Medizinisches Cannabis in Großbritannien: Zugang durch ein Schlupfloch

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Medizinisches Cannabis in Großbritannien: Zugang durch ein Schlupfloch

Das Vereinigte Königreich betreibt derzeit eine Politik der Null Toleranz, wenn es um Cannabis geht. Es ist auf jeder Stufe illegal, aber es gibt Anzeichen, daß sich dies eines Tages ändern könnte.

Das Vereinigte Königreich betreibt derzeit eine Politik der Null Toleranz, wenn es um Cannabis geht. Es ist auf jeder Stufe illegal, aber es gibt Anzeichen, daß sich dies eines Tages ändern könnte.

Die globale Haltung gegenüber Cannabis verschiebt sich langsam und Großbritannien nimmt es zur Kenntnis. Die jüngsten Entwicklungen in den USA und Uruguay signalisieren den Anfang vom Ende des Verbots.

"Clear" Mitglied bringt medizinisches Cannabis nach Großbritannien

Vor kurzem hat ein britischer Bürger erfolgreich und legal medizinisches Cannabis nach Großbritannien importiert. Jamie Watling, ein 33 Jahre alter Mann, der an einer degenerativen Wirbelsäulenerkrankung leidet, die chronische Schmerzen, Spondylitis, Spinalstenose und Ischias verursacht.

Kürzlich wurde bei Watling die Dercum Krankheit diagnostiziert, eine seltene Erkrankung, bei der schmerzhafte Tumore sich von der Wirbelsäule auf den Rest des Körpers ausbreiten. Da die konventionelle Behandlung nicht mehr wirksam war, suchte Watling nach Alternativen. Nachdem er in der Vergangenheit gelegentlich Cannabis konsumiert hatte, dachte Watling, er sollte es nochmal versuchen, um seine Wirkungen zu beurteilen - und er war sehr angenehm überrascht. Er fand, daß es ihm große Erleichterung verschaffte, mit wenigen Nebenwirkungen.

Als er mit dieser Nachricht zu seinem Arzt ging, war Watling noch überraschter zu erfahren, daß sein Arzt auf die Idee sehr aufgeschlossen reagierte, bis zu dem Punkt, an dem sein Arzt die Sache in die eigenen Hände nahm und seine eigene Recherche durchführte, woraufhin er schließlich Bedrobinol, eine medizinische Cannabis Sorte, die von der niederländischen Firma Bedrocan angeboten wird, vorschlug und verschreib.

Mit diesem Rezept in der Hand, beantragte "Clear", eine Organisation, die für eine Reform der Cannabis Gesetze kämpft, beim Innenministerium die Erteilung einer persönliche Cannabis Einfuhrlizenz für Watling. Sie ermöglichten Watling auch die Ausreise aus den Niederlanden, wo sein Rezept mit einer Apotheke abgesprochen worden war, damit er es abholen konnte.

Verständlicherweise war die Rückfahrt ziemlich nervenaufreibend und der Mut, der erforderlich ist, um zu den Zollbeamten zu gehen und ihnen zu sagen, daß man etwas anzumelden hätte, muß immens gewesen sein. Glücklicherweise waren alle Papiere in Ordnung und der britische Zoll hatte kein Problem mit ihm. Sie kommentierten es so, daß, sollte er das Cannabis nicht angemeldet haben, er in ziemlichen Schwierigkeiten gewesen wäre und daß sie sich Ratschläge aus dem Innenministerium holen werden, wie sie vorgehen sollten, wenn sie in der Zukunft vor einer ähnlichen Situation stehen.

Dies ist nicht der einzige Durchbruch für Cannabis in Großbritannien. Es gibt immer mehr Druck auf die Regierung, ihre Politik neu zu bewerten.

Sanjay Gupta wendet seinen Blick nach Großbritannien

Dr. Sanjay Gupta ist ein berühmter amerikanischer Neurochirurg und medizinischer Reporter für CNN, der im vergangenen Jahr seine Ansichten zu Cannabis drastisch verändert hat. Zuvor war er eine Person, die strikt gegen Cannabis war, weil er glaubte, daß es mehr Schaden als Nutzen haben würde. Dies hat sich jedoch geändert. Stapelweise Forschung hat seine Meinung geändert, bis zu dem Punkt, an dem er der Welt sagte, daß wir im letzten Jahrhundert über die Natur von Cannabis in die Irre geführt wurden und er sich für seine Rolle dabei entschuldigte.

Gupta hat danach einen CNN Dokumentarfilm gemacht, der die Wahrheit über Cannabis zeigt und setze ihn so um, daß der durchschnittliche Amerikaner ihn verstehen kann, was helfen soll, das Stigma, mit dem Cannabis traditionell behaftet ist, zu entfernen. Der Film heißt "Weed" und kann auf YouTube angesehen werden:

Jetzt wendet Gupta sein Augenmerk auf die Entwicklungen in Großbritannien, wobei er die Geschichte von Watling mit einem Interview und der Schaffung eines Dokumentarfilms verbreitet, der die Fallstricke der aktuellen britischen Gesetzgebung aufdeckt, (die Ausstrahlung wird für März 2014 erwartet). Nach geltendem britischen Recht ist Cannabis eine verbotene Substanz, die so eingestuft ist, als habe sie absolut keinen medizinischen Wert. Offensichtlich widerspricht dies allen wissenschaftlichen Erkenntnissen und auch der Entscheidung des Innenministeriums, daß Watling Cannabis importieren durfte und auch, daß GW Pharmaceuticals Cannabis für die Herstellung von Sativex aufziehen darf, ein Medikament auf Cannabisbasis.

