Was ist gefährlicher - MDMA oder Reiten?

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Was ist gefährlicher - MDMA oder Reiten?

Befrag die Menschen auf der Straße zu MDMA und die Chancen stehen gut, daß die meisten Dir sagen, daß es schlecht ist. Aber warum? Statistisch gesehen ist es nicht gefährlicher als Reiten.

Wenn es darum geht über Drogenpolitik zu reden, vor allem auf der Insel, in Großbritannien, beziehen wir uns oft auf die Arbeit von Professor David Nutt. Professor Nutt ist ein prominenter und geschätzter Wissenschaftler, der an der Spitze des Kampfes für ein Betäubungsmittelgesetz auf rationaler und wissenschaftlicher Basis steht. Er war so geschätzt, daß er bis vor ein paar Jahren eine herausragende Rolle als Berater der britischen Regierung einnahm. Doch alles änderte sich, als er der britischen Regierung erzählte, daß der Konsum von Ecstasy nicht gefährlicher als Reiten ist.

Gegenüber einer ideologischen und regressiven Regierung ist es durchaus eine Offenbarung und sicherlich eine sehr mutige Aussage für einen Regierungsberater (wenn es um das Betäubungsmittelgesetz geht). Wie Du Dir wahrscheinlich vorstellen kannst war die Regierung "not amused" und Prof. Nutt wurde einfach an die Luft gesetzt - wegen eines evidenzbasierten Arguments! Es ist wirklich eine Schande und zeigt genau wie es mit der modernen Politik steht. Sie ist zu tief in der Ideologie und der öffentlichen Meinung verwurzelt, anstatt auf Wissenschaft und Beweisen zu beruhen.

Reiten: Eine Gefahr für uns alle

Die Idee hinter Prof. Nutt's Aussage war, die Debatte anzuregen und zu zeigen, daß andere Aspekte des Lebens genauso gefährlich sein können wie der Konsum von Drogen, wenn nicht sogar gefährlicher. Als Prof. Nutt einen Artikels mit dem Titel "Equasy: An overlooked addiction with implications for the current debate on drug harms" (Equasy: Eine übersehene Sucht mit Auswirkungen auf die aktuelle Debatte über die Gefahr von Drogen) schrieb, schlug er einen satirischen Ton an, wobei er diejenigen, die regelmäßig reiten, so beschrieb, daß sie an "Equasy" leiden, kurz für “Equine Addiction Syndrome” (Pferdesucht Syndrom). Dieses Syndrom, so schrieb er, verursacht jährlich rund 10 Todesfälle und mehr als 100 Verkehrsunfälle. Durch den Sport der Fuchsjagd führt dies auch zu "Versammlungen von Nutzern, die man in Gruppen oft mit einem gewalttätigen Verhalten in Verbindung bringt."

Das liest sich recht humorvoll, doch es weist auf einen sehr ernsten Punkt hin: Reiten ist ebenso, wenn nicht gar schädlicher für die Gesellschaft als MDMA, also warum ist Reiten gesellschaftlich akzeptabel, wenn die Droge es nicht ist?

"Die Abhängigkeit, definiert durch die Notwendigkeit einer weiteren Verwendung, wurde von Gerichten in Scheidungsvereinbarungen angenommen", schrieb er. "Auf der Grundlage dieser Schäden ist es vielleicht wahrscheinlich, daß der Sachverständigenrat für Drogenmissbrauch empfehlen würde, daß Reiten als Missbrauch einer Klasse A Droge gemäß des Betäubungsmittelgesetzes einzustufen sei, vorausgesetzt es scheint schädlicher als Ecstasy zu sein."

Es zeigt wieder einmal, daß die Gesellschaft sehr heuchlerisch sein kann wenn sie bestimmte Formen von schädlichem Verhalten toleriert und sogar dazu zu ermutigt, während andere verurteilt werden. So gerne wir auch glauben würden, daß die moderne Gesellschaft auf Denken, Wissenschaft und Evidenz basiert, so scheint es, als hätten wir noch einen langen Weg vor uns - vor allem was Drogen betrifft.