Steigert Cannabis die Kreativität?

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Steigert Cannabis die Kreativität?

Für viele braucht es nur den erhebenden sanften Kuss einer Sativa um einen Fall von Schreibblockade zu lösen oder um eine frische neue Sicht zu erlangen um ein Bild fertigzustellen. Oder könnte dieser sogenannte Ausbruch an Kreativität nur eine Illusion d

Die Wahrnehmung von Kreativität und Cannabis wird von vielen als eine im Himmel geschlossene Hochzeit angesehen - wobei angenommen wird, daß sich neue Wege des Denkens und der Einsicht eröffnen. Doch eine neue Studie, die von Forschern an der Universität Leiden in den Niederlanden durchgeführt wurde scheint diesen Marihuanamythos zu zerstreuen.

Dr. Lorenza Colzato, Assistenzprofessor für Neuromodulation und Kognition an der Universität sagte in einer Erklärung: "Wenn man eine Schreibblockade oder andere kreative Lücke überwinden will, ist einen Joint anzustecken nicht die beste Lösung. Das Rauchen mehrerer Joints nacheinander kann sogar kontraproduktiv für das kreative Denken sein."

Zusammen mit seinem Kollegen Dr. Mikael Kowal rekrutierte Colzato 54 Marihuana rauchende Probanden, die an der Studie teilnahmen. Die Gruppe wurde dann in drei Gruppen zu je 18 Personen eingeteilt. Der ersten Gruppe wurde 22mg THC, der zweiten 5,5mg THC und der dritten ein Placebo gegeben. Der Konsum des Marihuanas wurde durch die Verwendung eines Verdampfers erleichtert. Den Teilnehmern wurde nicht gesagt, welche Dosis sie erhalten hatten.

Sobald es verabreicht worden war, wurde den Teilnehmern eine Reihe von kognitiven Aufgaben gestellt, um sie auf Herz und Nieren zu testen. Diese Aufgaben konzentrierten sich auf zwei Arten der kreativen Denkprozesse, wobei die erste "divergentes Denken" (schnell gefundene kreative Lösungen) und die andere "konvergentes Denken" war, die Fähigkeit, die einzig richtige Antwort auf eine Frage zu finden.

Bei der Analyse der Ergebnisse fanden die Forscher heraus, daß die Teilnehmer, die die höchste Dosis THC erhalten hatten die schlechteste Leistung bei den Aufgaben erbrachten. Also mußte das THC eine insgesamt negative Auswirkung auf ihre Fähigkeit haben die Lösungen für die spezifischen Aufgaben zu finden. Die Teilnehmer mit der niedrigen Dosis oder dem Placebo zeigten im Vergleich zur Hochdosisgruppe viel besseres kreatives Denken. Gleichwohl gab es in ihrer tatsächlichen Leistung keine Anzeichen für eine erhöhte Kreativität.

Fall abgeschlossen?

Es kann argumentiert werden, daß die Teilnehmer nach der Geschwindigkeit beurteilt wurden, mit der sie zu einer Lösung kamen, offensichtlich keine gute Idee ist, wenn es um Cannabis geht. Ganz offensichtlich stehen die Ergebnisse der Studie in direktem Widerspruch zu den Erfahrungen von Cannabiskonsumenten, was erhebliche Zweifel an der Methodik der Studie aufwirft. Cannabis wirkt nicht unbedingt auf einer zerebralen, intellektuellen Ebene und neigt sogar dazu, diese Fähigkeiten stumm zu schalten. Die Kreativität genau auf dieser zerebralen Ebene zu messen scheint an der Sache vorbeizugehen. Einstein formulierte es bekanntermaßen so: "Jeder ist ein Genie. Aber wenn du einen Fisch nach seiner Fähigkeit beurteilst, einen Baum hochzusteigen, wird er sein ganzes Leben lang glauben er sei dumm."

Obwohl diese Studie in einigen Bereichen gründlich war, wurde etliches versäumt. Allein das impliziert schon, daß die Ergebnisse Grund für eine genauere Untersuchung sind. Wie könnte sich die Kreativität in einer einzigen kognitiven Aufgabe erfassen lassen? Welche Rolle spielte die Tatsache, daß die Teilnehmer in einer ungewohnten und unnatürlichen Umgebung steckten bei dem Gesamtergebnis? Hätten die Dinge sich anders entwickelt, wenn sie sich in der Behaglichkeit ihres eigenen Heims befunden hätten, wodurch mehr Platz für Kreativität gewesen wäre?

Diese Studie wirft scheinbar mehr Fragen auf, als daß sie Antworten erbringt; sie zeigt lediglich auf, daß man die Dinge nicht immer nur schwarz oder weiß sehen kann. Dennoch, vielleicht wird dies die Tür für weitere Untersuchungen des aus den Angeln gehobenen Reichs von Cannabis und Kreativität öffnen. Zumindest für jetzt, können wir alle denken was wir wollen.

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