Innenministerin fordert Neubewertung der Drogenpolitik

Vor kurzem hat Innenministerin Theresa May eine Studie über die Politik anderer Länder angefordert, die es entkriminalisiert oder entspanntere Gesetze zur Kontrolle von Cannabis umgesetzt haben. Es ist wahrscheinlich, daß Länder untersucht werden, die die Verwendung von Cannabis aus medizinischen Gründen erlaubt haben, aber auch solche, die Schritte wie die Bundesstaaten Washington und Colorado unternommen haben, wo gibt es Pläne gibt, es für den Freizeitgebrauch zu legalisieren. Dabei wird auch die Verwendung von Cannabis mit anderen schädlichen Substanzen und schwer zu kontrollierenden "Legal Highs" verglichen werden, da sich Hinweise darauf häufen, daß staatliche Kontrolle besser ist, als ein Verbot.

May hat zudem einen Aufruf abgelehnt, bis 2015 einen Sonderbericht über die Drogenpolitik anzufertigen, was die Frage aufwirft, wie lange sie planen, daß es dauern soll. Was dies bedeutet, ist, daß Großbritannien in der unmittelbaren Zukunft keine radikalen Veränderungen für die Freizeitnutzer erwarten sollte, aber die Räder des Wandels in Großbritannien sind in Bewegung gekommen. Laßt uns hoffen, daß sie nicht gestoppt werden, bevor sie Dynamik aufbauen. Das heißt nicht, daß es nichts gibt, was für den medizinischen Nutzer getan werden kann, denn der Fall von Walting hat ein Schlupfloch aufgezeigt, von dem Clear hofft, daß es Nutzern ermöglicht, medizinisches Gras zu bekommen, solange sie bereit sind, die erforderlichen Schritte zu unternehmen.

Zugang bekommen

Bevor wir fortfahren, ist sehr wichtig, zu verstehen, daß dies ein Schlupfloch ist. Der Anbau, die Verwendung und der Besitz von Cannabis bleibt innerhalb des Vereinten Königreiches auf allen Ebenen illegal. Bestätigter medizinischer Bedarf wirkt nur als mildernder Umstand, sollte die Frage vor Gericht, beim Untersuchungsrichter und dem Justizgesetz von 2009 geklärt werden. Wir unterstützen keine rechtswidrigen Aktionen.

Der Schlüssel für einen Patienten, der medizinisches Cannabis in Großbritannien verwenden will, ist vollständige Transparenz. Der Arzt des Patienten muß die Anfrage nach einem Rezept klar verfassen, unter Hinweis auf die Ansprüche, daß es sich positiv auf seinen Zustand auswirkt, sicher und diskret verwendet wird, nicht mißbraucht wird und das es keine negativen Nebenwirkungen hat. Es muß erfaßt sein, daß der Patient sich auch nach der Möglichkeit eines Privatrezeptes erkundigt hat, auch wenn diese so gut wie nicht existent sind. Ebenso muß ein Antrag beim Innenministerium gestellt werden, mit der Bitte um die Erlaubnis, Bedrocan Cannabis zu importieren, ähnlich wie Watling es tat. Es sollte angemerkt werden, daß gemeldet wurde, daß alle weiteren Versuche seit dem Fall Watling verweigert wurden. Was hierbei wichtig ist, ist daß Beweise gesichert werden. Sollte ein Patient jemals vor Gericht gebracht werden, sollte er nachweisen können, daß seine Absicht der Verwendung von Cannabis alleinig die für medizinische Zwecke ist und er alle möglichen Wege des Erwerbs ausgeschöpft haben.

Dadurch, daß diese Beweise und eine Menge Marihuana vorliegen, die man als persönlichen medizinischen Vorrat erachten würde, können Gerichtsurteile so variieren, daß Fälle fallengelassen werden oder milde Strafen gemeinnütziger Arbeit ausgerufen werden. Aber noch einmal, wir befürworten nicht, das Gesetz zu brechen und diese Verfahren befreien Patienten nicht davon - sie bedeuten lediglich mildernde Umstände.

Während immer mehr Länder und Staaten, vor allem die USA und in Südamerika, beschlossen haben Cannabis zu legalisieren, wächst der Druck, die gescheiterten Gesetze des Verbots zu überarbeiten. Immerhin könnte die Cannabis Wirtschaft Millionen an Steuereinnahmen einbringen. Die Chancen stehen so gut wie nie zuvor, eher bald Veränderungen zu sehen - auch in Großbritannien. Die Haltung Cannabis gegenüber verschiebt sich langsam und Großbritannien nimmt es zur Kenntnis. Innerhalb der letzten paar Monate gab es ein paar aktuelle Entwicklungen, die den Anfang vom Ende des Verbots signalisieren könnten. Natürlich stehen die Dinge noch am Anfang, aber sie sind in Bewegung geraten.

Alles, was wir tun können, ist hoffen, daß Veränderungen stattfinden. Es gibt Potenzial, daß etwas passiert und da die anderen Weltmächte, wie die USA, beginnen sich damit anzufreunden, wäre Großbritannien töricht, seine antiquierten und veralteten Gesetze nicht neu zu bewerten. Stell Dir nur mal vor, sollte sich das Vereinigte Königreich den USA zugunsten von medizinischem Cannabis anschließen, gäbe es 2 der 5 ständigen UN Ratsmitgliedsländer die es befürworten, was helfen würde, weitere Änderung zu erleichtern.