Cannabis Als Arzneimittel Und Deutschland Im Jahr 2017

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Medizinische Cannabis Deutschland


Deutschland macht sich dieses Jahr daran, endlich eine Marihuana-Reform auf den Weg zu bringen. Marihuana als Arzneimittel soll neu klassifiziert und von der Krankenversicherung abgedeckt werden. Die Stadt Berlin scheint sich dieses Jahr zudem einer bahnbrechenden Pilot-Reform für Cannabis als Genussmittel anzunehmen.

Während in Deutschland die Feuerwerkskörper weggeräumt werden und ein brandneues Jahr begrüßt wird, gibt es ausgerechnet hinsichtlich Cannabis aufregende Neuerungen zu erwarten.

In diesem Jahr wird es zum ersten Land in der Welt, das Cannabis - in den USA eine Schedule III Droge - neu klassifiziert und auch damit beginnt, es mit der Krankenversicherung abzudecken.

2017: EIN DENKWÜRDIGES JAHR FÜR CANNABIS IN DEUTSCHLAND?

Cannabis Deutschland 2017

2017 beginnt in Deutschland bereits mit einem Kracher, denn Cannabis als Arzneimittel wird offiziell legalisiert und von den Krankenversicherungen abgedeckt. Potentielle Unternehmer im Cannabis-Gewerbe, insbesondere was den Anbau betrifft, haben aber mindestens noch ein Jahr vor sich, bevor sie überhaupt an die Planung lokaler Anbauvorhaben denken können. Die Bundesregierung plant noch nicht einmal vor dem Jahr 2018 eine offizielle Cannabis-Agentur zu schaffen - und es ist sehr wahrscheinlich, dass es danach zumindest ein gewisses Maß an staatlicher Aufsicht gibt.

Bis zu diesem Zeitpunkt und wahrscheinlich auch darüber hinaus, hat die Regierung beschlossen, den notwendigen Bedarf zu importieren (in diesem Fall aus Kanada), wie auch andere Länder weltweit, die über die richtige Herangehensweise an die Frage nach Cannabis als Arzneimittel entscheiden. Bislang importiert Deutschland medizinisches Gras aus den Niederlanden, dies war jedoch durch das holländische - nicht das deutsche - Gesetz limitiert auf 41kg pro Jahr. Offensichtlich wurde deshalb die Entscheidung über den Import aus Kanada getroffen.

Cannabis als Arzneimittel ist in Deutschland allerdings nichts Neues. Bereits letztes Jahr standen Patienten für das Medikament Schlange. In der Tat erhielten im Jahr 2016 ca. 800 Patienten die Erlaubnis, medizinisches Cannabis zu konsumieren, das sie in Apotheken kaufen konnten. Dies ist ein Zuwachs von 50% im Vergleich zu 2015 - unabhängig davon, wie klein die Zahlen im Moment auch sind, ist dies erheblich, denn die Patienten mussten das Medikament (das ungefähr 15 Euro pro Gramm kostet) noch aus eigener Tasche bezahlen. Nutzer des Arzneimittels konsumieren ungefähr 28 Gramm im Monat. Viele konsumieren allerdings auch mehr.

EIN WACHSENDER CANNABISMARKT

Wachsender deutscher Cannabismarkt

Wenn der deutsche Medizinmarkt in den gleichen Bahnen verläuft wie der kanadische, dann könnte zum Beispiel das Wachstum der Anzahl neuer Patienten, mit Leichtigkeit 10% übersteigen. Wie viele Patienten plötzlich auftauchen werden ist unklar, aber es ist eine große Welle neuer Patienten wahrscheinlich, insbesonderen hinsichtlich der Breite der abgedeckten Leiden und der Tatsache, dass die Versicherungen die Kosten tragen sollen. Eine Krankenversicherung in Kanada hat nun damit begonnen, Cannabis als Arzneimittel abzudecken - und es wird angenommen, dass viele diesem Beispiel folgen werden, vor allem da gegen Ende des Jahres die Verwirklichung einer Reform zu Cannabis als Genussmittel auf Bundesebene erwartet wird. Es ist wahrscheinlich, dass die deutschen Versicherungen in gleicher Weise handeln werden, sobald das Gesetz im Frühling durchgesetzt wird.

Während es darüber hinaus weniger wahrscheinlich ist, dass Deutschland den genau gleichen Weg wie Kanada einschlägt, ist die Gesamtsituation hier ähnlich faszinierend. Das Gesetz wird später jedem Arzt erlauben, das Arzneimittel zu verschreiben - und es gibt scheinbar keine Liste mit dafür "qualifizierenden Krankheiten, was das deutsche Gesetz sehr bedeutend macht. In anderen Worten: Ärzte können dieses Arzneimittel nun nach ihrem Ermessen bei chronischen Krankheiten verschreiben, bei denen die Behandlung mit konventionellen Therapiemethoden bislang weniger erfolgreich war. Dies umfasst Krankheiten, die Muskelverkrampfung, ADHD, Depressionen, Magen-Darm-Erkrankungen und PTBS.

