichts weiter tun als abwarten.

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