WAS IST MIT CANNABIS ALS GENUSSMITTEL?

Die Frage nach dem Zeitrahmen hinsichtlich breitflächigerem Konsum als Genussmittel bleibt allerdings bestehen. Hierbei wird es auch interessant, vor allem, da die medizinische Reform voranschreitet. Die Sozialdemokraten, Die Linke und die Grünen scheinen endlich gewillt zu sein, die Genussmittel-Diskussion voranzutreiben - gleiches gilt für das Bundesland Berlin. Der Stadt wird von der Bundesregierung nun scheinbar die Erlaubnis erteilt ein Pilotprojekt zu erstatten, bei dem eine sehr limitierte Versuchs-Markteinführung als Genussmittel gestartet wird, bei der das Arzneimittel (zumindest) entkriminalisiert wird. Dieser Schritt scheint eine Reaktion auf die amerikanischen Wahlen im November zu sein, bei welcher 8 weitere Bundesstaaten (4 als Arzneimittel und 4 als Genussmittel) sich in Richtung Legalisierung bewegt haben, darunter auch die gigantische Gras-Ökonomie Kalifornien.

Cannabis-Flagge berlin

Berlin ist als Stadtstaat zudem mächtiger als die beispielsweise die Stadtregierung von Bremen, deren Bürgermeister und politische Gruppierungen aus den selben Gründen die gleichen Reformen fordern. Im letzten Jahr haben sie endlich eine Entkriminalisierung durchsetzen und begrenztes Anbauen für den Eigengebrauch erlauben können, aber die Hinweise verdichten sich, dass das Experiment in Berlin in der Tat eine Art "Coffee Shop" oder eine "Arzneimittelausgabe von Cannabis als Genussmittel" auf den Weg bringen könnte.

Abgesehen davon hat es den Anschein, dass die Bundesregierung den Genussmittel betreffenden Verlauf der Dinge verlangsamen möchte, bis die medizinische Reform vollständig durchgesetzt ist.

An all dem bereits Erwähnten ist besonders interessant, dass es in der Tat zwei "Mittelpunkte" der Marihuana-Reform in Deutschland schaffen könnte. Berlin wird (wenig überraschend) ermöglicht, mit dem Vertrieb als Genussmittel zu experimentieren (um den riesigen Drogenmarkt und das hohe Ausmaß des Straßenhandels einzudämmen, den die Polizei nicht unterbinden konnte).

Allerdings kann es sehr gut sein, dass Hessen und Frankfurt der Mittelpunkt all der medizinischen Angelegenheiten wird. Aus verschiedenen Gründen.

Zum einen, da der Zugang hier sehr viel stärker begrenzt ist. Man kann kaum "Straßendealer" in der Stadt finden und die Ganja-Schwaden sind hier sehr viel seltener zu riechen, als dies in Berlin der Fall ist. Außerdem hat der größte Vertreiber von importiertem Marihuana - die gerade von Canopy Canada aufgekaufte Medcann GmbH - Büroflächen im südlichen Vorstadtgebiet. Die von einem amerikanisch-deutschen Duo gegründete Firma ist erst seit weniger als vier Monaten im Geschäft und vertreibt hochwertiges Gras an Apotheken. Folglich könnte im Bundesland Hessen der erste großflächige Probelauf einer Versicherungsdeckung stattfinden, insbesondere, um Versicherungen davon zu überzeugen, das Arzneimittel in relativ naher Zukunft abzudecken.

Medcann Pharma and nutraceuticals

Unabhängig davon ist es offensichtlich, dass in Deutschland dieses Jahr ein echter Wandel an der Marihuana-Front bevorsteht. Dies wäre mit Sicherheit ein Weg dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung sich von ihrer Regierung gehört fühlt. In Deutschland wird mit Bangen auf die Bundestagswahl in diesem Jahr geblickt, insbesondere hinsichtlich der bahnbrechenden und überraschenden Siege im letzten Jahr für den Brexit in Großbritannien und Trump in den USA. Was auch immer da passiert ist, es zeigt, dass diese politischen Entwicklungen auch ein Zeichen davon sind, dass die Bevölkerung sich hinsichtlich ihrer lokalen Verlangen und Wünsche von ihren Regierungen nicht angesprochen fühlt.

Die Reformen zu Marihuana, mit all ihren seltsamen Eigenheiten, komischen Kauzen, sehr vielfältigen politischen Bettnachbarn, ganz zu schweigen von den bestehenden Stigmatisierungen und Kontroversen, scheinen eine politische Lösung zu sein, die gleichwohl Angela Merkel dabei behilflich sein kann, ihre vierte Amtszeit zu sichern.

 

         
  Marguerite Arnold  

Geschrieben von: Marguerite Arnold
Mit ihrer jahrelangen Erfahrung in der Schriftstellerei hat sich Marguerite der Erforschung der Cannabis-Industrie und den Entwicklungen der Legalisierungsbewegung gewidmet.

 
 
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